Maskentragpflicht: «Das ist ein hilfloser Versuch der Spitäler»
Interview Christoph Landolt. Aktualisiert am 07.12.2009 22 Kommentare
Elsbeth Schulthess ist Geschäftsleiterin der Zürcher Sektion des Schweizer Berufsverbands der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner SBK.
Links
Artikel zum Thema
- Schweinegrippe: Unispital verzichtet auf Maskentragpflicht
- Maskenpflicht für Ustermer Pflegepersonal
- Ein Impfobligatorium ist kein Tabu mehr
- Schweinegrippe-Impfung: Nicht-Risikopatienten warten auf Termin
- Schweinegrippe: Auslieferung des Impfstoffs an Zürcher Ärzte verzögert sich
- Teuer eingekauftes Tamiflu wird nun als Sondermüll verbrannt
Stichworte
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Frau Schulthess, in den Spitälern Uster, Winterthur oder Triemli können Krankenschwestern wählen: Entweder sie lassen sich gegen die Schweinegrippe impfen, oder sie tragen einen Mundschutz.
Das ist ziemlich diskriminierend und auch sehr heikel – ein hilfloser Versuch der Spitäler, auf die Pflegenden Druck auszuüben, damit sie sich impfen lassen. Ich habe das Gefühl, dass man damit vor allem Patienten und Angehörige verunsichert. Als Patient fragt man sich doch automatisch, ob diese Person nun eine Maske trägt, weil sie Schweinegrippe hat oder ob sie einfach gesund bleiben will.
Viele Spital-Mitarbeiter wehren sich gegen die Impfung. Haben Sie kein Verständnis für ein Maskenobligatorium?
Doch, natürlich verstehe ich die Spitäler in ihren Bemühungen, eine Lösung zu finden. Die Arbeitgeberseite trägt die Verantwortung und fürchtet sich vor Personalausfällen. Dann müsste man aber konsequent sein und nicht nur die Pflegenden bestrafen. Sondern auch Ärzte, Besucher und das Personal bei der Reinigung und in der Küche durchimpfen. Nur so wären die Patienten effektiv geschützt.
Die Pflegemitarbeiter kommen am stärksten in Kontakt mit den Patienten, nicht die Ärzte oder die Putzfrauen.
Ja, deshalb empfiehlt unser Verband auch, dass sich Mitarbeiter, die in Risikobereichen tätig sind, impfen lassen. Natürlich haben aber auch wir weder das Recht noch das Interesse, unsere Mitglieder zu zwingen. Was ganz sicher nicht funktioniert, ist die Stigmatisierung der Pflegenden. Das löst höchstens Widerstand aus.
Die Krankenschwestern lassen sich aus Trotz nicht impfen?
Nein, bestimmt nicht aus Trotz, die haben schon berechtigte Gründe. Es ist auch nicht so, dass alle die Wirksamkeit des Impfstoffs anzweifeln. Viele haben Angst vor den Nebenwirkungen oder sie sind lange nicht mehr krank gewesen und haben Vertrauen in die eigenen Abwehrkräfte, da gibt es ganz unterschiedliche Gründe.
Die Maskentragpflicht schützt die Patienten vor infizierten Pflegern. Nehmen Sie die Interessen der Kranken genügend ernst?
Bei den Masken ist immerhin ein Nutzen zu erkennen, sie bieten einen gewissen Schutz vor Tröpfcheninfektionen. Wichtiger ist hier aber die Disziplin bei der Hygiene. Man weiss, dass es auch die Ärzte beim Desinfizieren der Hände nicht allzu genau nehmen.
Wer sich im Zürcher Kinderspital impfen lässt, darf sich einen Pin mit der Aufschrift «Ich bin geimpft!» anheften. Was halten Sie von dieser sanfteren Massnahme?
Das ist absolut diskriminierend und nützt niemandem etwas. Auch wenn die Buttons freiwillig getragen werden können, löst das Kinderspital unter den Mitarbeitern damit einen Druck aus, der nicht konstruktiv ist. Das geht meiner Meinung nach eindeutig zu weit.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 07.12.2009, 14:22 Uhr
WRITE A COMMENT
22 Kommentare
@Adrian Frey. Immerwieder und auf penetrante Art wird hier als Grund weshalb man sich nicht impfen lassen soll, die Profitgier der Pharmaindustrie. Man wolle Zeichen setzen und diese nicht unterstüzen. Nur... so viel ich weiss sind die 13 Mio. Impstoffdosen für die CH doch längst vom Bund gekauft und bezahlt!Also eine Verweigerung einzig aus "finanziellen" Gründen ist nur lächerlich. Antworten
Ich staune über die allgemeine Impfdiskussion. Impfungen ohne Risiken und/oder Nebenwirkungen wären schön, sind aber nicht realistisch. Es stellt sich doch vielmehr die Frage, ob Impfungen für die Allgemeinheit mehr nützen als schaden. Zum Glück hat man Pocken in den 60er / 70er-Jahren ausgerottet, heute wäre das nicht mehr möglich. Antworten
An alle, die hier meinen, Pflegepersonal und Ärzte hätten alles zu tun, um die Patienten zu schützen, auch wenn sie sich selbst durch die Impfung gefährden (siehe zahlreiche Todesfälle etc.). Dann pflegt Euch doch selbst im Krankheitsfall. Aber für's Füdliputzen im Bedarfsfall können die Pflegenden dann wiederum nicht schnell genug springen. Scheinheilige Welt oder seid Ihr alle geimpft? Wohl kaum Antworten
@marc sailer: Die Impfung hilft ihnen. Ich verstehe die Hysterie wegen der Impfung nicht. Schliesslich wird routinemaessig gegen alles moegliche geimpft ohne dass die Leute massenhaft sterben. Es sollte doch nur porfessionell sein fuer Aerzte und Pflegepersonal sich impfen zu lassen. Antworten
An alle die hier auf das Pflegepersonal eindreschen: Warum gelten ungeimpfte Aerzte und Besucher gegenüber nicht die gleichen Massstäbe? Genau das ist die Diskriminierung. Das Verwandten- und Bekannten-Besuchs-Karusell auf einer Wöchnerinnenstation ist ja bestens bekannt. Sind diese Besucher und Besucherinnen alle geimpft? Oder ist deren Grippe nicht ansteckend. Antworten
Meiner Meinung an sollten Die ärzten und Die Krankenschwetern und dass sonstige Arbeitsleute in den Spitälern selbst endscheiden ob sie sich impfen lassen wollen oder nicht mann hört ja immer wieder was für neben wirkungen der Impfstoff hat oder dass die Leute Danach krank sind Gruss Salome Bleuler Antworten
"Als Patient fragt man sich doch.." Nein diese Frage stellt Patient sich nicht. "Viele haben Angst vor den Nebenwirkungen.." Komisch bei der Hep.b Impfung scheint diese Furcht praktisch nicht zu bestehen. Aber da gehts ja um den eigenen Schutz. Impf-oder Maskenpflicht und Händewaschen für die Aerzte UND Pflegepersonal. Ausreden und der inflationäre Gebrauch der "Diskriminierung" helfen nicht. Antworten
was passiert wenn mich der schweinegrippe infizierte patient ansteckt? ich wiederum damit meine familie, wobei z.bsp. ein kind stirbt? zudem steckt der patient noch gleichzeitig andere patienten an, die womöglich zusätzlich in lebensgefahr geraten? wer schützt das personal vor schweinegrippe infizierten patienten? Antworten
Wer haftet denn, wenn eine geschwächte Person im Spital von Pflegenden mit der Schweinegrippe angesteckt wird und stirbt? Die Pflegerin oder der Pfleger? Wenn ja, würden sich wohl alle schnell impfen lassen. Aber so ist einem die etwas esoterische Selbstverwirklichung halt näher... Antworten
Schon unglaublich, wie schnell heute das Wort "Diskriminierung" gezückt wird. Ob ein Patient, der von einem ungeipmften und ungeschützten Pfleger angesteckt wird und stirbt, auch ein Opfer von "Diskriminierung" ist? Oder ob er einfach Pech hatte, der unbegrenzten individuellen Freiheit des Pflegers im Wege zu stehen? Einen Impfzwang fürs Pflegepersonal würde der gesunde Menschenverstand gebieten! Antworten
Unbelehrbares Pflegepersonal Eine Maskentragepflicht (besser noch wäre eine Impfpflicht) ist die einzige Möglichkeit, gegen die Arroganz und Rücksichtslosigkeit gewisser Kreise von Pflegenden anzukommen. Es geht um die Gesundheit der Menschen, die wir diesem Pflegepersonal anvertrauen! Wo bleibt die Politik? Warum setzten sich die Patienten und deren Angehörige nicht zu Wehr? Antworten
ich habe kein verständniss für die pfleger, die sich nicht impfen lassen und dann nicht eine maske tragen, selbst wenn das keine pflicht des spitals ist. die patienten sind gesundheitlich angeschlagen, eine grippe endet da meist fatal. natürlich soll das auch für ärtzte und besucher gelten und für alle grippen. und es sollte selbsverständlich sein. unglaubliches interview. Antworten
Ach ja, vor lauter Minarett-Initiative, Dubai-Krise und Regisseur Polanski, haben wir beinahe vergessen, dass es ja noch die Schweinegrippe gibt... Das sagt und zeigt uns doch eindeutig, dass es hier nur um das Wohlwollen der Pharma-Industrie geht und um nichts anderes... Zum Glück hab' ich mich nicht impfen lassen... Antworten
muss ich jetzt auf meiner arbeitstelle im spital (drogenentzug) auch ein mundschutz tragen, wenn ein patient mit tuberkulose symptomen eingeliefert wird und in den einweisungspapieren "verdacht auf tuberkulose" steht und bei nachfragen bei der einweisenden institution keiner auskunft geben will? bringt der "junkie" von der strasse die schweinegrippe auf station? wer will / kann das überprüfen???? Antworten
Vom Pflegepersonal und von Aerzten erwarte ich, dass sie alles dafür tun, den Patienten nicht zu schaden. Und dazu gehört nun mal, sie nicht unnötigerweise anzustecken. Ob sie sich nun impfen lassen oder eine Gesichtsmaske tragen, dürfen sie ja selber entscheiden. Wer nicht weder das Eine noch das Andere machen will, soll den Beruf wechseln. Antworten
Zürich
- 10:56Vignette führt zum gestohlenen Velo
- 10:01Hunde des Grenzwachtkorps fanden 200 Liter K.-o.-Tropfen
- 09:01Politiker bekommen kalte Füsse
- 08:40Langstrasse-Unfall: Lenker in U-Haft
- 07:24Dutzende Unfälle auf den Strassen, fünf Buslinien in Zürich behindert
- 06:32Gericht pfeift Kanton zurück: Abgewiesener Asylbewerber darf nicht heiraten





Thomi Horath
Sehr geehrter Herr Rechsteiner, zum Beispiel die Nebenwirkungen können erheblich sein (Tagi vom 7.12.09: "Zahlreiche Nebenwirkungen bei Schweinegrippe-Impfung"). Vor allem die Langzeitnebenwirkungen kennt man noch überhaupt nicht. Ausserdem würde ich gerne mal wissen, was an der Schweine-Grippe so gefährlich sein soll. Auch dort gab es bisher nicht viel mehr Tote als nach der Impfung. Antworten