Klaus Stöhlker hat die KBV-Chefs beraten

Für die vier Direktoren der Winterthurer Krankenkasse KBV hat der Staatsanwalt mehrjährige Haftstrafen beantragt. Und er sagte, der PR-Mann Klaus Stöhlker habe deren Strategie koordiniert.

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Pikante Details sind am dritten Tag im Prozess um die Betrugsaffäre bei der konkursiten Winterthurer Krankenkasse KBV zum Vorschein gekommen. Staatsanwalt Silvio Stierli sagte in seinem zweistündigen Plädoyer vor dem Bezirksgericht, der PR-Berater Klaus Stöhlker und der Milieu-Anwalt Valentin Landmann - er war Verwaltungsrat der KBV - hätten die Anwälte der vier angeklagten KBV-Direktoren zusammengebracht und mit ihnen eine Verteidigungsstrategie ausgearbeitet.

Stöhlker habe zum Gang an die Medien

Um von den vier KBV-Direktoren abzulenken, habe Stöhlker gar geraten, in einer Tageszeitung einen Artikel zu platzieren, der die Bedrohung des Gesundheitswesens durch ausländische Kriminelle thematisiere. Und um Wirbel zu machen, sei eine Privatdetektei engagiert worden. Diese habe den angeblichen Vermittler Wilfried Schubert gesucht und ein Phantombild erstellen lassen, sagte Stierli. Über diesen Schubert soll der Deal mit den 2040 fiktiven Versicherten angeblich gelaufen sein, mit denen der Risikoausgleich der Krankenversicherer um 27,5 Millionen Franken geschädigt wurde. Schubert soll auch die 9,5 Millionen kassiert haben, die laut Anklage aber die vier Direktoren über eine Tarnfirma mit Konto auf einer Raiffeisenbank in die eigenen Taschen gesteckt haben.

Wegen des Vorgehens der Verteidiger hat das Bezirksgericht amtliche Verteidiger eingeschaltet. «Es geht nicht an, dass sich Verteidiger absprechen, wenn Angeklagte in Untersuchungshaft sitzen und Kollusionsgefahr besteht», sagte Stierli. «Unter solchen Umständen wird es sehr schwierig, eine Untersuchung zu führen.»

Krisenkasse für die Verteidigung

Für die Verteidigungsstrategie hatten die KBV-Direktoren eine Krisenkasse mit 1 Million Franken dotiert. Laut Staatsanwalt kassierten daraus Stöhlker 281'000 Franken und Landmann rund 170'000 Franken. Er sei von Landmann geholt worden und habe das Mandat gehabt, die Mitarbeitenden und Kaderleute zu motivieren, sagte Stöhlker auf Anfrage. «Als ich Ungereimtheiten in der Chefetage wahrnahm, bin ich ausgestiegen. Mit den Anwälten hatte ich nichts zu tun.»

Staatsanwalt Stierli sah es als erwiesen an, dass die vier KBV-Direktoren wegen Betrugs, Urkundenfälschung und Geldwäscherei schuldig seien. Er beantragte für die zwei nicht geständigen Direktoren je sechs Jahre Haft nach altem Recht, für die zwei Geständigen 4 und 3,5 Jahre sowie für drei Nebenangeklagte Freiheitsstrafen von 8 und 12 Monaten. Die Verteidiger der beiden nicht geständigen Direktoren bestritten eine Kollusionsgefahr vehement, unterstellten dem Staatsanwalt, er sei voreingenommen gewesen und habe die Untersuchung unzulässig verschleppt; sie verlangten für ihre Mandanten Freisprüche. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.09.2008, 08:27 Uhr

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