Zürich

Letzigrund: «Zwei Drittel der Dachträger sind beschädigt»

Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 03.06.2010 10 Kommentare

Das Stadion Letzigrund weist viel mehr Schäden auf, als zunächst befürchtet. Die Stadt sagt, es gebe gefährliche Risse und zwei Drittel der Träger seien mangelhaft. Trotzdem sollen die Stützen bald verschwinden.

1/18 Mangelhafte Dachträger im Letzigrund
Der grösste Teil der Träger weisen von Auge nicht erkennbare Schäden auf.
Simon Eppenberger

   

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Das Stadiondach Letzigrund muss noch bis mindestens 11. Juli von Stützpfeilern getragen werden. Bis dahin werden die Träger einer Belastungsprobe mit tonnenschweren Gewichten unterzogen. «Danach werden die Stützen nach und nach entfernt», sagt André Odermatt, Vorsteher des Hochbaudepartements der Stadt Zürich, heute Mittwoch gegenüber den Medien. Auf Beginn der Fussballsaison am 17. Juli soll das Stadion «wieder stützenfrei» sein, sagt Odermatt weiter.

Allerdings ist das Stadion zurzeit alles andere als intakt: «Es gibt unglaublich viele und sehr gefährliche Mängel, die nie hätten passieren dürfen», sagt Jürg Seiler vom Amt für Hochbau. Unter anderem waren Schweissnähte fehlerhaft, Mittelstege weisen Risse auf und hoch belastete Stellen sind offenbar falsch bearbeitet worden. «Zwei Drittel der Dachträger sind beschädigt», so Seiler weiter.

Streit vor Gericht

Die zahlreichen Schäden werden zusätzliche Kosten in Millionenhöhe verursachen. Wie viel die Stadt oder Implenia am Ende berappen müssen, ist laut Wiebke Rösler, Direktorin des Amts für Hochbau, offen: «Zuerst muss das Stadion wieder sicher gemacht werden.»

Nicht nur die Höhe der Kosten ist offen. Auch über die Verantwortung des Dachschadens sind sich die Erbauerin Implenia und das Hochbaudepartement der Stadt Zürich gar nicht einig. Die Stadt geht davon aus, dass Implenia den grössten Teil der Schäden berappen muss. Dem widerspricht die Implenia laut Odermatt klar. «Sie weist die Verantwortung zurück und behauptet, es gibt keine Schäden», sagt er weiter.

Wieso die Meinungen derart weit auseinander gehen, ist für Wiebke Rösler aufgrund der vorliegenden Berichte «ein Rätsel». Der Streit über die Kosten wird voraussichtlich vor Gericht ausgefochten. Bereits die bisherigen juristischen Untersuchungen haben laut Stadt eine Million Franken gekostet. Die Stadt will auf einen Garantiefonds zurückgreifen, den Implenia bereits beim Bau hinterlegen musste. Er ist 12 Millionen Franken schwer.

Stadt will Risse selber beheben

Mit der Ablehnung der Verantwortung hat die Generalunternehmung laut Odermatt das sogenannte Nachbesserungsrecht verwirkt. Deshalb wird die Stadt nun selber aktiv und behebt die Mängel in eigener Regie. Nun werden die Träger in zusätzlichen Schweissarbeiten nachgebessert. Ab dem 14. Juni werden sie einzeln einer Belastungsprobe von bis zu 50 Tonnen Last unterzogen.

Die Erbauerin des Stadions ist erst heute Vormittag über die Medienkonferenz der Stadt informiert worden, wie deren Sprecher Aloys Hirzel auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch sagte. Implenia will zu den Vorwürfen der Stadt Zürich keine Stellung nehmen. «Wir werden morgen informieren und unsere Sicht der Dinge darlegen», sagt Sprecher Aloys Hirzel.

Offene Rechnung

Das Stadion Letzigrund muss bereits seit März mit Stützen gesichert werden. Wie die Implenia damals gegenüber dem «Tages-Anzeiger» sagte, stehen für den kurz vor der Euro 2008 fertiggestellten Bau noch Zahlungen «in erheblicher Höhe» aus.

Detaillierter wollte sich die Baufirma nicht äussern, man will keine Schlammschlacht mit der Stadt. Inoffiziell verlautete aber, dass gegenüber dem zuständigen Hochbaudepartement als Auftraggeber ein «zweistelliger Millionenbetrag» geltend gemacht werde. Ein ehemaliger Kadermann beziffert den offenen Anspruch von Implenia gegenüber der Stadt auf rund 20 Millionen Franken. Zu diesen offenen Rechnungen wird die Stadt laut eigenen Angaben heute keine Stellung nehmen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.06.2010, 14:25 Uhr

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10 Kommentare

Thomas Ingold

02.06.2010, 17:01 Uhr
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«Es gibt unglaublich viele und sehr gefährliche Mängel, die nie hätten passieren dürfen» so die Meinung des AfH. Wie will die Stadt diese bis Mitte Juli in eigener Regie beheben? Diese Haarrisse sind nicht zu unterschätzen und sind offenbar ein Risiko. Wenn zwei Drittel der Dachträger beschädigt sind, wird einem als Besucher schon mulmig. Baut endlich ein richtiges Fussballstadion im Hardturm! Antworten


marie berner

02.06.2010, 17:06 Uhr
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Wenn der Stahlträger Risse hätte, die gefährlich sind, könnte man diese nicht beheben, ohne den Stahlträger zu ersetzen. Geht es also um Kosmetikschäden, oder muss die Stadt ihr Gesicht wahren? Antworten



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