Zürich

Kriegsvorrat nach Frankreich verkauft

Aktualisiert am 23.02.2012 10 Kommentare

Aus für eine Phase des Kalten Krieges: Der Kanton Zürich gibt seine Beteiligung an der Tankanlage Rümlang ab. Darin werden 500 Millionen Liter Öl gelagert.

Alarmübung zum Schutz des Tanklagers Rümlang (2003): Die Bedrohungslage wurde ein Jahr später neu beurteilt.

Alarmübung zum Schutz des Tanklagers Rümlang (2003): Die Bedrohungslage wurde ein Jahr später neu beurteilt.
Bild: Keystone

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Dass der Kanton überhaupt am Tanklager beteiligt war, hängt mit dem Kalten Krieg zusammen, wie Hansruedi Kunz vom Awel (kantonales Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft) am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA erklärte. Der Bund verlangte seinerzeit von den Ölimporteuren, Pflichtlager zu betreiben.

Deren Kapazitäten genügten aber nach Ansicht des Bundes nicht. Deshalb bauten und betrieben die Kantone Zürich und Genf auf Ersuchen des Bundes zusätzliche Pflichtlager. Im Kanton Zürich waren dies das Tanklager Birmensdorf sowie eine Beteiligung – laut Kunz etwa zwölf, dreizehn Prozent – an der TAR.

Bedrohungslage neu beurteilt

Nach dem Ende des Kalten Krieges beurteilte der Bund die Bedrohungslage neu. 2004 entschied er, dass die Pflichtlager der Importeure genügten. Er strich die Entschädigung an die Kantone, laut Kunz rund sechs Franken pro Kubikmeter und Jahr, die gerade etwa die Unkosten für den Betrieb gedeckt hätten. Die TAR fasst rund 500'000 Kubikmeter Öl, das Lager in Birmensdorf rund 100'000.

Für den Kanton lohnte sich ein eigenes Tanklager nicht mehr. Für die kantonseigenen Gebäude wurde je länger, je weniger Öl benötigt. Man setzte zunehmend auf Fernwärme, Gas und Holz. 2007 wurde das Tanklager in Birmensdorf rückgebaut.

Kursgewinn erzielt

Für die Veräusserung der TAR-Beteiligung brauchte es einen längeren vertragsrechtlichen Vorlauf. Laut Awel-Mitteilung wurde sie in einem internen Ausschreibungsverfahren den Mitgliedern des Verbandes der schweizerischen Erdölwirtschaft angeboten, die 95 Prozent der Importe von Rohöl und Erdölprodukten tätigen.

Neue Besitzerin der Aktien ist die französische Ölfirma CICA SA in Basel. Mit dem Verkauf ist die Angelegenheit für den Kanton nun erledigt. Die Käuferin sei schon bisher an der TAR beteiligt gewesen und hat ihren Aktienanteil nun erhöht. Über den Verkaufspreis wurde zwar Stillschweigen vereinbart. Draufgelegt hat der Kanton aber nicht. Laut Kunz ergab sich ein Kursgewinn.

Einer der grossen Kunden der TAR ist der Flughafen Zürich. Neben Bau und Betrieb der Tankanlage hatte der Kanton auch die Pipeline zum Flughafen mitfinanziert. Für den Flughafen ändert sich laut Kunz durch den Verkauf aber nichts.

(ep/sda)

Erstellt: 23.02.2012, 10:48 Uhr

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10 Kommentare

Marco Arnet

23.02.2012, 11:22 Uhr
Melden 40 Empfehlung

"..man sieht keinen Bedarf an Vorräten mehr..." ,während gleichzeitig der Oelpreis steigt (Iran, Unsicherheiten im arab. und nordafrik. Raum). Noch nie war die Abhängigkeit von Oel grösser als heute, da helfen auch ein paar Kollektoren und Holzöfeli nichts. Dass wir die Pflichtlager entgegen aller Vernunft und kritischem Realitätssinn einfach abbauen, werden wir leider eines Tages noch bereuen. Antworten


Hansjürg Meister

23.02.2012, 11:43 Uhr
Melden 35 Empfehlung

Im Hinblick auf eine Verknappung der Ressourcen und des damit einher gehenden Kampfes um Zugang zu diesen Ressourcen, einem möglichen Konflikt mit Iran und der Sperrung von Ölrouten eine weise Entscheidung. Eine ganz weise Entscheidung. Wo lernt man eigentlich sowas? Antworten



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