Zürich

Kindergarten tönt einfach besser

Ein Kommentar von Pascal Unternährer. Aktualisiert am 25.11.2012 34 Kommentare

Überraschend hat das Volk die Grundstufe ganz versenkt. Der Grund dafür ist nicht pädagogischer Art. Das Nein ist emotional und mit Reformmüdigkeit zu begründen.

Redaktor Pascal Unternährer. (Bild: bm)

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Nein zur Grundstufe für alle und auch Nein zur Wahlfreiheit zwischen den Einschulungsmodellen Kindergarten und Grundstufe. Exakt zehn Jahre und ein Tag nach dem Nein zum neuen Volksschulgesetz hat das Zürchervolk erneut gegen die Grundstufe votiert. Schon damals war das Nein zum Rahmengesetz als Nein zum neuen Einschulungsmodell gewertet worden. Richtigerweise, denn dasselbe Schulgesetz mit vielen Änderungen, aber ohne Grundstufe kam zweieinhalb Jahre später problemlos durch.

Im November 2002 sagte Reformturbo und Bildungsdirektor Ernst Buschor mit Grabesstimme, es sei ein «schwarzer Tag für die Zürcher Jugend». Nicht viel anders tönt es heute von den Befürwortern der Grundstufe.

Tatsächlich wurde eine Chance verpasst. Jene Pädagogen, Eltern und Schüler, welche die Grundstufe kennen, sind Feuer und Flamme für das Modell. Und die meisten Versuchsgemeinden haben Ja zur Wahlfreiheit gesagt. Doch hat sich diese Begeisterung nicht auf das Gros der Stimmberechtigten übertragen.

Sie sind reformmüde. Gerade Strukturänderungen haben es im Kanton Zürich sehr schwer – deshalb lassen die Politiker mittlerweile auch die Finger von der Oberstufe. Zudem erschraken nicht wenige ob dem gegnerischen Kampfruf «Der Kindergarten wird abgeschafft».

«Kindergarten» tönt einfach kindergerechter als «Grundstufe». Nicht geholfen hat, dass sich die Lehrerinnen und Lehrer nicht einig waren. Wenn man sich nicht auf die Spezialisten verlassen kann, hört man auf den Bauch.

Dass die Option Grundstufe wegfällt, ist bitter für die betroffenen Lehrerinnen und jene, die viel Herzblut in die Entwicklung des neuen Einschulungsmodells investiert haben. Unter dem Strich ist es aber vielleicht besser, wenn sich ein Kanton für ein Modell entscheidet. Ein Flickenteppich der Modelle, wie er auf der Sekundarstufe existiert, genügt.

Auch ist der Kindergarten zum Glück nicht reformresistent, wie die letzten Jahre gezeigt haben. Der Kindergarten ist gut und kann noch verbessert werden. Nun sollte die gesamte Energie – und auch Geld – in diese Richtung fliessen.

Erstellt: 25.11.2012, 19:10 Uhr

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34 Kommentare

oliver schmid

25.11.2012, 20:35 Uhr
Melden 171 Empfehlung 36

Wenn man es heute nicht schafft, in zwei Jahren die Kinder auf die Primarschule vorzubereiten, muss man sich ja schon an den Kopf langen. Früher hat ein Jahr gereicht. Wären die heute 40jährigen alle "intelligenter" mit einer Grundstufe ? Komisch das man ein solides Bildungssystem von Kindergarten, Primar- und Oberstufe bis zur Lehre immer wieder Abändern will....mit unbekanntem Ausgang. Antworten


Ernst Baumann

25.11.2012, 20:10 Uhr
Melden 158 Empfehlung 27

Wohl alle welche mit dem Schulbetrieb irgendwie in Berührung kommen sind des übertriebenen Apparatschick und Wasserkopfs überdrüssig und besonders derjenigen welche weder eigene Kinder haben noch solche je über längere Zeit unterrichtet haben, aber meine alles besser zu wissen. Im Kindergarten findet die Lehrerschaft wenigstens ein bisschen Zeit sich um die Kinder und das Umfeld zu kümmern. Antworten



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