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Messias am Bus-Steuer

Von Christoph Landolt. Aktualisiert am 27.06.2011 58 Kommentare

Ein Busfahrer im Limmattal verteilt während seiner Arbeitszeit fundamentalistische Traktate. Die Botschaft: Wer nicht den Weg zu Jesus einschlägt, kommt in die Hölle.

1/10 «Der lange Weg»
Seite 14: Die Familie folgt Jesus, Jens will nicht.
© Jack Chick

Messias am Bussteuer

   

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Adrian Koller*, Verkäufer im Shoppiland in Spreitenbach, steigt wie üblich in den Bus der Linie 303, der ihn zum Bahnhof Killwangen bringt. Dort angekommen ruft ihn der Chauffeur nach vorne, drückt ihm ein kleines Heft in die Hand und entlässt ihn mit einem «Gott beschütze Sie» aus dem Bus.

Das Heft, ein Comic im Kleinformat, erzählt die Geschichte von «Jens», einem Normalbürger, der sich auf der «tollen Schnellstrasse des Lebens» befindet. Mit 50 kommen bei ihm Selbstzweifel auf, doch Jens weigert sich, den schmalen Pfad in den Himmel einzuschlagen. Elf Seiten später ist es zu spät, Jens wird vom Teufel höchstpersönlich hereingelegt und schmort nun in der Hölle, «für immer! Hohohooo».

25'000 Traktate pro Jahr

Vertrieben wird das Traktat von der Firma Chick Gospel Literatur im deutschen Siegen. Das Unternehmen importiert die Comic-Traktate von Jack Chick, einem amerikanischen Zeichner und Verleger, der bereits über 80 evangelikale Comics herausgegeben hat. Laut Thomas Strunk von Chick Gospel Literatur wurden weltweit schon über 700 Millionen Chick-Traktate verteilt. «In die Schweiz werden pro Jahr etwa 25'000 versendet.» Sie sind für rund 20 Rappen pro Stück erhältlich und werden vor allem von Privatpersonen bestellt, die laut Strunk durchschnittlich 200 Heftchen beziehen.

Das Traktat, das der Chauffeur in Killwangen verteilt hat, gehört dabei noch zu den harmloseren. In anderen Werken Chicks werden Ungläubige für den Untergang der Titanic oder der Katholizismus für die Verbrechen der Nazis verantwortlich gemacht. Muslime, Buddhisten, Homosexuelle – sie alle landen direkt in der Hölle. Wissenschaft, Politik, Medien sind von einer katholischen Weltverschwörung unterwandert.

Vereinzelte Fälle

Die angefragten Transportunternehmen sind sich einig, dass das Missionieren im Dienst inakzeptabel ist. Der Zürcher Verkehrsverbund ZVV hat in den letzten fünf Jahren nur eine oder zwei Reklamationen wegen missionierenden Chauffeuren, wie Pressesprecher Thomas Kellenberger erklärt. «Dass eine entsprechende Kundenrückmeldung bis zum ZVV-Contactcenter gelangt, ist selten.» Es sei Sache des einzelnen Transportunternehmens, solchen Beschwerden nachzugehen.

Bei der Limmatbus AG, die die Linie 303 betreibt, weiss man noch nichts von der Missioniererei eines ihrer Chauffeure. «Das ist seit langem das erste Mal», sagt Betriebsleiter Björn van Aken. Aufgrund der Anfrage von Tagesanzeiger.ch hat er mit dem Busfahrer gesprochen, dieser habe den Fehler zugegeben. Der Mann hat zugesichert, in Zukunft keine Traktate mehr zu verteilen.

Erfahrung mit missionierenden Busfahrern hat das Unternehmen: 2008 hat ein Chauffeur wiederholt Kindern Malbüchlein mit religiösen Inhalten geschenkt. Trotz mehrerer Reklamationen von Eltern und schriftlicher Verwarnungen hat er weiter missioniert. Schliesslich kündigte ihm die Limmatbus AG, wie sich van Aken erinnert. «Er hat mir gesagt, dass er Gottes Wort nun halt anderswo verkünden werde. Irgendeine Chauffeurenstelle finde er sicher wieder.»

* Name geändert (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.06.2011, 15:20 Uhr

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58 Kommentare

Aschy Furrer

27.06.2011, 17:20 Uhr
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Hehe, diese Comics sind ja Trash von Feinsten, ey Mann! Fundamentalismus auf den Underground gebracht. Es grüsst Euch ihr Kreationalisten, ein überlebender Dinosaurier ;-) Grüsse auch vom Schnabeltier Antworten


susanne birkmann

27.06.2011, 15:33 Uhr
Melden 59 Empfehlung

die schweiz ist zum glück säkularisiert. das bedeutet, dass ich in öffentlichen räumen (z.B. im ÖV) vor religiöser beeinflussung (egal welche couleur) geschützt sein sollte. es ist mir schleierhaft, wieso gewisse fundis einfach nicht begreiffen können (oder wollen), dass wir "ungläubigen" voller absicht auf einem anderen weg wandern. in meinen augen ein kündigungsgrund (weil belästigung!) Antworten



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