Mehrwertsteuer auf Katzen

Der Zoll erhebt auf Strassenkatzen eine Steuer. 38 Franken musste eine Richterswilerin für zwei Katzen bezahlen, die sie in Ibiza aufgelesen hat.

Mathilde und Ophelia in Roca Ilisa auf Ibiza. Laut dem Schweizer Zoll sind sie je 240 Franken wert.

Mathilde und Ophelia in Roca Ilisa auf Ibiza. Laut dem Schweizer Zoll sind sie je 240 Franken wert. Bild: Privat

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Zürich – Grün oder Rot? «Nichts zu deklarieren» oder «Waren zu deklarieren»? Die beiden Frauen, soeben mit zwei jungen Katzen auf dem Flughafen Kloten gelandet, sind unschlüssig. Die Tiere haben durchaus einen Wert, aber sie haben sie nicht gekauft.

Die beiden Katzen, zwei Schwestern, lebten in einem Katzenrudel auf einem verwilderten Grundstück in Roca Ilisa auf Ibiza. Eine der beiden Frauen besitzt dort eine Wohnung und fütterte die Tiere zusammen mit einer Spanierin während ihres Aufenthalts. Viele der Katzen sind scheu und bewahren sichere Distanz zu den Menschen. Zwei Tigerli aber wurden mit jedem Tag zutraulicher, strichen der Schweizerin um die Beine, legten sich vor ihr auf den Rücken und wollten gekrault werden.

Impfung, Chip und Pass

Während ihres Aufenthalts hat die Schweizerin die beiden Katzen so lieb gewonnen, dass sie diese mit nach Hause nach Richterswil nehmen wollte. Sie liess die Tiere gegen Tollwut impfen, beschaffte sich einen EU-Heimtierpass, liess ihnen einen Chip implantieren – so, wie es die Vorschriften für die Einfuhr von Tieren verlangen. Ein paar Wochen später bestieg sie zusammen mit ihrer Freundin und den Katzen das Flugzeug. Jede hatte zwischen Beinen und Vordersitz eine spezielle Tierreisetasche mit den Katzen stehen; sie waren während des ganzen Flugs ruhig, ein Arzt hatte ihnen ein Beruhigungsmittel verabreicht.

Und dann stehen die beiden Frauen vor der Zollkontrolle in Kloten vor der Wahl: Grün oder Rot? Sie entscheiden sich für grün. «Schliesslich», so sagt die Freundin der Katzenbesitzerin, «haben wir nichts gekauft.» Sie gehen, in einer Hand den Koffer, in der anderen die Tasche mit einer Katze, durch den Zoll – und werden prompt angehalten. Der Zöllner reagiert unwirsch. Weshalb sie die beiden Katzen nicht deklariert haben, will er von ihnen wissen – und verlangt für die zwei Katzen 38 Franken Mehrwertsteuer.

Die Frauen sind perplex. Mehrwertsteuer für Strassenkatzen? Ja. Ohne dass sie es bemerkt haben, sind die beiden Katzen in ihren Taschen zur Ware geworden. Und die Ware Katze bewertet der Schweizer Zoll in diesem Fall mit 240 Franken. Gleichgültig, ob man etwas für das Tier bezahlt hat oder nicht.

Katze ist nicht gleich Katze

«Eine Katze hat einen Wert, und dieser muss je nach Höhe versteuert werden», erklärt Attila Lardori, Mediensprecher der Eidgenössischen Zollverwaltung. Personen, die im Inland ein Tier kaufen, bezahlen die Mehrwertsteuer mit dem Kaufpreis, jene, die im Ausland zu einem Tier kommen, bei der Einreise. Eine reinrassige norwegische Langhaarkatze etwa wird mit mindestens 600 Franken bewertet. «Dieser steuerbare Wert hat aber nichts mit der Würde des Tieres zu tun. Der Wert eines Tieres lässt sich nicht in Geld bemessen», sagt Attila Lardori.

Dennoch tut dies der Fiskus. Und da der Wert der beiden Katzen zusammen den Freibetrag von 300 Franken übersteigt, muss die Besitzerin sie zu einem Mehrwertsteuersatz von 8 Prozent versteuern. Aber immerhin: Obwohl sie die Katzen streng genommen in die Schweiz schmuggelte, erliess ihr der mürrische Zöllner die Busse.

Mathilde und Ophelia, die beiden Katzen, haben sich übrigens bestens in Richterswil eingelebt.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 13.10.2011, 07:29 Uhr)

Kantonstierärztin warnt

Die Einfuhr von Tieren in die Schweiz kann problematisch sein. So muss sich das kantonale Veterinäramt jedes Jahr mit Dutzenden von Tieren beschäftigen, die ohne die nötigen Voraussetzungen aus Ländern mit Tollwut in Osteuropa und der Dritten Welt in die Schweiz gebracht worden sind, wie Kantonstierärztin Regula Vogel sagt. «Viele Tierhalter sind sich zu wenig bewusst, dass die Tiere oft Viren von Infektionskrankheiten in sich tragen.» Die Tollwut überträgt sich nicht nur einfach auf andere Tiere, sondern auch auf den Menschen. Die befallenen Tiere müssen deshalb zurückgeschafft oder im Einzelfall eingeschläfert werden. Laut Regula Vogel haben sich in der Schweiz hauptsächlich über aus Südeuropa importierte Tiere Krankheiten wie Babesiose verbreitet, die hier früher nicht existierten. Auch für das Tier selber ist der Ortswechsel nicht immer positiv. «Wenn es sich nicht an Menschen oder an eine städtische Umgebung gewohnt ist, ist es für das Tier ein Stress.» (jho)

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