Zürich

Küsnacht will die Schläger von München vergessen

Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 04.03.2010

Ab Montag stehen die drei Jugendlichen vor Gericht, die in München wahllos Menschen verprügelten. In Küsnacht will man die brutalen Schüler am liebsten verschweigen.

Schule in Küsnacht: Die Goldküstengemeinde will nichts mehr mit den brutalen Schülern zu tun haben.

Simon Eppenberger

Angeklagt des versuchten Mordes: Benji D., Ivan Z. und Mike B.

Angeklagt des versuchten Mordes: Benji D., Ivan Z. und Mike B. (Bild: Linda Graedel)

Schlägerprozess in München

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Nachdem drei Schüler der Küsnachter Weiterbildungs- und Berufswahlschule WBK in München beinahe einen Mann totschlugen, stand die Gemeinde an der Goldküste wochenlang in den Schlagzeilen. Nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland sorgte der Fall im Sommer für Empörung.

Mit der Anklage wegen Mordes und dem Prozessbeginn am kommenden Montag steht Küsnacht wieder im Fokus des Interesses. «Dabei waren die drei ja gar nicht von hier», sagt ein Küsnachter vor dem Coop beim Dorfplatz. Er rege sich auf, dass die Gemeinde in den Schmutz gezogen werde, obwohl die Schläger aus umliegenden Dörfern stammen.

Auch Max Heberlein, der Präsident der Schulpflege, hat genug vom Fall. Er will sich nicht mehr äussern zum brutalen Ende der Klassenfahrt nach München. Es sei gesagt, was zu sagen sei, so Heberlein auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch. Wenn überhaupt, dann wird er nach der Urteilsverkündung im April nochmals etwas zur Sache mitteilen. Nicht zuletzt weil Heberlein neben den Opfern auch das Leiden der Familien von Benji, Ivan und Mike sieht, will er lieber schweigen.

Mitschüler halten «nicht viel» von den Schlägern

Währenddessen arbeiten Jugendliche in der Werkstatt der WBK daran, sich auf eine Zukunft als Lehrlinge vorzubereiten. Als kurz vor 16 Uhr die Glocke schrillt, packen sie ihren Rucksack und machen sich auf den Heimweg. Eine Handvoll schlendert zum Bahnhof. Zwei stecken sich eine Zigarette in den Mund, ein dritter hört Musik aus Ohrstöpseln.

Auf die Frage, was sie von ihren Mitschülern in München halten, sagt einer: «Nicht viel». Ein zweiter Jugendlicher schüttelt den Kopf, sagt «Nein», die anderen gehen wortlos weiter, den Blick auf den Boden gerichtet.

Auf dem selben Gelände, auf dem sich die WBK befindet, gehen auch jüngere Schüler in den Unterricht. «Pech für die», sagt ein Primarschüler, der mit dem Trottinet auf der Dorfstrasse unterwegs ist. Seine Kollegen nicken. Auch wenn die Schläger am Montag vor dem Richter stehen, über den Fall reden sie nicht mehr, so die Jugendlichen. Eine ältere Dame mit einer Einkaufstasche winkt ab: «Sollen die doch in Deutschland bleiben.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.03.2010, 15:57 Uhr

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