Zürich

«Lagerleiter nicht pauschal verurteilen»

Von Liliane Minor. Aktualisiert am 16.06.2011 23 Kommentare

Bevor Resultate vorliegen, sollten wir uns vor Spekulationen und Schuldzuweisungen gegen die Organisatoren des Cevi-Lagers hüten. Aus Respekt vor all jenen, die Kindern Abenteuer ermöglichen.

Liliane Minor.

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Eines vorweg: Der tödliche Unfall in einem Pfingstlager ist tragisch und hätte nicht passieren dürfen. Aber kann man aus diesem einen Unfall schliessen, in Jugendgruppen wie Cevi und Pfadi würden leichtsinnig Kinder gefährdet, wie es in Leserzuschriften an die Medien heisst? Müssen Cevi und Pfadi enger kontrolliert werden? Sind die jungen Leiter überfordert?

Nein. Man muss die Relationen wahren. Jedes Jahr finden gegen 2000 solcher Lager statt, an denen mehr als 50'000 Kinder teilnehmen. Gar nicht zu reden von den unzähligen Aktivitäten, die jede Woche stattfinden.

Unfälle mit tragischem Ausgang kommen dabei höchst selten vor – auch im Vergleich mit Schullagern und Sportklubs, die von Erwachsenen geleitet werden. Die Leiterinnen und Leiter von Jugendlagern sind gut ausgebildet, und sie sind sich ihrer Verantwortung in aller Regel auch bewusst.

Ob das im Cevi-Lager, das einer Achtjährigen das Leben kostete, auch der Fall war, muss die Untersuchung zeigen. Bevor es so weit ist, sollten wir uns vor Spekulationen, Schuldzuweisungen und Verallgemeinerungen hüten. Nicht nur aus Pietät, sondern auch aus Respekt gegenüber all jenen jungen Menschen, die freiwillig Samstagnachmittage und Ferien investieren, um Kindern in der Freizeit echte und nicht nur virtuelle Abenteuer zu ermöglichen. All jenen, die im kommenden Sommer oder Herbst wieder ein Lager auf die Beine stellen müssen, hilft es nicht, wenn sie pauschal vorverurteilt werden.

Denn eines ist sicher: Unsere Kinder brauchen Abenteuer mehr denn je – auch wenn das immer ein Risiko mit sich bringt. Wer seine Kindheit in Watte gepackt verbracht hat, kann es später schwerer haben, Mut zu zeigen und Risiken einzuschätzen.

Aber wo haben Kinder heute noch die Möglichkeit, an ihre Grenzen zu gehen, obwohl die Nerven flattern? Und auf sich stolz zu sein, wenn sie es geschafft haben, all ihren Mut zusammenzunehmen? Ausser in den Jugendverbänden sind die Möglichkeiten dünn gesät – es sei denn, die Kinder veranstalten auf eigene Faust Mutproben. Und das ist ganz sicher gefährlicher als jede Pfadiübung. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.06.2011, 10:28 Uhr

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23 Kommentare

Markus Studer

16.06.2011, 10:48 Uhr
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Danke für diesen gelungenen Kommentar! Und ein herzliches Dankeschön allen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich ehrenamtlich in der Pfadi, der Jubla oder der Cevi engagieren. Ihr macht es möglich, dass Kinder sich selber erahren, zu selbstständigen und selbstbewussten Menschen weiterentwickeln, die Natur erleben und ihr wie den Mitmenschen mit Respekt und Offenheit begegnen. Merci! Antworten


Dominique Charmey

16.06.2011, 11:04 Uhr
Melden 44 Empfehlung

Ihr Bericht zeigt auf, wie viel Zeit, Herzblut und Aufwand von den Leitern investiert wird.
Ich selbst bin Leiter in einer Kinder- und Jugendorganisation und weiss um die Aufgaben und Verantwortung, die wir gegenüber den Kindern und Eltern haben. Ein Dank an alle Eltern, die uns immer wieder Vertrauen schenken!
Der Opferfamilie, welche auf juristische Schritte verzichtet, gebührt grossen Respekt!
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