Zürich

Kriminellen Jugendlichen fehlt der Vater

Eine Zürcher Studie beleuchtet das Leben von minderjährigen Kriminellen. Jeder Vierte von ihnen war unter 14, als er das erste Mal straffällig wurde. Die Rückfallgefahr ist hoch.

Zelle im Massnahmenzentrum Uitikon: Hier landen straffällige Jugendliche ab 17 Jahren.

Zelle im Massnahmenzentrum Uitikon: Hier landen straffällige Jugendliche ab 17 Jahren. (Bild: Tom Kawara)

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Was für einen Hintergrund haben minderjährige Kriminelle? Mit dieser Frage hat sich die Zürcher Fachstelle für Kinder- und Jugendforensik beschäftigt. Wer so früh bereits straffällig wird, hat meist eine schwere Kindheit hinter sich, so das Hauptfazit der Studie. Viele der Jugendlichen würden unter psychischen Störungen leiden, zitiert die «NZZ» heute Freitag aus der kürzlich erschienenen Studie. Das familiäre und weitere soziale Umfeld sei schwierig, ausserdem fehle es an beruflichen Perspektiven.

Bereits als Kleinkind aufgefallen

Die untersuchten 106 Fälle, zu denen die Fachstelle zwischen 2004 und 2006 Gutachten geschrieben hat, zeigen: 26 Prozent der Jugendlichen waren sogenannte «early starters», also noch keine 14 Jahre alt, als sie straffällig wurden. Über 90 Prozent der untersuchten Fälle sind laut «NZZ» männlich. 46,5 Prozent seien Ausländer, über ein Viertel stamme aus dem Balkan.

Fast 80 Prozent kommen aus unteren sozialen Schichten, knapp 68 Prozent haben un- oder angelernte Arbeiter als Väter und mehr als jeder Dritte eine Mutter ohne qualifizierte Berufsausbildung. Gewalt und Drogen sind in über einem Drittel der Fälle Alltag. Viele sind laut der Studie bereits im Kleinkindalter aufgefallen. Die Rückfallgefahr wurde von den Fachleuten in den Gutachten bei fast 80 Prozent der Fälle als mittel bis hoch eingestuft.

Die Studie hält fest, dass den kriminellen Minderjährigen oft eine starke Vaterfigur fehle. Laut Cornelia Bessler, Leiterin der Fachstelle, brauchen Familien mehr Unterstützung. Sie kritisiert in der «NZZ» auch Schulausschlüsse, weil diese fast immer in einer kriminellen Karriere endeten. Es müsse alles für eine berufliche Integration dieser Jugendlichen getan werden - «auch im Interesse der Öffentlichkeit und der Sicherheit». Sie fordert eine einheitliche Jugendpolitik für den Kanton Zürich.

(cim)

Erstellt: 12.03.2010, 11:42 Uhr

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