Lehrermangel entschärft sich
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In einigen Regionen der Schweiz suchen die Schulbehörden händeringend nach Lehrern. Nun melden die Kantone Zürich und Aargau erste Erfolge im Kampf gegen den Lehrermangel. In Zürich waren am Montag noch 86 Stellen frei, davon 23 Klassenlehrer-Stellen. Martin Wendelspiess, Chef des Volksschulamtes, bestätigte einen Bericht der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens. Vor zwei Wochen seien 195 Stellen (55 für Klassenlehrer) nicht besetzt gewesen.
Die Stellen seien je etwa zur Hälfte an ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer vergeben worden und zur Hälfte an Studierende der Pädagogischen Hochschule in den letzten zwei Semestern der Ausbildung. «Es haben sich viele gemeldet», sagte Wendelspiess. Die Anstellung gebe gute Praxiserfahrung.
Dachverband will nur ausgebildete Lehrer
Anderer Meinung ist der Dachverbandes Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH): Das «Praktikum als Ernstfall» sei abzulehnen, hält er in einer Stellungnahme fest. Nicht fertig ausgebildetes pädagogisches Personal solle weder Fach- noch Klassenlehrerstellen übernehmen.
Langfristig gelöst sei das Problem nicht, betonte Wendelspiess. Der Kanton Zürich rechne in den nächsten sieben Jahren mit 15 Prozent mehr Schülern. Es brauche deshalb weiterhin Massnahmen wie die verkürzte Ausbildung von Quereinsteigern aus anderen Berufen, die von sechs Kantonen – darunter Zürich – lanciert wurden.
Der Kanton Aargau hat offene Stellen in Deutschland und Österreich ausgeschrieben und ist fündig geworden. Noch nicht vergeben sind vor allem Teilzeitpensen. Auf Vollpensen umgerechnet sind noch 21 Stellen offen, wie es beim Bildungsdepartement auf Anfrage hiess. Anfang Juni waren noch 90 volle Pensen offen gewesen und Anfang April deren 200. Der Aargau sucht seit 1989 Lehrerinnen und Lehrer in den Nachbarländern.
Keine Entwarnung
LCH-Zentralpräsident Beat W. Zemp überraschen diese Nachrichten nicht. Mitte August werde dann wie üblich vermeldet, dass alle Stellen besetzt seien, sagte er auf Anfrage. Die Bundesverfassung verpflichte die Kantone schliesslich, für ausreichenden Grundschulunterricht zu sorgen. Entwarnung mag Zemp deshalb jedoch nicht geben. Es blieben die Fragen, etwa ob die Anstellungsbehörden überhaupt noch unter Bewerbern auswählen könnten und ob die Eingestellten die für ihren Einsatz und die Unterrichtsstufe erforderliche Ausbildung absolviert hätten.
Von einer «düsteren Realität» sprach im Juni der Deutschschweizer Schulleiterverband. Etliche Lehrerinnen und Lehrer seien für das Stellenprofil nicht ausgebildet, das sie erfüllen sollten, schrieb er nach einer Befragung seiner Mitglieder. Knapp 57 Prozent gaben an, dass sich das Angebot an Lehrerinnen und Lehrern gegenüber dem vergangenen Jahr verschlechtert habe. (alb/sda)
Erstellt: 26.07.2010, 13:49 Uhr



