Zürich
«Man spart sich Ampeln, verliert hingegen jede Menge Lebenserwartung»
Von Jvo Cukas. Aktualisiert am 05.11.2012 67 Kommentare
Artikel zum Thema
- «In Zürich ist viel mehr möglich»
- «Das Velo ist in Zürich ein Schönwetter-Verkehrsmittel»
- «Zürich ist Lichtjahre im Hintertreffen»
- 40 Velo-Bussen in nur einer Stunde
Teilen und kommentieren
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an
4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Die Velowege in Zürich machen Lesern von Tagesanzeiger.ch zu schaffen. Auf den Aufruf von vergangener Woche meldeten sich in den letzten drei Tagen viele, die vor allem auf ihrem täglichen Arbeitsweg durch Zürich so manche Hürde auf sich nehmen müssen. Dabei zeigt sich: Einige machen Umwege, um den gefährlichen Direktweg zu vermeiden, andere wollen schnell vorwärtskommen und setzen sich zahlreichen Gefahren aus. Und eine dritte Gruppe steigt aus Angst gar nicht erst aufs Rad, obwohl sie dies gern tun würde.
Unhaltbar ist für mehrere Leserreporter der Weg zwischen Hardplatz und Bucheggplatz. Einer beschreibt, wie man sich zwar auf die Hardbrücke trauen kann, um möglichst schnell vorwärtszukommen: «Man spart sich Ampeln und Kreuzungen, verliert hingegen jede Menge Nerven und Lebenserwartung.» Autos würden ohne Rücksicht mit 60 Stundenkilometern hupend an einem vorbeibrausen. Wähle man den sichereren Weg über die Velo- und Fussgängerwege, müsse man die Hardbrücke schon in der Hälfte verlassen – und sich davor und danach zwischen Fussgängern durchschlängeln oder wegen Ampeln oder Passanten ständig absteigen.
Bucheggplatz: Zu schnell für die Velos
Beim Bucheggplatz scheinen die Belange der Velofahrer nur wenig berücksichtigt. Die Rosenbergstrasse, wo die Autofahrer gleich schnell unterwegs sind wie auf der Hardbrücke, einmal hinter sich gelassen, steht der Verkehr an einer Ampel: «Da man bergauf mit dem Velo selten mit 50 Stundenkilometern unterwegs ist, kommt es vor, dass man bei eigener Grünphase in die Grünphase der aus der Hofwiesenstrasse kommenden Autos gerät.»
Der Bucheggplatz scheint auch im Kreisel eine Herausforderung für Velofahrer zu sein, wie ein anderer Leserreporter erklärt: «Oft schneiden einem rechtsabbiegende Autos den Weg ab, die nicht realisieren, dass man mit dem Velo nicht nach rechts abbiegen will.»
Das Tram und der Vortritt
Auch die Vortrittsregelung für Trams bei Grünphasen anderer Verkehrsteilnehmer macht es den Velofahrern nicht leicht, unversehrt zu ihrem Ziel zu kommen. Eine Leserin fährt täglich von Thalwil zum Arbeitsplatz beim Bürkliplatz. Sie schreibt, wenn sie auf der Heimfahrt vor der Tramhaltestelle Rentenanstalt in Richtung Mythenquai einbiegen wolle, könne das Tram weiterfahren, wenn der Autoverkehr halten müsse. Autos würden von den Tramführern hier akzeptiert. «Wenn ich aber mit meinem Rad bei Rot anhalte und kein Auto auf der Spur steht, habe ich schon mehrfach Erfahrungen mit erbosten Tramführern gemacht.» Der Veloweg entlang des Sees sei aber – vor allem im Sommer – keine Alternative wegen der vielen Fussgänger.
Natürlich stehen auch die Rämistrasse oder die Situation am Bellevue, über welche Tagesanzeiger.ch schon vielfach berichtete, ebenfalls in der Kritik. Erstaunlicher ist jedoch die Tatsache, dass auch viele neueingerichtete Fahrwege offenbar an den Bedürfnissen der Radfahrer vorbeikonzipiert wurden, oder viele Velowege als zu gefährlich klassiert werden. Beispiel Bullingerstrasse: «Der schicke, einen Meter breite, weisse Streifen in der Mitte der Fahrbahn ist im Alltag eine sinnlose und gefährliche Angelegenheit», erklärt ein Leserreporter. So bringe er Autofahrer dazu, so weit am rechten Rand zu fahren, dass kein Velofahrer mehr durchkomme. Im Berufsverkehr komme es regelmässig zu Beinahekollisionen.
Was der Kanton ändern müsste
Eine Hausbesitzerin an der Mutschellenstrasse gibt an, sie wage sich nicht aufs Velo. Obwohl ihre Wohnstrasse einen durchgehenden Radweg aufweise, dürften Autos dort nach wie vor mit Tempo 50 unterwegs sein. «Täglich beobachte ich, wie Autofahrer angebraust kommen und den Velofahrern bei den Fussgängerinseln auf wenige Zentimeter auffahren oder sogar noch vorbeidrängeln.» Die Leserreporterin spricht von einem «misslungenen Kompromiss zwischen den Interessen aller Verkehrsteilnehmer». Auch die Wehntalerstrasse, die Freiestrasse, die Gutstrasse oder der Weg Albisriederstrasse bis Albisriederplatz machen einigen Velofahrern Angst. Kritisiert werden dort meist fehlende oder so angelegte Velowege, dass man sich dem Autoverkehr schlichtweg ausgeliefert fühlt. Und: «Die Liste liesse sich leider beliebig verlängern.»
Doch auch ausserhalb der städtischen Grenzen – im Hoheitsgebiet der kantonalen Veloplaner – sieht die Situation für viele nicht rosig aus. Ein Leserreporter, der täglich zwischen Boppelsen und Zürich-Affoltern unterwegs ist, kritisiert gleich mehrere Punkte: So seien die Landvelowege zwar vorhanden, allerdings ohne ihnen wirklich Priorität beim Vorwärtskommen beizumessen. Beim Autobahnkreuz Affoltern sei man mehrfach gezwungen, abzusteigen, weil man bei Rotlichtsignalen, die mit einem Knopf bedient werden, halten müsse.
Zudem sei kein Konzept erkennbar, wie man mit Randsteinen beim Veloweg verfahre: «mal versenkt, mal abgeflacht, mal angeschliffen, mal halb versenkt». Auch zuvor müsse man aufpassen: Bei Eingängen zu Gewerbegebieten entlang der Wehntalerstrasse rechne offenbar niemand mit Velofahrern auf dem Radweg. Das lakonische Fazit eines Velofahrers zu den bereitgestellten Radwegen: «Wieso einen einfachen, durchgehenden und geraden Veloweg planen, wenn es auch anders geht?» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.11.2012, 13:56 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
67 Kommentare
Bucheggplatz ist der blanke Horror für Velofahrer! Das so etwas überhaupt erlaubt ist! Und das sage ich als Autofahrer, der regelmässig dort durchfährt. Die rechtsabbiegenden Autos sind für die Velofahrer lebensgefährlich. Generell sind viele Strassen zu schmal, die Autos fahren teils nur wenige Zentimeter an den Velos vorbei. Antworten
Ja das Velo Fahren auf den Strassen Zürichs ist gefährlich und trotzdem fahre ich auf der Strasse. Es kann für mich nicht sein dass ich aus Angst vor den Stärckeren ( Auto's) die Schwächeren (Fussgänger) gefährde und einschränke. Wenn man sich den Verkehr in Zürich anschaut wird man schnell merken dass die Causa "Verkehrsregeln" nicht nur ein Thema bei den Velofahrern ist. Rücksicht hat Priorität. Antworten

Bitte warten
























