Zürich

«Künftig ein gutes Geschäft für beide Seiten»

Interview: Simon Eppenberger. Aktualisiert am 14.11.2012 23 Kommentare

Im HB Zürich steigen die Mieten für Standbetreiber derart, dass der Spezialitätenmarkt nicht mehr wie gewohnt stattfindet. SBB-Sprecher Reto Schärli sagt, weshalb Gewinne zentral sind – und nichts gegen Billett-Aufschläge ausrichten.

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Reto Schärli, Mediensprecher der SBB in Zürich. (Bild: zvg)

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Vor kurzer Zeit wurde bekannt, dass die SBB für Unterschriftensammlungen in und um Bahnhöfe viel Geld verlangen, jetzt werden im HB Zürich Marktfahrer durch hohe Mietaufschläge aus der Halle gedrängt. Geht es den SBB nur noch um Profitmaximierung?
Die beiden Fälle haben nichts miteinander zu tun. Der Markt wird von den Kunden sehr begrüsst und deshalb auch weitergeführt. Ein Drittel der Marktfahrer hat bereits Interesse bekundet, weiterhin dabei zu sein, das freut uns. Wir sind überzeugt, dass es auch künftig ein gutes Geschäft für beide Seiten wird. Die Firma, welche die Märkte bislang organisiert hatte, kündigte von sich aus.

Die langjährige Organisatorin gibt an, die regelmässigen Aufschläge hätten zum Aus ihrer Firma geführt. Zahlreiche Marktfahrer können sich das nicht mehr leisten.
Die Mietpreise wurden etwa alle zwei bis drei Jahre angepasst, entsprechend der wirtschaftlichen Entwicklung an diesem zentralen Ort mitten in der Stadt Zürich. Es geht uns beim Markt im HB aber nicht um eine Gewinnmaximierung. Sonst müssten wir andere Branchen in die Halle holen.

Dann ist der Markt so etwas wie ein Service public?
Ein Stückweit Ja. Es ist uns wichtig, dass wir eine grosse Vielfalt von Angeboten im HB haben. Es ist schön, wenn die uralte Tradition der Marktfahrer, die vom Land in die Stadt kommen, aufrechterhalten werden kann. Die Städter schätzen die Produkte, die mit viel Herzblut produziert und angeboten werden, sehr. Gewisse Produkte sind ein richtiger Renner. Wenn Sie im Herbst beispielsweise frische Steinpilze kaufen wollen, müssen Sie früh da sein, sonst sind alle weg.

Unterschriftensammeln für politische Prozesse könnte man aber auch als Service public bezeichnen.
Für die SBB ist wichtig, dass der Personenfluss nicht behindert wird. In Hauptverkehrszeiten haben Reisende keine Zeit und Musse, sich eine politische Initiative erklären zu lassen. Aber wir sind überzeugt, dass wir Orte und Zeiten finden, damit die Parteien Unterschriften sammeln können und so eine gute Lösung für alle erreichen.

Der Hauptbahnhof mit der Halle, dem Shop-Ville und neu mit der Europaallee hat sich zu einer veritablen Geldmaschine entwickelt. Wie viel Gewinn wirft das alles ab?
SBB Immobilien erwirtschaftete im vergangenen Jahr gesamthaft Mieterträge von 326 Millionen Franken. Der Hauptbahnhof mit der Railcity trägt auch einen Teil dazu bei.

Wohin fliessen die Millionen?
Das Geld kommt direkt dem System Bahn zugute. SBB Immobilien reinvestiert in neue Projekte und die Erneuerung der Bahnhöfe. Letztlich profitieren alle Reisenden von diesen Erträgen.

In Zürich wird neben der Europaallee auch beim Bahnhof Altstetten kräftig gebaut, SBB Immobilien wird immer stärker auf Gewinn getrimmt. Können die Einnahmen verhindern, dass künftig die Billettpreise steigen?
Nein, das Betriebsergebnis von SBB Immobilien wird für den Infrastrukturausbau der Bahn verwendet sowie für die Teilsanierung der Pensionskasse SBB. Ein allfälliger Rest ist ein Beitrag an das Konzernergebnis der SBB.

Wer gibt vor, dass SBB Immobilien die Gewinne steigern muss? Der Bund als Eigentümer erwartet, dass die SBB ihre kommerziell genutzten Immobilien marktorientiert bewirtschaften. Die SBB stehen zu diesem wirtschaftlichen Auftrag. Letztlich ist es also der Wille der Politik.

Wo wird als Nächstes der Gewinn gesteigert?
SBB Immobilien geschäftet wie andere Immobilienunternehmen und bewegt sich deshalb in einem freien Marktumfeld. Dazu gehört, dass Preise dem Markt entsprechend angepasst werden. Wir wollen aber keinen Ertrag um jeden Preis. Deshalb werden beispielsweise viele Ladengeschäfte in der Europaallee nicht zum maximalen Preis vermietet – sondern so, dass sich auch der Schuhmacher aus dem Quartier einmieten kann. Das wird ein Stückweit quersubventioniert von den Marktmieten, die wir von den Grossmietern verlangen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.11.2012, 16:10 Uhr

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23 Kommentare

Urs Reichlin

14.11.2012, 16:58 Uhr
Melden 101 Empfehlung 21

Ach, schade, jetzt wird auch die SBB (wie die Post und andere ehemalige Bundesbetriebe) immer mehr zu einem Profitunternehmen, wo nicht die Atmosphäre eines Weihnachstmarktes, sondern der nackte Gewinn das einzige Argument ist. Und da wundern sich die Verantwortlichen, wenn das gute Image dieser einst beliebten Staats-Betriebe immer mehr den Bach runter geht. Antworten


J.A. VonBerg

14.11.2012, 18:23 Uhr
Melden 84 Empfehlung 12

Weiss Herr Schärli von was er spricht? 70% der Marktfahrer kommen nicht mehr. Das Schönreden nützt nichts, das Argument "Marktpreise für die Stände" belegt, dass die SBB mit ihren Immobilien gewinnmaximierend agiert, durch alle 2 Jahre höhere Mieten. Ein krasser Widerspruch zum Auftrag der SBB und eine unprofessionelle Kommunikation. Eine politische Intervention ist nötig! Antworten



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