Zürich

«LSD ist als Medikament nicht gefährlich»

Interview: Tina Fassbind. Aktualisiert am 18.01.2010

Eine Zürcher Psychotherapeutin behandelte ihre Patienten mit LSD – illegal. Dr. Peter Gasser verabreicht die Droge bereits seit 2007 ganz legal. Er weiss, wann ein «Bad-Trip» droht.

«LSD sollte man in einer sicheren und behüteten Atmosphäre verabreichen»: Dr. med. Peter Gasser.

«LSD sollte man in einer sicheren und behüteten Atmosphäre verabreichen»: Dr. med. Peter Gasser. (Bild: Peter Gasser)

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Dr. Peter Gassers Studie

Die Schweizer Medizin-Behörden haben Dr. Peter Gasser im Dezember 2007 die Bewilligung erteilt, mit Hilfe von LSD psychotherapeutische Tests bei Krebspatienten im Endstadium und bei Personen mit anderen tödlichen Krankheiten durchzuführen. Diese Studie über die therapeutischen Vorteile von LSD bei Menschen ist seit 35 Jahren die erste, die von einer Regierung abgesegnet wurde.

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Eine Therapeutin hat zu Gruppensitzungen LSD, Ecstasy und Meskalin gereicht, um posttraumatische Störungen zu therapieren. Hat sie fahrlässig gehandelt?
Nein, das kann ich so nicht sagen. Sie hat an diese Form der Therapie geglaubt und war davon überzeugt, dass sie ihren Patienten mit der Verabreichung von bewusstseinsverändernden Substanzen helfen kann. Ausserdem ist nicht erwiesen, dass jemand durch ihre Behandlung zu Schaden kam. Das Verfahren läuft ja noch.

Die Wirkung von LSD lässt sich nicht voraussehen. Besteht nicht das Risiko eines sogenannten Bad-Trips und damit eine Verschlimmerung der Situation – gerade bei Persönlichkeitsstörungen?
Durch den Konsum von LSD kann man tatsächlich in eine schwere psychische Krise geraten. Das kann bis hin zur psychotischen Krise bei einer Schizophrenie führen. Der Therapeut ist dafür verantwortlich, dass das nicht passiert. Er muss Vorgespräche führen, um die Disposition der Patienten zu kennen. Das ist Teil jeder Therapie. So kann er der Gefahr entgegenwirken, dass die Patienten in unkontrollierte Angstzustände verfallen.

Kann man das überhaupt verhindern?
Man sollte dem Patienten die Droge in einer sicheren und behüteten Atmosphäre verabreichen. Die grösste Gefahr besteht nämlich darin, wenn man LSD im unbegleiteten Rahmen einnimmt. Vor allem Jugendliche im Alter von 15 bis 25 Jahren laufen Gefahr, nach dem LSD-Konsum eine psychische Störung zu erleiden und bleibende Schäden davonzutragen. Und gerade sie nehmen diese Droge wohl am häufigsten unkontrolliert und alleine. Trotzdem gibt es nicht viele Fälle von bleibenden psychischen Problemen, die auf LSD zurückzuführen sind.

Ist Ihnen im Rahmen Ihrer Therapie noch nie ein Patient unter dem Drogeneinfluss entglitten?
Ich muss Holz anfassen: Das ist noch nie passiert. LSD hat tatsächlich eine Schwächung der persönlichen Abwehrmuster zur Folge. Ich ersetze das in meiner Therapie durch die Sicherung des äusseren Rahmens. Die Patienten spüren, dass sie nichts zu befürchten haben und können sich so besser auf die innere Unsicherheit einlassen. Das ist wiederum wichtig für den therapeutischen Prozess.

Also kann man nicht – wie der Volksmund sagt – «auf den ewigen Trip» kommen?
Nein, das gibt es nicht. LSD kann die Veranlagung einer Psychose zum Vorschein bringen. Aber so etwas kann auch durch andere Lebensereignisse ausgelöst werden. Schwierige Phasen gehören zu einer Therapie. Schliesslich gilt es ja, die heissen Eisen anzufassen. Das kann mitunter schmerzhaft sein. Aber durch einen LSD-Trip kann man auch Vertrauen in sich fassen. Dieses Potenzial könnten wir ausnutzen.

Haben Sie selbst auch schon LSD konsumiert?
Ja, ich habe die Droge im Rahmen von medizinischen Studien konsumiert. Das ist erforderlich, sonst kann man niemanden therapeutisch begleiten. Im Rahmen meiner Studie mache ich bisher gute Erfahrungen mit dieser Droge. Keiner meiner Patienten bekam durch die Therapie Probleme. Subjektiv gesehen, haben die Leute sogar einen Nutzen aus der LSD-Therapie gezogen. Wir sind aber noch mitten drin in den Untersuchungen.

Sollte LSD als Therapiemittel Schule machen?
Ja. Man sollte versuchen, diese Therapieform soweit zu entwickeln, dass man gut über ihre Möglichkeiten informiert ist. Die Illegalität stellt in diesem Zusammenhang allerdings immer eine grosse Problematik dar. Ich persönlich glaube nicht, dass LSD zu gefährlich ist, um als Medikament gebraucht zu werden. Die Droge ist aus historischen und nicht aus medizinischen Gründen illegal. Was wichtig ist, ist die Versachlichung der Diskussion, damit man mit Forschungsresultaten und mit Fakten Risiko und Nutzen einer Therapie mit LSD belegen kann.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.01.2010, 16:20 Uhr

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