Kinder im OP zu Mädchen gemacht: Regierung muss Stellung beziehen

Von Felix Schindler. Aktualisiert am 27.10.2009

Ein Neugeborenes, das weder Junge noch Mädchen ist, wird in Zürich meist operativ zum Mädchen gemacht. Das sagen Betroffene. Jetzt muss der Regierungsrat erstmals sagen, wie er sich zu den Eingriffen stellt.

Depression, Fettleibigkeit, Verlust der Libido: Das sind die Folgen von Kastrationen von Intersexuellen Menschen.

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Sie selbst bezeichnen sich als Zwischengeschlechtliche, Intersexuelle oder Zwitter: Menschen, die weder als Junge noch als Mädchen zur Welt gekommen sind, sondern mit «uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen». Zum ersten Mal muss der Regierungsrat nun zum Thema Intersexualität Stellung beziehen. Die drei Politiker Barbara Bussmann (SP, Volketswil), Martin Naef (SP Zürich) und Ornella Ferro (Grüne, Uster) reichten heute Montag im Kantonsrat einen Vorstoss ein, in denen sie Auskünfte zu operativen Eingriffen an Intersexuellen verlagen. Diese Operationen werden von Betroffenen scharf kritisiert.

Für die Intersexuellen sei dies ein historischer Tag, wie die Organisation Zwischengeschlecht.org auf ihrer Homepage schreibt. Es sei das «allererste Mal», das in der Schweiz ein politischer Vorstoss «zu Gunsten von Zwittern» eingereicht werde.

«Zum Mädchen gemacht» und «kastriert»

Intersexuelle würden meist schon im Kindesalter an ihren Genitalien operiert und, «der chirurgischen Einfachheit halber», meistens zum Mädchen gemacht, schreiben die Kantonsräte in ihrer Anfrage. Solche Operationen seien «rein kosmetische Eingriffe», die ausgeführt würden, ohne dass es medizinisch notwendig sei. Die Operationen würden meist ohne Einwilligung der Betroffenen ausgeführt.

Darüber hinaus würden viele Betroffene kastriert, das heisst, ihre «in der Regel gesunden» inneren Geschlechtsorgane entfernt. Die Folgen seien Depression, Adipositas, Stoffwechsel- und Kreislaufstörungen, Ostheoporose, Einschränkungen der kognitiven Fähigkeiten und Libidoverlust. Den betroffenen und ihren Eltern werde das wahre Geschlecht verheimlicht, über die Eingriffe und ihre Folgen würden sie schlecht informiert.

«Bei wie vielen Neugebornen wird Intersexualität diagnostiziert?»

Jetzt muss sich der Regierungsrat erstmals kritischen Fragen stellen. Konkret wollen die drei Kantonsräte Bussmann, Naef und Ferro wissen, bei vielen Neugeborenen im Kanton jährlich Intersexualität diagnostiziert werde. Ausserdem muss der Regierungsrat bekanntgeben, bei wie vielen dieser Kinder in Zürich kosmetische Operationen oder Kastrationen durchgeführt wurden.

Darüber hinaus verlangen die Kantonsräte Auskunft über pränatale Hormontherapien und die Beratung von Betroffenen und ihren Eltern. Und schliesslich soll der Regierungsrat sagen, wie er die Praxis frühkindlicher Genitaloperationen und Kastrationen beurteilt. Eine Antwort des Regierungsrates wird in den kommenden Monaten vorliegen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.10.2009, 10:24 Uhr

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