Letzigrund: Es geht um viel Geld, nicht nur um Risse
Von René Staubli. Aktualisiert am 04.06.2010 7 Kommentare
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Das Hickhack zwischen dem Baukonzern Implenia und der Stadt Zürich erinnert an die Auseinandersetzungen nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull. Die Behörden verhängten damals wegen der Aschewolke ein Flugverbot. Airlines kritisierten die Massnahme als «völlig überzogen», sekundiert von Experten. Von «Panikmache» war die Rede.
Gestern attackierte Implenia-Chef Anton Affentranger die Stadt frontal. Das Hochbaudepartement habe panisch gehandelt. Es habe nie ein Sicherheitsrisiko bestanden. Die Sperrung des Stadions sei so unnötig gewesen wie die Stützen. Ihren Entscheid hatte die Stadt freilich vor dem Hintergrund eines erbitterten Expertenstreits gefällt: Am 19. Mai trafen sich Fachleute von Stadt und Implenia zur Diskussion im Letzigrund. Die Herren wurden sich nicht einig. Darum beschloss die Stadt, jedes Risiko zu vermeiden.
Notbremse gezogen
Die Stadt habe die Notbremse unter anderem gezogen, weil sich ihr eigener Experte, der ETH-Professor Peter Marti, im Februar geweigert habe, eine schriftliche Garantie zur Sicherheit des Stadions abzugeben, sagt Urs Spinner, Sprecher des Hochbaudepartements. Gestern präsentierte Implenia einen Brief desselben Experten vom 6. April, in welchem er gegenüber dem Baukonzern die Sicherheit des Stadions bestätigte. Was will man da noch glauben?
Die Stadt griff aber auch durch, weil Implenia nicht lückenlos angeben konnte, welche Stahlqualitäten in den Dachträgern verbaut worden waren. Die Fachleute der Stadt sahen sich so ausser Stande, verlässliche Angaben zur Sicherheit zu machen. Implenia räumte dieses Problem gestern ein.
Gegenseitige Diskreditierung
Bei all den Diskussionen um die Festigkeit der Dachträger beschleicht einen zunehmend das Gefühl, dass es in diesem Streit nur vordergründig um Sicherheitsfragen geht. Denn die Reparatur der Mängel – Korrosionsschutz ergänzen, partielle Nachbesserungen vornehmen, Überwachung der Risse – würde laut Implenia weniger als eine Million Franken kosten. Laut Stadt wären es inklusive der zusätzlichen Schweissarbeiten zur Verstärkung der Dachträger «einige wenige Millionen». Das sind Peanuts. Man hätte sich längst einigen können.
Der eigentliche Zankapfel scheint die Schlussabrechnung fürs Stadion zu sein. Die Implenia reklamiert 37 Millionen Franken Mehrkosten, die nur deshalb entstanden seien, weil die Stadt fast 1400 Änderungswünsche angemeldet habe. 9 Millionen zahle die Baufirma selber, sagte Firmenchef Anton Affentranger, weitere 22,9 Millionen habe man am Mittwoch beim Zürcher Bezirksgericht eingeklagt.
Im Vorfeld dieser gerichtlichen Auseinandersetzung sind die Parteien offensichtlich bemüht, sich gegenseitig zu diskreditieren. Implenia unterstellt der Stadt, sie suche gezielt nach sogenannten «Baumängeln», um die Firma unter Druck zu setzen. Doch die Stadt ist ebenfalls nicht wählerisch in ihren Mitteln. Vorgestern präsentierte sie den Medien eine Passage aus einem Brief der Implenia ans Bezirksgericht: Die Baufirma bestreite, hiess es, «dass die Dachkonstruktion Mängel aufweist, geschweige denn, wie von der Stadt behauptet, schwerwiegende». Die Stadt hatte den Rest des Satzes einfach weggelassen. In voller Länge tönt die Botschaft ein wenig anders: «... schwerwiegende, welche die Stadt gezwungen hätten, das Stadion notfallmässig zu schliessen.»
Man habe die Sache «nicht unnötig verkomplizieren wollen», rechtfertigte sich Urs Spinner von der Stadt.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.06.2010, 22:45 Uhr
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7 Kommentare
Die Stadt verhält sich wie man es sich von ihr gewohnt ist. Spreche da aus eigener Projekterfahrung. Zuerst haben sie keine Ahnung was sie genau wollen. Dann entscheiden sich die Verantwortlichen für ein Projekt und ändern während der Ausfürhungsphase dauernd das Pflichtenheft, daraus folgt höhere Kosten etc. am Ende wollen sie dann noch weniger Zahlen und zahlen dann mit massiver Verzögerung. Antworten




