Kloten wirft Freikirchen aus dem Jugendtreff
Von Christian Wüthrich. Aktualisiert am 26.10.2011 84 Kommentare
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an
4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Der Klotener Stadtrat hat dem Jugendtreff Jambo nach zehn Jahren das Nutzungsrecht im städtischen Zentrum Schluefweg gekündigt. Dies, weil drei lokal ansässigen Freikirchen unter dem Namen Jambo ein entgegen den Abmachungen religiös geprägtes Jugendprogramm angeboten haben.
Das Jugi im Zentrum Schluefweg bleibt weiterhin in Betrieb. Den Freitagabend, der bis anhin durch die Freikirchen bestritten worden ist, hat das Team der städtischen Jugendarbeit übernommen und ein neues Angebot lanciert.
Heilsgebete gesprochen
Dass die Freikirchen einen religiösen Jugendtreff betreiben wollten, hätte die Klotener Stadtregierung an sich «überhaupt nicht gestört», sagt Matthias Christen (Grüne). Der für Jugendfragen zuständige Stadtrat stört sich aber daran, dass die freikirchlichen Jugendarbeiter Kinder in öffentlich subventionierten Räumen ansprechen wollten. Die Jambo-Crew klebte laut Stadtrat im öffentlichen Jugendtreff jeweils Bibelsprüche an die Wände. Auf der Bar hätten sie Bibel und christliche Flyer aufgelegt, und die Leiter hätten mit den Kindern auch schon mal «Heilsgebete» gesprochen. All dies entspreche nicht den städtischen Auflagen für die Nutzung des öffentlichen Jugendraums im Zentrum Schluefweg, war der Stadtrat der Meinung.
Die überzeugten Christen dagegen wollten nicht konfessionsneutral auftreten, was den Stadtrat veranlasste, das Nutzungsrecht aufzukündigen. «Wir haben mit zunehmendem Unbehagen Meldungen über den Jambo-Betrieb bekommen», sagt der grüne Stadtrat Christen. «Die Freikirchen haben eigene Räume, wieso soll die Stadt ihnen denn gratis Räume zur Verfügung stellen, wenn sie sich doch nicht an Auflagen halten?» Anderswo sei ein solcher Jugendtreff schliesslich kein Problem. «Aber nicht in Räumen, die von der Allgemeinheit mit Steuergeldern bezahlt werden», begründet Christen die Kündigung.
«Wir sind nicht extrem»
Zur Kündigung sagt Bolliger, der christliche Leiter des Klotener Jugendtreffs Jambo, die eidgenössische Verfassung sei auf dem christlichen Glauben und der Kirche aufgebaut, die Schweiz ein freies Land. «Ich begreife, dass der Stadtrat so denkt, bin aber enttäuscht, dass er sich nie selber bei uns umgeschaut hat», sagt Bolliger. «Wir sind nicht extrem.»
«Was ist schlimmer?», fragt Bolliger, «herumsaufen und Kinder machen oder bei uns etwas über den Glauben erfahren?» Und das Heilsgebet sei übrigens freiwillig gewesen. Offenbar hätten die Politiker Angst, dass im Jambo Jugendliche zu etwas überredet würden. «Aber Jugendliche in dem Alter kann man gar nicht zu etwas drängen», sagt der 40-Jährige. Der Jugendtreff Jambo war vor 10 Jahren von Mitgliedern der Freien Evangelischen Gemeinde Kloten, der Evangelisch-Methodistischen Kirche Kloten-Glattbrugg sowie der Pfingstgemeinde gegründet worden. Die Freikirchler zogen freitags bis zu 50 Jugendliche an.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.10.2011, 09:55 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
84 Kommentare
Ich möchte als Freidenker Herr Matthias Christen in aller Form danken, dass er durchgegriffen hat. Es ist schon mehr als genug, wenn das ICF jugendliche zu Kreationismus und Verunglimpfung Homosexueller verführt. Es gibt mehr als genug Freikirchen die jugendliche in seelische Konflikte und Not bringen, bitte nicht auch noch mit öffentlichen Geldern subventioniert. Antworten
"Herumsaufen und Kinder machen" oder christlicher Fundamentalismus...
Wie wenn es nur diese 2 Pole gibt. Es ist ja typisch für Freikirchler, dass diese die Aussenwelt als abgrundtief böse und verdorben anschauen. Die Realität ist aber doch etwas anders. Wir wollen keine Fundamentalisten, ob christlicher oder islamistischer Prägung!
Antworten

Bitte warten

