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«Mike ist kein Monster»

Von Edgar Schuler . Aktualisiert am 20.12.2010

Im November wurde Mike B. als «Schläger von München» zu 7 Jahren Haft verurteilt. Jetzt reden erstmals die Eltern des heute 18-Jährigen.

«Er sitzt für etwas, was er nicht getan hat»: Die Eltern von Mike B. kritisieren das harte Urteil. (Bild: PD)

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In einem Interview, das die «Schweizer Illustrierte» am Montag veröffentlichte, erklären Mikes Eltern Jolanda und Antonio B., warum sie überzeugt sind, dass ihr Sohn zu hart bestraft wird. Er sei am versuchten Mord des Geschäftsmanns Wolfgang O. nicht beteiligt gewesen. Der Richter, der Mike im November zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt hatte, stützte sein Urteil laut den Eltern auf eine Aussage seines Mitangeklagten Benji D. und dessen Freund, der als Zeuge an dem Prozess in München aussagte.

Die Eltern messen diesen Aussagen keinen Erkenntniswert zu: «Alle Jugendlichen waren zum Tatzeitpunkt schwer alkoholisiert, haben grosse Erinnerungslücken.» Unabhängige Aussagen von erwachsenen Zeugen würden belegen, dass Mike diese Tat nicht begangen hat: «Daher ist das Urteil ungerecht, die sieben Jahre Haft zu viel.» Mike sei kein Monster: «Er sitzt für etwas, was er nicht getan hat. Mike hat nicht einem Menschen ins Gesicht getreten.»

2000 Euro für schwer verletzte Arbeitslose

Jolanda und Antonio B. räumen ein, dass ihr heute 18-jähriger Sohn vor anderthalb Jahren auf einer Reise mit seiner Klasse in München mehreren Arbeitslosen schwere Körperverletzungen zugefügt hat. «Als Mittäter ist er dafür zu Recht verurteilt.» Mike habe den Männern Briefe geschrieben und sich entschuldigt. Sie hätten als Eltern einen Täter-Opfer-Ausgleich unterschrieben und 2000 Euro bezahlt.

Die Eltern beschreiben Mike B. als sehr ordentlichen Jungen. Er habe sein Zimmer in aufgeräumtem Zustand hinterlassen, als er nach München gereist sei – so aufgeräumt, wie das Zimmer des Teenagers immer gewesen sei. «Er hat nie etwas verloren. Kein Handy, keinen Schlüssel, kein Geld.»

In Mikes Ordnungssinn steckt möglicherweise auch der Auslöser für den Ausraster in München: Kurz vor der Tat hatte Mike laut den Eltern sein Portemonnaie mit Ausweisen und 190 Euro Bargeld verloren. Die Schülergruppe vermutete, dass die Arbeitslosen im Nussbaumpark den Geldbeutel gestohlen hatten. Tatsächlich gab später einer der Arbeitslosen das Portemonnaie der Polizei – mit nur noch 20 Euro.

«Mike war nie aggressiv»

Mike spielte Eishockey bei den GCK Lions, trainierte abends fünfmal in der Woche in Oerlikon. Sonst habe er zurückgezogen gelebt, mit seinem Computer – und Schach gespielt. Ausgang hatte Mike nur am Freitag bis um 23 Uhr und am Samstag bis um 1 Uhr. Er habe sein Leben im Griff gehabt, sagen die Hausfrau Jolanda B. und ihr Mann Antonio, ein selbstständiger Heizungsmonteur. Zwei Monate nach der Tat von München hätte Mike eine Lehre als Logistiker in einem Autohaus beginnen können.

Dennoch war Mike wegen Körperverletzung vorbestraft. Laut den Eltern war Mike mit Kollegen in der S-Bahn auf dem Nachhauseweg von einem Massenbesäufnis, als er von einem Mitglied einer anderen Gruppe provoziert wurde. Mike schlug den Provokateur und brach ihm die Nase.

Er soll die Strafe in der Schweiz absitzen

Bisher haben Mikes Eltern, gebürtige Schweizer mit italienischen Wurzeln, für Anwalts- und Reisekosten rund 100'000 Franken bezahlt. «Unsere Ersparnisse sind aufgebraucht», sagt Antonio B. Die Eltern besuchen ihren Sohn alle zwei Wochen in der Untersuchungshaft. Trotz geringen Erfolgsaussichten haben die Eltern Revision gegen das Münchner Urteil eingelegt. Sie wünschen sich, dass er die Strafe in der Schweiz absitzen und eine Lehre machen kann. «Es wäre schön, wenn er nach der Haft eine faire Chance auf ein normales Leben bekommt.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.12.2010, 16:10 Uhr

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