Zürich

Kleinkredite gibts nur für konkrete Ideen

Aktualisiert am 21.09.2010

Seit anderthalb Jahren haben Jungunternehmer in der Region Zürich die Möglichkeit, sich um Mikrokredite zu bewerben. Von über 200 Personen waren jedoch nur 16 erfolgreich.

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Bis heute haben nur gerade 16 Personen einen Kleinkredit des Vereins GO! bekommen. Das liegt nicht daran, dass die Hürde für einen Kredit besonders hoch wäre. Nur gerade bei drei ernsthaften Interessenten habe man Nein sagen müssen, erklärte Nadine Auer, Geschäftsführerin des Vereins GO!, am Dienstag in Zürich vor den Medien.

Das Problem sei vielmehr, dass die meisten Bewerber mit einer sehr vagen Geschäftsidee bei GO! anklopften und erst während einer Informationsveranstaltung bemerkten, dass diese nicht realisierbar ist. Ein weiterer Grund für die Ablehnung könne sein, dass Schulden oder Betreibungen bestehen, die eine Rückzahlung des Mikrokredites infrage stellen könnten.

Vergleichbar mit andern Organisationen

Die tiefe Kreditquote gemessen an den rund 200 ernsthaften Anfragen ist für die GO!-Geschäftsführerin keine Überraschung. Die Zahlen entsprächen den Schätzungen im Businessplan und deckten sich mit jenen ähnlicher Organisationen im Ausland und in der Romandie.

Von den 17 Jungunternehmerinnen und -unternehmern, die bisher einen Kredit bekommen haben, sind laut Auer 16 auf gutem Wege. Lediglich eine Person musste bisher ihre Geschäftstätigkeit nach knapp drei Monaten einstellen.

Sie führte in einem Einkaufszentrum einen Outlet Store mit Kleidern und erreichte die angestrebten monatlichen Umsätze bei weitem nicht. Derzeit sucht sie eine Stelle und will den Kredit von 10'000 Franken zurückzahlen.

Geburtshelfer für verschiedenste Ideen

Geburtshilfe leistete GO! bisher bei unterschiedlichsten Ideen. Wie hilfreich der Verein dabei sein kann, schilderten an der Medienkonferenz drei angehende Jungunternehmerinnen, die demnächst ihren Traum von der Selbstständigkeit in die Tat umsetzen.

So wird die 31-jährige Marketingspezialistin Bettina Wuffli aus Rothrist AG ab Mitte Oktober in einem Laden im Stadtzürcher Kreis 4 Frauen individuelle Bade- und Strickmode anbieten. Der 31-jährige Zürcher Sebastian Lanz will einen Online-Shop mit Solar- und Recyclingprodukten aufziehen. Und der 38-jährige Miroslav Blazanovic aus Zürich versucht es mit der Herstellung von Kunstbildern im Digitaldruck.

Unterstützt werden die jungen Unternehmerinnen und Unternehmer nicht nur finanziell mit einem Kredit zwischen 4000 und 40'0000 Franken. Der Verein berät die Kreditnehmer auch und stellt ihnen einen Mentor oder eine Mentorin zur Seite, bis das Darlehen zurückbezahlt ist. Dazu haben die Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer drei Jahre Zeit.

Breites Altersspektrum

Laut Nadine Auer stammen rund 35 Prozent der Anfragen von Personen, die bereits selbstständig sind. Ein weiteres Drittel sind Angestellte und rund 20 Prozent sind arbeitslos. Die restlichen Anfragen kommen von Hausfrauen, Doktorierenden, IV- und Sozialhilfebezügern.

Der grösste Teil der Bewerberinnen und Bewerber sind zwischen 31 und 50 Jahre alt. Für einen Mikrokredit bewerben können sich Personen im Kanton Zürich sowie in angrenzenden Kantonen.

Mit dem bisher Erreichten ist Ruedi Winkler, Präsident des Vereins GO!, zufrieden. «Der Start ist gelungen und das Modell funktioniert», betonte er an der Medienkonferenz.

GO! trage zu einem Wirtschaftsraum bei, in dem möglichst viele eine Chance haben und in dem vorhandene Ressourcen und Marktpotenziale möglichst genutzt werden. Das werde mit der Globalisierung nicht weniger wichtig. Im Gegenteil: Eine Globalisierung ohne die Stärkung der lokalen und regionalen Wirtschaft sei zerstörerisch.

Projekt wird evaluiert

Insgesamt hat der Verein GO! bisher Mikrokredite in Höhe von 376'000 Franken vermittelt. «Das mag nicht spektakulär sein, diese Kredite haben jedoch einen hohen Multiplikatorwert und somit einen grossen Wirkungsgrad, betonte der GO!-Präsident.

Der Verein GO! ist seit Februar 2009 aktiv. Am Projekt beteiligt ist die Zürcher Kantonalbank (ZKB), die das Anfangskapital von 250'000 Franken für den Sicherungsfonds zur Verfügung stellte und die Mikrokredite auszahlt. Die Stadt Zürich hat zudem die Deckung der Betriebskosten für die ersten drei Jahre übernommen. (ep/sda)

Erstellt: 21.09.2010, 15:11 Uhr

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