Kleine freie Tankstellen drücken die Preise

Das Benzin ist teuer geworden. Aber es gibt verblüffende Preisunterschiede. In Zürich ist es deutlich teurer als in Appenzell. Auch Winterthur und der Aargau sind günstiger als Zürich.

Der Preisbrecher im Säuliamt: Bei der Bellevue-Garage in Hedingen ist der «Most» fast so billig wie in Appenzell.

Der Preisbrecher im Säuliamt: Bei der Bellevue-Garage in Hedingen ist der «Most» fast so billig wie in Appenzell. Bild: Thomas Burla

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wer zu Beginn dieser Woche bei der Migrol-Tankstelle von Alfred Dörig in Appenzell Bleifrei 95 getankt hat, tat dies zu einem angeschriebenen Preis von 185 Rappen pro Liter. Mit der Cumulus-Karte der Migros sind es dank einer Aktion (noch bis 24. August) gar nur 180 Rappen. Das sind 21 Rappen weniger, als BP zurzeit in St. Moritz und Samedan verlangt, wo die Händler wegen der Transportdistanzen allerdings höhere Lieferpreise bezahlen müssen. Und es sind auch 10 Rappen weniger als in der Stadt und Agglomeration Zürich - hier ist 190 Rappen zurzeit der gängigste Preis.

«White Pumpers» bedrängen Grosse

Alfred Dörig wundert sich über die Preise, die «däi une» verlangt werden. Er kann mit seinen Ansätzen jedenfalls gut leben. Auffallend sind aber auch weitere regionale Unterschiede: In Winterthur ist das Benzin stets etwa 2 Rappen günstiger als in Zürich, ebenso im Aargau. Zu St. Gallen beträgt der Preisunterschied gar 5 Rappen. Billiger als Zürich sind auch der Jurasüdfuss im Raum Biel und Neuenburg, teurer aber das Genferseegebiet.

Die grossen regionalen Unterschiede zeigen laut Rolf Hartl von der Erdölvereinigung, dass der Wettbewerb funktioniert. Weil der Markt insgesamt stagniert, versuchen sich die Konkurrenten über den Preis zu profilieren. Das äussert sich auch in vielen Rabatt-Aktionen, besonders bei Migros und Coop (zurzeit 3 Rappen auf den Säulenpreis). Und vermehrt auch bei Tamoil, die darunter leidet, dass viele Automobilisten angesichts der diplomatischen Krise mit Libyen gemerkt haben, dass sie mit Tankstopps bei dieser Gesellschaft einem Diktator die Schatulle füllen.

So ist in letzter Zeit ein bunter, unübersichtlicher Preis-Fleckenteppich entstanden. Eine wesentliche Rolle spielen im Konkurrenzkampf unter den 4100 Schweizer Tankstellen die rund 600 so genannten «White Pumpers»: Sie führen kein Markenbenzin und kein bekanntes farbiges Logo. Diese Betriebe - oft Kleinfirmen in Familienbesitz oder transportnahe Unternehmen, die mit günstigem Benzin ihr Marketing unterstützen - können anders kalkulieren als Grossfirmen, die Tankstellen mit mehreren Säulen und Shops führen.

Die «weissen Säulen» sind überwiegend auf dem Lande anzutreffen, weniger in Städten, wo die Liegenschaftenpreise keine allzu spitzen Kalkulationen zulassen. Die Kleinen, meist ohne Laden, unterbieten die Preise und zwingen die Grossen nachzuziehen. Das erklärt auch, dass die Preise an einer Strasse oft dieselben sind: Alle schauen auf die anderen - geht einer mit dem Preis runter, folgen die andern.

Weniger als 180 Rappen im Säuliamt

Im Appenzellerland ist Hans Waldburger einer dieser «White Pumpers»: Er verkauft Bleifrei 95 an seiner eigenen Tankstelle in Hundwil für 182 Rappen und kann sich nicht über Umsatz beklagen. Im Aargau spielt der Pneu-Discounter Robert Hüppi seit Jahren die Rolle des Preisbrechers: Bei ihm kostet Bleifrei 95 derzeit 185 Rappen, mit Kundenkarte nur 180 Rappen. Das höhere Preisniveau in Zürich lässt darauf schliessen, dass es hier weniger «White Pumpers» gibt. Aber es gibt sie: In Winterthur hat die Aarauer Oel-Pool AG wie andernorts in der Schweiz mit ihrer «Rudi Rüssel»-Tankstelle und einer aggressiven Preispolitik den Markt aufgemischt. In Uster spielt die Lenzlinger Söhne AG die Rolle des «White Pumpers»: Sie verlangt 186,5 Rappen - wer vorausbezahlt, erhält einen Rabatt von 2 Rappen. In der Stadt Zürich unterbietet die Tankstelle Scall an der Sonneggstrasse das Preisniveau mit 185,5 Rappen ebenfalls deutlich.

Trotz der eher hohen Zürcher Preise befindet sich eine der günstigsten Schweizer Tankstellen im Kanton Zürich: Die Bellevue-Garage von Roger Maurer in Hedingen verlangt zurzeit 185,9 Rappen. Wer bei diesem «White Pumper» im Knonauer Amt seinen Tank füllt und eine Vorauszahlerkarte hat, erhält einen Rabatt von 3 Rappen. Um weitere 3 Rappen reduziert sich der Säulenpreis bei Maurer an mindestens drei Aktionstagen pro Monat - womit der Preis so günstig wie in Appenzell ist. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.08.2008, 08:13 Uhr

TA Marktplatz

Blogs

Sweet Home Sommer, Sonne und gutes Essen

Welttheater Die Metro des Teufels

Abo

Digitale Abos - Neu ab 18.- pro Monat

Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Jetzt neu ab 18.- CHF pro Monat.

Die Welt in Bildern

Der strenge Blick: In Hongkong werden die Sicherheitsmassnahmen hochgefahren vor der Ankunft des chinesischen Präsidenten Xi Jinping. (29. Juni 2017)
(Bild: Damir Sagolj) Mehr...