Koller bei verordneter Heimarbeit
Von Florian Schaer. Aktualisiert am 04.01.2012 29 Kommentare
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«Home Office» wurde für die 400 Angestellten von Microsoft (MSFT 29.06 -0.03%) in Wallisellen in den letzten drei Monaten zur Pflicht. Die Softwarefirma hatte sich entschieden, für den Umbau ihres Gebäudes die Büros komplett zu schliessen. Man hätte auch phasenweise umbauen können, sagt Mediensprecherin Barbara Josef. «Aber wir haben bewusst die radikalere Variante gewählt.»
Josef selbst hat ihren Arbeitsrhythmus in den drei Monaten ohne Büro verändert. «Heute plane ich gezielt ein bis zwei Tage pro Woche Home Office ein. Das gibt mir die Gelegenheit, auch einmal tagsüber joggen zu gehen oder mir Zeit zu nehmen für Dinge, die im normalen Büroalltag nicht möglich wären – wie zum Beispiel mein Patenkind in den Klavierunterricht zu begleiten.»
Mit der Freiheit wachsen die Risiken
Ende Januar wird der Bau offiziell neu eröffnet, bereits jetzt stehen alle Arbeitsplätze vor Ort wieder zur Verfügung. Fest zugewiesene Plätze gibts indessen nur noch wenige. Gestern zu Hause am Projekt gearbeitet, heute mit dem Laptop mal im dritten statt im zweiten Stock Platz genommen, morgen lieber im Bistro mit Café und Gipfeli dazu. Als Devise gilt, sich die Zeit selber einzuteilen. «Einzelne Mitarbeitende waren am Anfang skeptisch», gesteht die Mediensprecherin. «Aber jetzt erhalten wir hauptsächlich positive Rückmeldungen.» Man schätze das Maximum an individuellen Freiheiten.
Allerdings wachsen mit der Freiheit auch die Risiken. «Wenn Strukturen nicht mehr von aussen vorgegeben werden, muss man lernen, diese für sich selbst zu definieren», sagt Kevyn Eva Norton, die den Umbau vor Ort geleitet hat. Im Rahmen eines «Sommer-Tagebuchs» konnten die Microsoft-Mitarbeiter ihre persönlichen Erfahrungen festhalten. «Die Abgrenzung zwischen Privatem und Beruf nannten einige als Schwierigkeit. Und überraschend war, dass der häufige Gang zum Kühlschrank für manche zum Problem wurde.»
Sitzungen haben eine neue Bedeutung
Für Mitarbeitende, die alleine leben, sei ein Gefühl von Abgeschiedenheit und Vereinsamung dazugekommen. «Das Soziale ist ein ganz zentraler Punkt», sagt auch Barbara Josef. Der kleine Schwatz vor der Kaffeemaschine, das Treffen auf dem Gang, mal ein privates Wort statt immer nur das nächste Projekt bereden; das alles war drei Monate lang weg. «Viele gaben an, dass sie das vermisst haben. Für mich gehört es zur Verantwortung einer Firma, ihren Mitarbeitern diesen Austausch zu bieten.»
Jetzt, da sowohl die Arbeit zu Hause wie auch die Arbeit im Büro möglich ist, sind die einzelnen Teamleiter gefordert. Denn sie müssen nun neu definieren, wie viel zwischenmenschlichen Kontakt eine Gruppe braucht, wie viele Treffen sinnvoll sind.
In der TV-Sendung «10 vor 10» hielt der Microsoft-Manager Marc Weder jüngst seine persönliche Bilanz so fest: «Gerade bei den Team-Meetings haben wir früher gesagt: Wir können das auch virtuell erledigen, weil wir uns sonst ja auch genug treffen. Jetzt haben wir die Sache eben umgedreht und sagen: Meetings haben eine neue Bedeutung. Nicht mehr nur der Inhalt zählt, sondern explizit auch das Soziale.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 04.01.2012, 11:01 Uhr
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29 Kommentare
In Anbetracht der verstopften Strassen und überfüllten Verkehrsmittel ist das "Home Office" sicher ein Ansatz. Die allfälligen Nachteile und Risiken werden im Artikel genannt und müssen gezielt angegangen werden. Nicht erwähnt wird die Datensicherheit, die zusätzliche Herausforderungen stellt. Antworten
Ich wurde waehrend , unsere Firma Heimarbeit einfuehrte, Alkoholiker. Den ganzen Tag alleine zu Hause machte mich zum Trinker. Es fing schon am Morgen an, der Gang zur Bar im Hause. Nach 4 Monaten war ich fix und fertig und musste in die Klinik. Ich bin heute wieder im Geschaeft taetig und habe mein Soziales Umfeld, und es geht mir wieder gut. Antworten

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