Mann drohte Spital mit Bombe, weil ein Arzt seine Frau nackt sah

Ein 42-jähriger Kosovo-Albaner bedrohte eine Ärztin und das Kantonsspital Winterthur, weil bei der gynäkologischen Untersuchung seiner Partnerin ein Assistenzarzt anwesend war.

Bombendrohung gegen die Frauenklinik: Kantonsspital Winterthur.

Bombendrohung gegen die Frauenklinik: Kantonsspital Winterthur. Bild: Keystone

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«Warum war bei der gynäkologischen Untersuchung ein Mann anwesend? Ich habe einen Menschen ins Spital gebracht, kein Tier.» Mehr als ein Jahr nach dem Vorfall in der Frauenklinik des Kantonsspitals Winterthur ist offensichtlich, dass der 42-Jährige Bauarbeiter weder verstanden hat noch akzeptieren kann, was sich damals ereignete.

«Sie werden dann schon sehen, was passiert»

Er hatte im August 2012 seine damals 38-jährige Partnerin und heutige Ehefrau, die ebenfalls aus dem Kosovo stammt, zu einer gynäkologischen Untersuchung ins Spital gebracht. An dieser Untersuchung, die eine Ärztin vornahm, war auch der 42-Jährige als Übersetzer anwesend, weil die Patientin kein Wort Deutsch sprach. Aber nicht nur er war anwesend, sondern eben auch ein männlicher Unterassistent, ein Arzt in Ausbildung. Dessen Anwesenheit störte den Kosovo-Albaner ganz gewaltig. Aber er sagte kein Wort.

Dafür tauchte er zwei Tage später im Spital auf und telefoniert über die interne Dienstnummer der Ärztin. Er sei mit der Anwesenheit des Arztes in Ausbildung gar nicht einverstanden gewesen. Er werde ihre Privatadresse ausfindig machen und sie dort aufsuchen. Sie werde dann schon sehen, was passieren oder was er mit ihr anstellen werde. Und als wäre das nicht bereits genug, drohte er auch noch damit, das Kantonsspital Winterthur zu «bombardieren». Das Spital alarmierte die Polizei, welche den Mann an seinem Arbeitsplatz verhaftete.

«Mein Leben ist zerstört»

«Die Ärztin», sagte der 42-Jährige vor der Einzelrichterin, «hat mein Leben zerstört, weil ein anderer Mann meine Frau nackt gesehen hat.» Nicht nur sein Leben, sondern auch seine Ehe sei zerstört. Es sei ihm seither unmöglich, die Ehe zu vollziehen. Er habe psychische Probleme, nehme Antidepressiva, sei in ärztlicher Behandlung. Ihm gehe es «je länger, desto schlechter».

Wiederholt versuchte die Einzelrichterin zu verstehen, was den Mann, der immerhin seit 18 Jahren in der Schweiz lebt, und der bis ins Jahr 2010 mit einer Schweizerin verheiratet war, am normalen Vorgang im Spital so empörte – ein Vorgang, an dem er ja selber teilnahm. Die Anwesenheit eines fremden Mannes bei der Untersuchung seiner Frau, ohne dass er vorher um Erlaubnis gefragt worden ist, nannte er einen «Verrat».

«Wer stellt schon freiwillig seine Frau zur Verfügung»

Ob er denn nicht verstehen könne, dass die Anwesenheit des Assistenten zu Ausbildungszwecken sinnvoll sei, wollte die Richterin wissen. Nein, das konnte er nicht verstehen. «Wer stellt seine Frau schon freiwillig zur Verfügung, damit andere an ihr lernen können?», fragte er zurück. Die Ärztin habe ja auch eine Vagina, damit hätte der Assistent ja üben können.

Sein Verteidiger verlangte einen Freispruch. Sein Mandant, der sich seit dem Vorfall «völlig verändert» habe, sei aufgrund der Umstände damals gar nicht in der Lage gewesen, die nötige Einsicht in das Unrecht seiner Handlung zu haben. Er sei deshalb schuldunfähig. Er habe sich gedemütigt gefühlt, wegen des «schweren Verrates» einen Nervenzusammenbruch erlitten, und er empfinde auch das Strafverfahren als «besonders kränkend».

Für die Einzelrichterin gab es keine Anhaltspunkte, dass sich der Beschuldigte psychisch abnorm entwickelt hat. Sie verurteilte den 42-Jährigen wegen Drohung zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 40 Franken und auferlegte ihm die Gerichtsgebühr von 1800 Franken. Damit ging die Richterin über den Strafantrag der Staatsanwaltschaft hinaus. Sein Verschulden sei höher zu gewichten. Er sei sehr aggressiv aufgetreten. Zudem sei es «bedenklich», dass er eine Ärztin bedroht habe, die seiner Frau half. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 29.10.2013, 13:18 Uhr)

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