Migros macht mit Elektroautos Mobility Konkurrenz

Die Migros-Tochter M-Way will 2014 in Zürich ein Carsharing aufziehen. Wer seinen Parkplatz zur Verfügung stellt, bekommt die Ladestation bezahlt und ein vergünstigtes Elektroauto. Er muss es aber teilen.

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Mobility macht es vor: Die Carsharing-Genossenschaft verzeichnet jedes Jahr mehr Mitglieder. Jeder zehnte Zürcher ist bereits ein Autoteiler. Den jungen Städtern ist der Zugang zu einem Wagen wichtiger, als einen solchen zu besitzen. Lästiger Versicherungskram, der jährliche Service und die Parkplatzsuche entfallen. Das Auto wird per Smartphone oder Internet gebucht, die Rechnung online bezahlt.

Bald ist Mobility mit diesem erfolgreichen Geschäftsmodell in der Schweiz nicht mehr allein: Auf Anfang 2014 plant die Migros-Tochter M-Way in Zürich eine eigene Carsharing-Plattform. Zum Einsatz kommen vierplätzige elektrische Zoes von Renault sowie Elektro-Smarts. Im Gegensatz zum Sharing-Modell von Mobility gehören die Autos im «Emotion Zürich» genannten Projekt Privaten. Diese stellen ihren öffentlich zugänglichen Parkplatz zur Verfügung, erhalten im Gegenzug ein vergünstigtes Auto sowie eine Schnellladestation und deren Installation im Wert von 10'000 Franken geschenkt.

Geld verdienen mit dem Elektroauto

Der Besitzer bestimmt, zu welchen Zeiten das Auto anderen zur Verfügung steht. Buchen können dieses alle, die ein Abo auf der Online-Buchungsplattform Sharoo wählen. Aufgeschlossen wird das gebuchte Auto bequem per Smartphone. Der Vorteil des Modells: Die Besitzer verdienen mit dem Teilen ihres Wagens Geld. «Bei fünf Stunden Vermietung in der Woche sind es bereits 1500 Franken im Jahr», sagt M-Way-Marketingchef Thomas Schröder. Ein willkommener Zustupf an die laufenden Kosten für Reinigung, Wartung und Strom. Der Nachteil: Wer ein Auto mietet, kann sich im Gegensatz zum zentral organisierten Unternehmen Mobility nicht sicher sein, dass dieses auch sauber und anständig gewartet ist. «Das ist Sache der Besitzer», so Schröder.

Für den Pilotbetrieb ab Anfang 2014 sind 25 Standorte vorgesehen. Erste Verträge sind bereits abgeschlossen, das Interesse am Angebot gross. Sollte das Interesse das von EWZ, TCS, Migros und dem Bundesamt für Energie finanzierte Kontingent überschreiten, dürfen auch weitere Personen am Projekt «Emotion Zürich» mitmachen. «Allerdings ohne Rabatt», so Schröder.

Beschränkte Verfügbarkeit wegen Batterie

Beim etablierten Player Mobility zeigt man sich von der jungen Konkurrenz wenig beeindruckt. Auf den ersten Blick eigne sich das Elektroauto zwar ausgezeichnet für Carsharing, sagt Mobility-Sprecher Alain Barmettler. Denn die Autos stehen jederzeit am gleichen Parkplatz, wo die Batterien wieder aufgeladen werden können. Auch die durchschnittlich gefahrene Strecke liege weit unter der Reichweite heutiger Elektroautos. «Trotzdem schränkt die Ladezeit die Verfügbarkeit ein.»

Mobility betreibt eine eigene Elektro-Versuchsflotte. «Für den Betrieb der Elektrofahrzeuge rechnen wir Sperrzeiten ein, um einen ausreichenden Ladestand gewährleisten zu können», sagt Barmettler. Zwar können Mobility-Kunden den aktuellen Ladezustand der Batterien online abfragen. Was für kurzfristige Buchungen praktisch ist. Wer das Auto aber erst am nächsten Tag oder noch später braucht, hat keine Gewissheit über den Ladezustand, den es dann haben wird.

«Mobility hat 15 Jahre lang als Monopolist operiert»

Bei «Emotion Zürich» hat man diesbezüglich wenig Bedenken. Schnellladestationen der neusten Generation laden die Elektroautos innerhalb von 30 Minuten wieder vollständig auf, wie Thomas Schröder von M-Way versichert. Voraussichtlich komme man ohne Sperrzeiten aus.

Diese Prognose findet Conrad Wagner, Mobilitätsexperte und einstiger Mobility-Gründer, zwar «etwas sehr sportlich». Er begrüsst aber den Eintritt vom M-Way in den Carsharing-Markt. «Endlich tut sich etwas, Mobility hat jetzt 15 Jahre als Monopolist operiert und ist dementsprechend vorsichtig.» Wagner ist überzeugt, dass sich beim Carsharing in Grosstädten zeigen wird, ob Elektroautos die Zukunft sind. «Da haben sie die besten Chancen, weil der Kunden die teuren Batterien nicht kaufen muss.»

Auch Mobility rüstet bei Elektroautos auf

«Die Kunden haben noch immer Vorbehalte, was Reichweite und Handhabung angeht», sagt Barmettler von Mobility. Ein Problem, das jedoch mit jeder neuen Automobil-Generation kleiner wird. Mobility ersetzt deshalb seine 19 Think-City-Elektromobile – Zweiplätzer mit Plastikkarosserie – in den kommenden Wochen durch das Modell Renault Zoe, das auch M-Way einsetzt. Ein Auto mit 100 bis 200 Kilometern Reichweite, das bequem Platz für vier Personen bietet.

Dass Elektroautos bei Mobility erst einen Bruchteil der 2650 Fahrzeuge grossen Flotte ausmachen, hat auch damit zu tun, dass sie in der Gesamtkostenrechnung trotz des günstigen Treibstoffs Strom immer noch etwas schlechter abschneiden als vergleichbare benzinbetriebene Wagen. «Und da sind die Kosten für die Ladestationen noch nicht mit eingerechnet», sagt Barmettler.

Ja zu Carsharing, Nein zu Elektroautos

Walter Steinmann, der Direktor des Bundesamtes für Energie, gibt der Haltung von Mobility in der heutigen Ausgabe der «Aargauer Zeitung» recht. «Elektroautos, die erst 130 bis 150 Kilometer weit fahren können, sind nicht das höchste der Gefühle», sagt er. Diese hätten höchstens als Zweitauto eine Chance. «Aber wollen wir einen Zweitauto-Boom mit Steuergeldern fördern?»

Der Trend gehe vom Besitzen hin zum Nutzen, so der Energie-Direktor. Carsharing sei vielleicht der erste Weg dahin, dass die Menschen – gerade in Städten – Mobilität nutzen, statt sich mehrere Autos zuzulegen. «Die Städter brauchen deshalb mehr Zugang zu Mobilität über Carsharing», so Steinmann. Solche Konzepte gelte es zu fördern. Ein Glück für das Konzept M-Way, das so trotz aller Elektroauto-Skepsis von Bundesgeldern profitieren kann.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 14.08.2013, 11:00 Uhr)

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Conrad Wagner, Mobilitätsexperte und einstiger Gründer von Mobility: «Endlich tut sich etwas, Mobility hat jetzt 15 Jahre als Monopolist operiert und ist dementsprechend vorsichtig.» (Bild: zvg)

Walter Steinmann, Direktor des Bundesamtes für Energie: «Elektroautos, die erst 130 bis 150 Kilometer weit fahren können, sind nicht das höchste der Gefühle.» (Bild: Keystone Marcel Bieri)

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