Zürich

Milliardenloch bei der BVK: Regierung gibt dem Kantonsrat die Schuld

Aktualisiert am 15.11.2012

Der Zürcher Regierungsrat schiebt die Verantwortung für die fehlenden Milliarden in der BVK-Rechnung weit von sich. Schuld seien politische Entscheidungen, die das Kantonsparlament gefällt habe.

Wies bereits im Oktober den PUK-Bericht zum BVK-Debakel von sich: Finanzvorsteherin Ursula Gut. (2. Oktober 2012)

Wies bereits im Oktober den PUK-Bericht zum BVK-Debakel von sich: Finanzvorsteherin Ursula Gut. (2. Oktober 2012)
Bild: Walter Bieri/Keystone

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Auf 16 Seiten hat der Regierungsrat heute Stellung genommen zum Milliardenloch der Pensionskasse BVK. Darin sieht er die Verantwortung vorwiegend beim Kantonsrat. Der im Oktober veröffentlichte PUK-Bericht machte für das Pensionskassen-Debakel einen ganz anderen Hauptschuldigen verantwortlich: den Regierungsrat. Er habe es verpasst, die BVK den neuen gesetzlichen Strukturen und Bedingungen für Pensionskassen anzupassen. Zudem sei er seinen Führungs- und Kontrollaufgaben nicht nachgekommen.

Der Regierungsrat reagierte gleichentags und lehnte die Hauptverantwortung am Milliardenloch ab. In einer am Donnerstag veröffentlichen Stellungnahme legt er nun ausführlich dar, wer seiner Ansicht nach der tatsächliche Hauptschuldige sei.

«Die bestehende Unterdeckung ist im Wesentlichen durch politische Entscheidungen zustande gekommen - nicht durch rechtswidrige Handlungen des ehemaligen Anlagechefs oder durch eine falsche Anlagestrategie», schreibt er.

Kantonsrat segnete die Jahresrechnungen ab

Gemeint sind damit die Beitragssenkungen, Beitragspausen und Teuerungszulagen an Rentnerinnen und Rentner. Beschlossen wurden sie Ende der 1990er-Jahre, als die BVK noch einen Deckungsgrad von 130 Prozent aufwies.

Im Nachhinein hätten sich diese Entscheidungen zwar als nicht nachhaltig erwiesen, sie könnten aber nicht allein dem Regierungsrat vorgeworfen werden. Gutgeheissen habe sie der Kantonsrat. Er sei es auch gewesen, der die Jahresrechnungen der BVK jeweils abgesegnet habe.

Kritik übt der Regierungsrat auch an der kantonsrätlichen Finanzkommission und deren Subkommission. Der PUK-Bericht begnüge sich mit der zurückhaltenden Feststellung, dass die Oberaufsicht in den Jahren 2006 und 2007 «nicht optimal» gewesen sei. Wie der Regierungsrat schreibt, wäre hier «eine kritischere Auseinandersetzung wünschbar gewesen».

Alle ausser der FDP teilen Meinung der PUK

Mit diesem Weiterreichen des schwarzen Peters an den Kantonsrat dürfte für die Parlamentsdebatte am 26. November ausreichend Gesprächsstoff vorliegen.

An diesem Tag wird der Kantonsrat über den PUK-Bericht und damit auch über die Reaktion des Regierungsrates debattieren. Die Ratsleitung schätzt, dass die Diskussion mehrere Stunden dauern und allenfalls am Nachmittag fortgesetzt wird.

Die Gewerkschaft vpod, welche die Verwaltungsangestellten vertritt, reagierte am Donnerstag empört auf die Haltung des Regierungsrates. Der Regierungsrat verhalte sich wie ein Angeklagter, der versuche, sich in der Verantwortungskette möglichst klein zu machen.

Ausser der FDP seien alle kantonalen Parteien ebenfalls zum Schluss gelangt, dass der Regierungsrat die Hauptverantwortung trage, schreibt der vpod. Er erwartet deshalb vom Kantonsrat, dass er von allen Regierungsräten eine Verjährungsverzichts-Erklärung einholt. (ep/sda)

Erstellt: 15.11.2012, 14:17 Uhr

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