Kündigte die Aufseherin die Flucht auf Facebook an?

Die Aufseherin, die mit einem Sexualstraftäter floh, hat auf Facebook einen Film gepostet, der überraschende Parallelen zum Fall hat.

«In der Wildnis gedeihen die richtigen Blumen» hat Angela Magdici auf Facebook gepostet. Danach hat sie Hassan Kiko aus dem Gefängnis befreit.
Bild: Facebook

«In der Wildnis gedeihen die richtigen Blumen» hat Angela Magdici auf Facebook gepostet. Danach hat sie Hassan Kiko aus dem Gefängnis befreit. Bild: Facebook

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«Real flowers bloom in the wilderness», auf Deutsch: «In der Wildnis gedeihen die richtigen Blumen». Diesen Spruch aus dem chinesischen Film «House of Flying Daggers» hat die 32-jährige Aufseherin Angela Magdici zwei Wochen vor der Befreiungsaktion auf ihre Facebook-Seite gepostet. Rückblickend klingt dies wie eine Ankündigung ihrer Tat. Denn der Film handelt von einem romantischen Polizeioffizier, der eine schöne Rebellin aus dem Gefängnis befreit.

Fakt ist: Die Schweizerin, die in Wohlen im Kanton Aargau aufgewachsen ist, hat sich vor einigen Monaten von ihrem aus dem Balkan stammenden Ehemann getrennt und war aus der Wohnung in Dielsdorf ausgezogen. Die Trennung verlief nicht problemlos, wie der 25-jährige Lagerist sagte. Die beiden hatten 2014 geheiratet, anfänglich lief alles gut. Aber in den letzten Monate habe sie sich von ihm distanziert und sich verändert. Er ist überzeugt, dass die Liebesbeziehung mit dem Häftling der Grund für die Beziehungskrise war. Die Frau arbeitet seit Mai 2015 in der Strafanstalt Limmattal, der syrische Häftling Hassan Kiko ist ­einige Monate später von Zürich nach Dietikon verlegt worden.

Thaiboxen, Pferde und BMW

Dort habe man von der Trennung Kenntnis gehabt und mit der Frau vor Weihnachten auch darüber gesprochen, wie Gefängnisdirektor Roland Zur­kirchen auf Anfrage sagt. Hinweise, dass es zwischen Häftling und Aufseherin zu einer Liebesbeziehung gekommen ­ sei, habe man aber nicht gehabt. Punkto Arbeit habe es keinerlei Beanstandung gegeben.

Angela Magdici war begeisterte Thaiboxerin und Mitglied in einem Kickboxingclub. Ihren Ehemann hatte sie an einer Thaibox-Gala kennen gelernt. Früher war sie auch aktive und lizenzierte Springreiterin. Auch schnelle Autos liebte sie – mit ihrem Ehemann hatte sie einen teuren BMW X1 gekauft. Mit diesem Wagen ist sie mit dem Geliebten geflohen, die Spur führt laut Polizei nach Italien. Nach ihnen wird weiterhin international gefahndet.

Der Ehemann ist «zu hundert Prozent» überzeugt, dass die beiden nach Syrien flüchten wollen. Die Frau habe auch begonnen, den Koran zu lesen. Hassan Kiko war 2010 aus Syrien geflohen und hatte anfänglich als Asylsuchender im evangelischen Pfarrhaus in Eschlikon TG gelebt. Der Coiffeur wohnte später in Schaffhausen und arbeitete in Zürich in seinem Beruf.

Notorischer Sexualstraftäter

Hassan Kiko ist ein Wiederholungstäter. Er ist schon dreimal wegen Sexualdelikten verurteilt worden, zweimal rechtskräftig. Neben dem jüngsten Fall, der Vergewaltigung eines knapp 16-jährigen Mädchens im November 2014 in Schlieren, wozu er im Dezember 2015 vom Bezirksgericht Dietikon zu einer vierjährigen Strafe verurteilt worden ist, sind noch zwei weitere Vorfälle aktenkundig.

Laut «20 Minuten» hat sich der Coiffeur 2012 an einer 19-jährigen Schweizerin in der Asylunterkunft in Eschlikon vergangen. Das Bezirksgericht Münchwilen verurteilte ihn im Juni 2014 zu dreieinhalb Jahren unbedingt. Und im Kanton Zürich wurde er im Mai 2014 wegen sexueller Nötigung per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 10.02.2016, 22:42 Uhr)

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