Kindergarten tönt einfach besser

Überraschend hat das Volk die Grundstufe ganz versenkt. Der Grund dafür ist nicht pädagogischer Art. Das Nein ist emotional und mit Reformmüdigkeit zu begründen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nein zur Grundstufe für alle und auch Nein zur Wahlfreiheit zwischen den Einschulungsmodellen Kindergarten und Grundstufe. Exakt zehn Jahre und ein Tag nach dem Nein zum neuen Volksschulgesetz hat das Zürchervolk erneut gegen die Grundstufe votiert. Schon damals war das Nein zum Rahmengesetz als Nein zum neuen Einschulungsmodell gewertet worden. Richtigerweise, denn dasselbe Schulgesetz mit vielen Änderungen, aber ohne Grundstufe kam zweieinhalb Jahre später problemlos durch.

Im November 2002 sagte Reformturbo und Bildungsdirektor Ernst Buschor mit Grabesstimme, es sei ein «schwarzer Tag für die Zürcher Jugend». Nicht viel anders tönt es heute von den Befürwortern der Grundstufe.

Tatsächlich wurde eine Chance verpasst. Jene Pädagogen, Eltern und Schüler, welche die Grundstufe kennen, sind Feuer und Flamme für das Modell. Und die meisten Versuchsgemeinden haben Ja zur Wahlfreiheit gesagt. Doch hat sich diese Begeisterung nicht auf das Gros der Stimmberechtigten übertragen.

Sie sind reformmüde. Gerade Strukturänderungen haben es im Kanton Zürich sehr schwer – deshalb lassen die Politiker mittlerweile auch die Finger von der Oberstufe. Zudem erschraken nicht wenige ob dem gegnerischen Kampfruf «Der Kindergarten wird abgeschafft».

«Kindergarten» tönt einfach kindergerechter als «Grundstufe». Nicht geholfen hat, dass sich die Lehrerinnen und Lehrer nicht einig waren. Wenn man sich nicht auf die Spezialisten verlassen kann, hört man auf den Bauch.

Dass die Option Grundstufe wegfällt, ist bitter für die betroffenen Lehrerinnen und jene, die viel Herzblut in die Entwicklung des neuen Einschulungsmodells investiert haben. Unter dem Strich ist es aber vielleicht besser, wenn sich ein Kanton für ein Modell entscheidet. Ein Flickenteppich der Modelle, wie er auf der Sekundarstufe existiert, genügt.

Auch ist der Kindergarten zum Glück nicht reformresistent, wie die letzten Jahre gezeigt haben. Der Kindergarten ist gut und kann noch verbessert werden. Nun sollte die gesamte Energie – und auch Geld – in diese Richtung fliessen.

(Erstellt: 25.11.2012, 19:10 Uhr)

Redaktor Pascal Unternährer. (Bild: bm)

Artikel zum Thema

«Ich bin traurig, dass man nicht mehr in Kinder investieren will»

Die Grundstufe fällt beim Stimmvolk durch. Auch ein Nebeneinander mit dem Kindergarten wollen die Stimmberechtigten nicht. Das Nein sei ein emotionaler Entscheid gewesen, sagen die Grundstufenbefürworter. Mehr...

Miteinander spielen und voneinander lernen

Seit 2004 besuchen Kinder in Elsau die Grundstufe, über die im Kanton Zürich am 25. November abgestimmt wird. Ein Besuch im Schulzimmer mit den vielen Spielecken. Mehr...

Glaubensfrage Grundstufe

Die Abstimmung über die Grundstufe sorgt unter den Kindergärtnerinnen für böses Blut, Vorwürfe und eine gereizte Stimmung. Jetzt reagiert auch der Lehrerverband. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Publireportage

50 Jahre Transplantation

So funktionieren Organverpflanzungen am UniversitätsSpital Zürich heute.

Die Welt in Bildern

Chlaus Ahoi: Mit Weihnachtskostümen verkleidete Gondoliere fahren in Venedig durch die Kanäle. (20. Dezember 2014)
(Bild: Manuel Silvestri) Mehr...