Ledergerber will blau-weisse Taxis: «Das wäre super!»
Von Ruedi Baumann. Aktualisiert am 10.04.2010
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Jeder Zürcher kennt Elmar Ledergerber – nur die Taxifahrer kennen ihn nicht. Wenn der ehemalige Stadtpräsident am Hauptbahnhof in Begleitung seines Hündchens in ein Taxi einsteigen will, heisst es regelmässig: «Nix Hund!». Und Ledergerber, heute Präsident von Zürich Tourismus, muss mit dem Tram heimfahren. Nun hat sich Ledergerber in die öffentliche Diskussion um den Zürcher Taxi-Streit eingemischt, der sich auch um Fahrtenverweigerungen dreht. In seiner ersten Kolumne auf Radio 1 schlug Ledergerber gestern energische Massnahmen zur Qualitätssicherung vor.
«Unsere Taxis sind eine Visitenkarte der Stadt», sagt der oberste Touristiker, «aber was heute bei uns als Taxi durch die Strassen fährt, ist manchmal nicht zum Ansehen und schlicht schmuddelig.» Ledergerber kritisiert zudem, dass viele Taxifahrer kaum Deutsch sprechen und die Stadt nur sehr schlecht kennen. Als erste Massnahme will Ledergerber deshalb, dass die Gewerbepolizei, die für die Prüfung der Taxifahrer zuständig ist, die Ortskenntnis wieder strenger prüft. Zudem müssten die Taxihalter und die grossen Zentralen vermehrt darauf achten, dass die Fahrer anständig angezogen und dem Fahrgast gegenüber freundlicher sind.
1521 Taxis sind zu viel
Zweiter Vorschlag Ledergerbers ist eine deutliche Senkung der Anzahl Taxis. Heute kurven 1521 offiziell zugelassene Taxis in Zürich herum. Die Taxivorschrift sieht keine Beschränkung vor, es herrscht freier Markt. Die neu gegründete IG Taxi spricht von einer «Endlosvergabe» von Bewilligungen, oft an Arbeitslose und Fürsorgeempfänger. Die übergrosse Zahl Taxis führt dazu, dass die Fahrer bis 15 Stunden arbeiten müssen, um eine Familie ernähren zu können. Weniger Taxifahrer, so Ledergerber, würden das Einkommen erhöhen und das Niveau der Fahrer heben.
Subvention von Öko-Taxis?
Die spektakulärste Idee Ledergerbers ist auch die umstrittenste: eine einheitliche Lackierung aller Taxis. «Blau-weisse Taxis zum Beispiel, das wäre super», sagte er gestern gegenüber dem TA. Ein Einheitslook könnte auch mit Sponsoring, ökologischen Anforderungen und Alterslimiten für Fahrzeuge verbunden werden. Als Beispiel nennt Ledergerber die Stadt Mailand, wo eine grosse Flotte von sparsamen Hybrid-Taxis mit zusätzlichem Elektroantrieb verkehrt. Beim Kauf eines Öko-Fahrzeugs erhält der Halter von der Stadt einen Beitrag von mehreren Tausend Euro.
In New York sind die Taxis gelb, in Deutschland crèmefarben, und die Flughafentaxis sind alle weiss. «Ein einheitliches Bild macht es dem Kunden einfacher, ein Taxi heranzuwinken», sagt Serge Cuendet, Präsident der IG Airport-Taxi. Weiterer Vorteil einer blauen oder blau-weissen Zürcher Taxi-Flotte: Auswärtige Landtaxis, die in Zürich «über den Hag fressen», wären von weitem als fremde Taxis erkennbar, die in Zürich keine Kunden anwerben dürfen.
Die Idee einer blau-weissen Zürcher Taxi-Flotte ist nicht ganz neu. Vor fünf Jahren hatte der Gemeinderat eine entsprechende Einzelinitiative hochkant beerdigt. Argumente vieler Taxifahrer gegen den Einheitslook: Diese Fahrzeuge lassen sich privat oder für diskrete Spezialaufträge kaum verwenden. Und ausrangierte blau-weisse Autos lassen sich höchstens ins ferne Ausland verkaufen. Eine Regelung könnte zudem nur auf massiven Druck der Stadt durchgesetzt werden. Von den 1521 Zürcher Taxis ist rund die Hälfte den vier grossen Zentralen angeschlossen, die übrigen arbeiten unabhängig.
Weisse Bändel an der Antenne
Der Taxi-Verband Zürich startet nun eine Freundlichkeitsoffensive. «Wer unterschreibt, dass er den Dienst am Kunden erfüllt, die Beförderungspflicht einhält und mit dem Gepäck hilft, erhält einen weissen Bändel an die Antenne», sagt Vize-Präsident Stefan Löble. Ledergerbers Vorschläge bezeichnet er als «guten und konstruktiven Ansatz».
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.04.2010, 22:37 Uhr



