Kein Halali in Zürich: Jägern fehlt der Nachwuchs

In der Schweiz hat vielerorts die Jagdsaison begonnen. Doch während in anderen Kantonen das Jagdfieber alle Generationen befällt, kämpfen Jagdgesellschaften in Zürich mit Nachwuchsproblemen.

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Derzeit läuft das Verfahren für die Neuvergabe der 171 Jagdreviere im Kanton Zürich. Im März werden sie durch die zuständigen Gemeinden an die Jagdgesellschaften versteigert. Weil die bisherigen Pächter ihre Arbeit zumeist gut machen, werden sie voraussichtlich den Zuschlag erhalten. Doch vielen Gesellschaften fehlt es zunehmend an Nachwuchs.

Laut Urs Philipp, Leiter der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung, ist das ein latent vorhandenes Problem. Bei der kommenden Neuvergabe der Pachtreviere sei das zwar noch nicht gravierend. «Wenn der Nachwuchs aber weiterhin ausbleibt, könnte es bei der nächsten Vergabe problematisch werden, genügend qualifizierte Pächter zu finden.»

Die Anforderungen sind gestiegen

Für Andreas Rippmann vom Verein Jagd Zürich befinde man sich in einem Dilemma: «Einerseits möchte man mehr junge Jäger, andererseits sind die Anforderungen gestiegen.» Früher mussten die Jäger eine Aufnahmeprüfung machen, heute sind es zwei. «Und die Gesellschaft aus städtischen Gebieten distanziert sich zunehmend von der Natur.» Zudem sei die Tätigkeit als Jäger sehr zeitaufwändig, da ein Revier stetig gehegt und gepflegt werden müsse.

Jäger meist schon pensioniert Der grosse Zeitbedarf hat zur Folge, dass viele erst in der zweiten Lebenshälfte oder auf die Pensionierung hin Jäger werden. Rippmann schätzt das Alter im Schnitt auf über 50 Jahre. An den Jagdprüfungen machen Jäger zwischen 20 und 30 Jahren weniger als die Hälfte aus.

Führungen für Interessenten

Um den Mangel an jungen Jägern zu beheben, werden die Gesellschaften aufgefordert, Gäste aufzunehmen und Jungjäger in die Praxis einzuführen. Interessierte können an Führungen teilnehmen und hautnah erleben, wie ein Fuchs abgebalgt oder Wildbret verarbeitet wird. Ein fahrbarer Infostand klärt Schüler und Aussenstehende über die Jagd auf. «Aber viele Leute im direkt abzuholen ist schwierig», sagt Rippmann.

Nach der Neuvergabe der Reviere im März bleiben die Gesellschaften zwar für die kommenden acht Jahre Pächter. Ohne wirkungsvollere Massnahmen könnte sich bis dahin allerdings das Nachwuchsproblem massiv verschärfen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.09.2008, 11:40 Uhr

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