Zürich

Kontrollen statt Doppelbegleitung auf der S-Bahn

Die S-Bahnen werden nach 21 Uhr nicht mehr durchgehend begleitet. Dafür müssen die Fahrgäste damit rechnen, dass bis zu acht Bahnbeamte aufs Mal auftauchen und Billette kontrollieren.

Das Zürcher S-Bahn-Netz: Der ZVV und die SBB möchten ihr Sicherheitskonzept in Zukunft flexibler gestalten.

Das Zürcher S-Bahn-Netz: Der ZVV und die SBB möchten ihr Sicherheitskonzept in Zukunft flexibler gestalten.
Bild: ZVV

Die heutigen Zugchefs auf der S-Bahn haben einen schweren Stand. Vor allem am Wochenende auf den späten Kursen, wenn sie alkoholisierte Nachtschwärmer kontrollieren oder zurechtweisen sollten. «Es gibt Zugchefs oder Buschauffeure, die in solchen Situationen lieber auf Kontrollen verzichten, als es zu einer Eskalation kommen zu lassen», sagte gestern Franz Kagerbauer, der Chef des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV), an einer Medienkonferenz.

Der ZVV und die SBB möchten ihr Sicherheitskonzept in Zukunft flexibler gestalten. Beispiel: Statt eine Zweierpatrouille in der leeren S 29 spätabends durchs Weinland rattern zu lassen, steigt die Patrouille in Winterthur aus. Dafür wird eine S 12 zwischen Zürich und Dietikon bei Bedarf von acht Sicherheitskräften kontrolliert. Bei den Kosten von 42 Millionen Franken pro Jahr für die Sicherheit – einschliesslich Ticketkontrolle – will der ZVV nicht sparen: «Wir wollen flexibler und effizienter werden.»

Anlass für die Änderung ist das geänderte Ausgehverhalten vor allem der jungen Bahnkunden. Sie fahren meist sehr spät – häufig schon alkoholisiert – in den Ausgang und kommen erst mit der Nacht-S-Bahn wieder nach Hause.

Waffen: Bundesrat entscheidet

Voraussetzung für die neue Sicherheitsorganisation ist ein geändertes Bundesgesetz, das aus der bisherigen Bahnpolizei eine Transportpolizei macht. Heftig umstritten waren im Parlament zwei geplante Änderungen: Sollen die Bahnpolizisten Schusswaffen tragen? Und soll die Transportpolizei privatisiert werden? Ergebnis: Über die Schusswaffen wird der Bundesrat entscheiden, und die Transportpolizei wird zu einer SBB-Tochter.

Das neue System wird im Laufe der nächsten Jahre aufgebaut und sollte bis Ende 2012 in Kraft sein. Vier verschiedene Personengruppen in vier verschiedenen Uniformen arbeiten zusammen. Zudem werden bis 2012 alle S-Bahnen mit Videokameras ausgerüstet.

  • Transportpolizei: 85 ausgebildete Polizisten in blauen Uniformen mit gelbem Gilet, Handschellen, Schlagstock, Pfefferspray und der Kompetenz, Personen vorläufig festzunehmen.
  • Sicherheitsdienst: 250 ausgebildete Securitas-Mitarbeiter in blauen Uniformen, die für Ruhe und Ordnung sorgen, aber unbewaffnet sind. Sie treten tagsüber in Zweier-, nachts in Vierer- oder Sechserpatrouillen auf.
  • Ticketkontrolleure: 140 SBB-Angestellte, 30 mehr als heute, die zu viert oder zu acht stichprobenweise Tickets kontrollieren. Sie sind per Handy mit Transportpolizei und Sicherheitsdienst verbunden. Heute gehen dem ZVV geschätzte 30 Millionen Franken pro Jahr durch Schwarzfahren verloren.
  • Präventionsassistenten: 30 Angestellte der Transportpolizei in violetten Gilets suchen früh mit Gesprächen den Kontakt zu Problemgruppen.

Wunder Punkt der Neuorganisation ist die Auflösung des heutigen Teams mit 250 Zugchefs. Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals fordert berufliche Perspektiven für alle. Werner Schurter, Regionalkoordinator bei den SBB, verspricht, dass es keine Entlassungen geben werde. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.08.2010, 23:22 Uhr

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3 Kommentare

Martin Karrer

03.09.2010, 13:01 Uhr
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Viele Lokführer und Zugbegleiter werden bei ihrer Arbeit angegriffen, ohne dass sie für eine Selbstverteidigung ausgerüstet oder ausgebildet sind. Das ist der eigentliche Skandal. Den auf Hilfe zu warten die 20- 40 Minuten entfernt ist, ist praxisfremd bzw. ist keine echte Hilfe. Darum hat sich In den Zügen ein rechtsfreier Raum gebildet der, den Unverfrorenen und Stärkeren bevorteilt. Antworten


meier dani

02.09.2010, 06:07 Uhr
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95 -99 % der Reisenden verhalten sich gemäss meinen Beobachtungen völlig anständig. Die Zugchefs + chefinnen haben diesen einen top Kundendienst geliefert + haben die schwierigen fälle mit fingerspitzengefühl gelöst. ich fühlte mich wohl. nun patroulliert ein privater sicherheitsdienst. keine beratumg, kein sbb-know how, dafür mehr möchtegern-sherriffs. keine sichere zukunft! Antworten


Elisabeth Brunner

01.09.2010, 10:09 Uhr
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Da die Bussen fürs Schwarzfahren viel zu niedrig sind, spielen viele Bahnbenützer Poker. Sie sind der Meinung, das Risiko lohne sich auf alle Fälle für ihren Geldbeutel. Also, es gibt nur eines, viel höhere Bussen, denn was sind schon 80.-- CHF für diese Benutzer des ÖV! Antworten



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