Markthalle steckt Migros in die Tasche

Wie teuer ist die neue Markthalle wirklich? Ein Testeinkauf im Viadukt, dem Globus und der Migros führt zu einem überraschenden Ergebnis.

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Die Produkte stammen aus der Region, viele direkt vom Biobauernhof. Und an den Ständen darf man probieren und wird beraten. Dafür müsse man in der neuen Markthalle im Viadukt auch tiefer in die Tasche greifen, warnten die Verantwortlichen im Voraus. Jetzt, zwei Wochen nach der Eröffnung, ist die Zeit für den grossen Preisvergleich gekommen: Wie teuer ist die Markthalle wirklich? Und ist ein bisschen Beratung und das angebliche Einkaufsvergnügen einen Aufpreis wert?

Die Mission

Kaufe fünf Produkte des täglichen Bedarfs, die möglichst ähnlich sind. Einmal in der Markthalle, einmal im Globus und einmal in der Migros. Vergleiche anschliessend die Preise und überlege dir, ob es so etwas wie Spass am Einkaufen gibt und ob es sich lohnt, dafür Geld auszugeben.

Die Einkaufsliste

  • 1 Liter Bio-Vollmilch
  • 1 Kopfsalat
  • 2 Gala-Äpfel
  • 60 Gramm Bünderfleisch
  • 1 Sonnenblumenkernenbrot, ca. 350 Gramm

Der Einkauf im Globus

Der Globus ist so etwas wie die Referenz für gepflegtes Einkaufen. Je weiter ich auf der Rolltreppe ins Untergeschoss sinke, desto grösser wird das Gefühl, dass ich es nun doch zu etwas gebracht habe. Am Freitagvormittag herrscht dort schon reger Betrieb – die Leute hier brauchen offenbar für ihr Geld nicht zu arbeiten. Das führt auch dazu, dass der Einkauf 19 Minuten dauert.

Empfangen wird man mit dem Duft von frisch gebackenem Brot. Das Personal ist, sagen wir: korrekt bis freundlich. Brot, Salat und Bünderfleisch lässt man sich an drei verschiedenen Ständen reichen. Letzteres ist zu meiner Enttäuschung bereits vorgeschnitten, eigentlich mag ich es ja etwas dicker. Die Äpfel greift man sich selber aus einer Auslage, die auch als Vorlage für ein barockes Stillleben herhalten könnte.

Der Einkauf in der Migros

Auch in der Migros City fährt man mit der Rolltreppe ins Untergeschoss. Auf dem Weg dorthin wächst das Bedauern für die Menschen, die dort unter Tag arbeiten müssen. In der Migros lässt man sich einzig das Fleisch reichen, das ebenfalls bereits vorgeschnitten ist – alles andere nimmt man selbst. Das mag die Sinne weniger stimulieren, aber dafür muss man nicht für jedes Produkt anstehen. Die Überraschung in der Migros City: Auf der Suche nach dem Brot habe ich es gerochen, bevor ich es gesehen hat.

Der Geruch kommt allerdings nicht vom Sonnenblumenkernenbrot, das auf der Einkaufsliste steht. Denn das ist vorgeschnitten und in einer luftdichten Plastikfolie verpackt. Ich entscheide mich für das Korn-Fit-Brot. Das kommt dem Brot der Konkurrenten am nächsten. Ich bin froh, als mich der Moloch wieder auf die Löwenstrasse ausspuckt. Nein, ein sinnliches Erlebnis ist der Einkauf in der Migros City nicht, hier kauft man Rohstoffe für einen vollen Bauch. Dafür dauert es nur 14 Minuten, und an der Qualität der Produkte gibt es nichts auszusetzen – wenn man das Brot mag.

Der Einkauf in der Markthalle

Kaum habe ich die Schiebetüre im Kreis 5 durchschritten, begrüsst mich ein freundlicher Gemüsehändler. Noch bevor ich die Milch gefunden habe, lächeln mich mehr Menschen an und sagen «Guten Morgen» als damals bei meinem einzigen Besuch in einem Fünf-Sterne-Hotel. Hier muss man quasi für jedes Produkt in einen anderen Laden – nicht gerade praktisch, aber dafür gibt es jedes Mal ein weiteres «Guten Morgen» gratis dazu. An den meisten Marktständen darf man probieren, wenn man will – und hier wird das Bünderfleisch frisch aufgeschnitten, genau so dick, wie ich es gerne mag.

Und die Gemüsehändlerin weiss sogar, woher der Salat kommt: von ihrem Hof in Aesch. Das System Markthalle hat allerdings den Nachteil, dass ich bei meinem Einkauf viermal Geld in die Finger nehme. Und das braucht seine Zeit: Der Einkauf dauert 21 Minuten. Und er würde erheblich länger dauern, wenn man an den Marktständen warten muss.

Die Preise

Markthalle pro 100 g Globus pro 100 g Migros pro 100 g

Der Einkauf in der Migros war zwar am günstigsten. Doch wenn man die Preise pro 100 Gramm mit jenen vom Globus vergleicht, reibt man sich die Augen: In einigen Fällen erreicht der orange Riese tatsächlich Globus-Niveau. Die Äpfel und der Salat sind fast so teuer wie im Globus. Die Migros machte den tiefen Preis mit der Milch und dem günstigen Brot – das nicht unbedingt jedermanns Sache ist – wett.

Doch wer hätte gedacht, dass die Markthalle sogar die Migros in die Tasche stecken kann. Vergleicht man die Preise pro 100 Gramm, war der Einkauf in der Markthalle nur 40 Rappen oder 3,5 Prozent teurer als in der Migros. Bünderfleisch und Äpfel waren sogar am günstigsten. Am teuersten war die Milch und der Kopfsalat. Bei letzterem muss man allerdings sagen, dass ich mir ohne Aufpreis ein grösseres Exemplar hätte wählen können. Wäre er gleich gross gewesen wie jener in der Migros, dann wäre der Einkauf in der Markthalle sogar am günstigen gewesen.

*Die höchsten Preise pro 100 Gramm. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 17.09.2010, 15:18 Uhr)

Bemerkung zu Korrektur

In der ersten Fassung des Textes hat sich ein Fehler in die Berechnung eingeschlichen. Die Äpfel in der Markthalle waren mit einem Preis von 2.20 Franken für zwei Äpfel angegeben. Sie kosteten tatsächlich 1.50 Franken. Richtig war von Anfang an der Preis pro 100 Gramm von 3.90.

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