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Mechaniker, Milliardäre und Pleitiers

Von Pia Wertheimer. Aktualisiert am 19.01.2012 7 Kommentare

Was 1920 in Winterthur mit einer einfachen Autogarage begann, entwickelte sich zu einem milliardenschweren Imperium – und endete plötzlich im Konkurs.

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Die Winterthurer nannten ihn später wegen seines cholerischen Auftretens «Gopferdammi-Erb», jenen Automechaniker, der 1920 mit 26 Jahren im Elternhaus eine Reparaturwerkstatt einrichtete. Sieben Jahre später kam eine Garage dazu. Damit legte Hugo Erb senior den Grundstein für ein Familienunternehmen, das sein Sohn Hugo zu einem Milliardenimperium ausbaute. Als Hugo Erb senior am 5. Juni 1953 an einem Herzschlag starb, hinterliess der Mechaniker seinem Sohn nicht nur eine florierende Garage, sondern auch die Hingabe zum Familienunternehmen.

Genau wie sein Vater traf Hugo Erb junior morgens als Erster im Geschäft ein und verliess es abends als Letzter. Im Laufe der Jahre sicherte er sich nach und nach die Vertretung verschiedener Automarken sowie der Lastwagenmarke MAN. Der Garagist aus Töss mauserte sich zu einem ernst zu nehmenden Gegenspieler der Emil Frey AG und der Amag.

Auto- und Kaffeekönig

Beispielhaft für den Aufstieg der Winterthurer Familie liess der Unternehmer in den 60er-Jahren ein mehrstöckiges Autohaus erbauen. Bis in die 80er-Jahre stand das Auto im Fokus des Unternehmers. Dann wurde ihm die Motorwelt zu klein – er erstand Fenster- und Küchenhersteller, eine Kaffeehandelsfirma und Immobilien. Der Mann, der sich innert Jahrzehnten die Krone eines Auto- und später eines Kaffeekönigs aufsetzte, galt als öffentlichkeitsscheu. Wie Sanierer Hans Ziegler später berichtete, mochte er bis zu seinem Tod die Zügel nicht wirklich aus der der Hand geben und beeinflusste die Familiengeschäfte, obwohl er sie seinen Söhnen übertragen hatte.

Sein Sohn Rolf, der sich vor dem Bezirksgericht Winterthur verantworten muss, kam 1951 als zweiter Erb-Spross zur Welt. Nach dem Abschluss der Handelsschule reiste er für fünf Jahre ins Ausland und liess sich im Management-Trainingscenter von General Motors und Ford ausbilden, bevor er als 23-Jähriger eine Garage in Luzern übernahm. Er zog Anfang der 90er-Jahre mit seiner Ehefrau Christine in das stattliche Anwesen Schloss Eugensberg, das über 45 Zimmer auf drei Geschossen verfügt.

Das Auto – Fluch und Segen

Bis zum Kollaps schrieben die Erbs Erfolgsgeschichte: «2000 ist unser Jahr», sagte Rolf Erb in einem Interview im März 2000. Zu diesem Zeitpunkt umfasste das Konglomerat mit den Holdings Unifina, Herfina und Uniwood 75 Firmen, ihr Anteil am Kaffeeweltmarkt betrug nach eigenen Angaben 13 Prozent. Trotzdem blieb die Autosparte das Kerngeschäft der Erbs. 30'000 neue und Occasionsfahrzeuge veräussere die Gruppe jährlich, gab der ältere Erb-Spross an. Ein Jahr zuvor hatten sie insgesamt mehr als 4,4 Milliarden Franken umgesetzt.

De facto waren die Rollen innerhalb des Imperiums klar verteilt: In der Hand von Vater Hugo waren die Geschäftskassen, für das Detailgeschäft zeichnete Christian Erb verantwortlich, während Rolf sich um den Import kümmerte und die operative Leitung des Konzerns innehatte. «Die wichtigen Entscheidungen werden aber von uns gemeinsam diskutiert und schliesslich auch getroffen», liess Rolf Erb «Bilanz»-Journalisten wissen. Die Erbs waren umtriebige Geschäftsmänner, sie galten in Winterthur aber als Phantom. Zwar trugen die Fussballer des FC Winterthur ihr Logo auf ihren Trikots, laut Stadtpräsident Ernst Wohlwend (SP) spielten die Erbs aber keine grosse Rolle.

«Eine gute Portion Intelligenz und Bauernschläue», schrieb die «Bilanz »1989.

Das Auto war für die Erbs Segen und Fluch zugleich: Darauf gründete ihr Erfolg. Es bestimmte aber auch auf tragische Weise ihr Schicksal. Hugos Erstgeborener Heinz kam Mitte der 70er-Jahren im Alter von 24 Jahren bei einem Autounfall ums Leben. Christian Erb, der jüngste Erb-Spross, verunfallte im April 1994 zwischen Dietlikon und Dübendorf. Seither ist der heute 52-Jährige querschnittgelähmt und hat sich weitgehend zurückgezogen.

Er wurde als Nummer drei des Unternehmens gehandelt. Ihm attestierte die «Bilanz» 1989 neben einer athletischen Statur «eine gute Portion Intelligenz und Bauernschläue». Er übernahm in den 90er-Jahren unter anderem die Verantwortung für die Suzuki-Vertretung in Dietlikon und verfolgte eine vielversprechende Karriere als Diskuswerfer. So warf er 1988 den nach wie vor gültigen Landesrekord und trug 1992 bei den Olympischen Spielen die Schweizer Farben. Er muss sich nicht vor Gericht verantworten. Christian Erb ist Junggeselle geblieben – im Gegensatz zu seinem älteren Bruder Rolf.

Zwillinge mit 50 Jahren

Zu diesem zog nach der Trennung von Ehefrau Christine die Hönggerin Daniela Sheridan ins Schloss Eugensberg. Am 21. Mai 2002 gebar sie mit 50 Jahren Zwillinge. Ihnen sollte Rolf Erb später unter anderem Schloss Eugensberg und die Winterthurer Villa Wolfensberg schenken. Weil dies kurz vor dem Zusammenbruch des Imperiums geschah, macht die Staatsanwaltschaft Gläubigerschädigung geltend.

2003 überschlugen sich dann die Ereignisse: Noch im Frühjahr am Genfer Autosalon vom einstigen Ford-Chef Nick Scheele geehrt, starb der Gründervater Hugo Erb am 8. Juli 2003. Ende Oktober holten die Erb-Erben den Firmensanierer Hans Ziegler an Bord. In einem Communiqué erklärten sie, künftig als Verwaltungsräte zu fungieren.

Am 5. Dezember 2003 lud Ziegler die Presse ins Casinotheater Winterthur. Dort, wo üblicherweise Komödien über die Bühne gehen, spielte sich an diesem Tag eine Tragödie ab: Protagonist war dabei Sanierer Ziegler, der die Öffentlichkeit über das Ende des Familienunternehmens informierte. Für das Erb-Imperium war damit der letzte Vorhang gefallen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.01.2012, 10:02 Uhr

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7 Kommentare

Frank Zuffnik

19.01.2012, 10:31 Uhr
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Wie sagt man dem, wenn man mit Krediten Geschaefte finanziert, die man so besser nicht machen taete und dazu lieber nicht das eigene Vermoegen einsetzt, weil das koennt ja sonst verloren sein wenns schief geht, aber den Gewinn, den wuerd man dann aus der Holding schon abziehen? Spekulation? Nein aber auch so etwas. Wer haette vermutet, dass Milliarden nicht durch werkende Haende zustandekommen? Antworten


Nina Fischer-lindeman

19.01.2012, 12:55 Uhr
Melden 7 Empfehlung

Lassen wir den leidgeprüften Christian mal beiseite und konzentrieren uns auf die andern beiden: Der Vater sass bis zum Tod morgens früh bis abends spät im Büro, um was zu tun? Und Rolf lebt im Schloss, das ihm nicht gehört. Der Fall erinnert an den von der Presse ebenso hochgejubelten Werner K. Rey und - wenn sich denn jemand dazu bequemen würde - an Christoph Blocher und Martin Ebner. Antworten



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