Mehr Lehrstellen oder mehr Bürokratie?

Der Berufsbildungsfonds, über den im Kanton Zürich abstimmt wird, schaffe neue Lehrstellen, sagen Linke. Die FDP entgegnet: falsche Hoffnungen.

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4000 Jugendliche im Kanton finden nach der Volksschule keine Lehrstelle – jedes Jahr. Viele von ihnen überbrücken die Lücke mit einem 10. Schuljahr oder einem Motivationssemester, doch manche stehen ganz ohne Anschlusslösung da. Mithilfe eines Berufsbildungsfonds soll das Angebot an Lehrstellen nun ausgebaut werden.

Gewerkschafter und Linke erklärten gestern vor den Medien, wie «der Nachfrageüberhang» auf dem Lehrstellenmarkt mit den maximal 20 Millionen Franken aus dem Fonds verringert werden könnte. Für den Grünen Ralf Margreiter vom KV Schweiz gibt es zwei Stossrichtungen. Erstens möchte er Lehrbetriebe direkt entlasten, indem ihnen beispielsweise Kursgelder erlassen und Weiterbildungen ihrer Berufsbildner finanziert werden. Zweitens schwebt Margreiter die Schaffung von neuen Lehrbetriebsverbünden vor. Er denkt vor allem an den Dienstleistungsbereich, wo besonders viele Lehrstellen fehlen. Mit den Fondsgeldern könnten solche Verbünde gefördert werden.

Stefan Feldmann, Präsident der SP Zürich bezeichnete den Fonds als «griffige Massnahme» in der Lehrstellenförderung. Er betonte, ein verfehlter Berufseinstieg verursache ein Leben lang hohe Kosten für den Staat. Darum sei der Fonds auch als Vorsorge zu betrachten.

Für Julia Gerber, Präsidentin des kantonalen Gewerkschaftsbundes, ist der Fonds «ein Tatbeweis der Wirtschaft für die Wirtschaft». Die Abgaben (maximal ein Promille der AHV-pflichtigen Lohnsumme) seien so klein, dass sie keiner Firma echt weh täten. Weil die Abgabe keine Lenkungswirkung haben werde, sei es auch falsch, wenn die Gegner von einer «Strafsteuer» sprächen, sagte Gerber. Ungern hört sie auch, wenn Firmen ohne Lehrlinge als «Trittbrettfahrer» bezeichnet werden. Es gehe nur darum, dass sich alle an der Ausbildung beteiligten. Die Abgabe sei ein Förderbeitrag.

FDP: Volkswillen missachtet

Die FDP schaltete sich gestern ebenfalls in den Abstimmungskampf um den Berufsbildungsfonds ein. Dieser wecke falsche Hoffnungen, blähe den Verwaltungsapparat auf und schaffe keine einzige Lehrstelle, schreiben die Freisinnigen. Zudem werde der Volkswille missachtet, weil im Mai 2003 die Lehrstelleninitiative der SP (mit Berufsbildungsfonds) deutlich verworfen wurde.

Am 28. September kommt das kantonale Bildungsgesetz in zwei Varianten zur Abstimmung: einmal mit Fonds und einmal ohne. Dazu gibt es eine Stichfrage. Abgesehen vom Berufsbildungsfonds ist das Gesetz vollkommen unbestritten. Es regelt die Organisation der Berufsbildung im Kanton Zürich – inklusive aller Brückenangebote. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.09.2008, 22:05 Uhr

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