Zürich
Minelli verbucht hohe Geldbeträge als «Zustupf»
Artikel zum Thema
- Minelli ging wegen Busse bis vor Bundesgericht – und siegte
- Dignitas: Massiver Rückgang bei Sterbewilligen
- Dignitas soll letzten Willen einer Toten missachtet haben
Ludwig A. Minelli: Mit Dignitas zum Millionär? (Bild: Keystone )
Stichworte
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an
4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Die Sterbehilfe-Organisation Dignitas steht seit Jahren in der Kritik - auch weil ihr umstrittener Chef, Ludwig A. Minelli, keinen Einblick in die Buchhaltung des Vereins gewährt. Gerade dies, sagen die Kritiker, sei aber unerlässlich bei einer Organisation, die Menschen in den Tod begleitet und dies gemäss Gesetz nur ohne selbstsüchtige Beweggründe tun darf. Das Steueramt hat Einblick in die Zahlen - allerdings erst seit 2007, nachdem sich Minelli erfolglos gewehrt hatte.
Nicht alles fliesst zu Dignitas
Dem «Beobachter» liegen nun Buchhaltungsauszüge vor, die belegen sollen, dass Dignitas neben den Zahlungen für die eigentliche Sterbebegleitung (laut Dignitas-Statuten kostet eine solche 7500 Franken) weiteres Geld zufliesst - und das in beträchtlicher Höhe. Immer wieder überweisen Sterbewillige laut der Zeitschrift fünfstellige Beträge auf das Konto des Vereins. Teilweise würden die Zuwendungen 100'000 Franken sogar übersteigen. Minelli habe dieses Geld als «Zustupf» verbucht, schreibt der «Beobachter». Hinzu kommt: Nicht alles Geld fliesst direkt zu Dignitas. Sterbewillige hätten auch Einzahlungsscheine für ein Konto erhalten, das auf Minellis Namen laute.
Minelli schweigt sich dazu aus. Er verweist wiederholt darauf, dass sämtliche Strafuntersuchungen gegen Dignitas und mit dem Verein verbundene Personen hätten eingestellt werden müssen.
Von Null auf 2 Millionen
Aber: Minellis steuerbares Einkommen und Vermögen beliefen sich 1998, als der Verein Dignitas gegründet wurde, auf null Franken. 2007 habe der Dignitas-Chef sein Einkommen dann mit 162'200 Franken und das steuerbares Vermögen mit 1'998'000 Franken angegeben, wie der «Beobachter» aufführt: ein Vermögensanstieg von knapp zwei Millionen Franken innert zehn Jahren.
Millionär Minelli will die Zahlen nicht kommentieren. Der «Beobachter» zitiert indes eine Treuhandfirma, die Minelli bestätigt, dass «die ausserordentlichen Vermögenszunahmen in den Jahren 2001 und 2004 mit dem Erbanfall nach dem Tode Ihrer Mutter begründet» seien. Ein weiterer Vermögenszuwachs von 611'000 Franken im Jahr 2005 sei erklärbar mit «einer einkommensneutralen Erhöhung des steuerlichen Verkehrswerts einer Liegenschaft». Recherchen des «Beobachters» zeigen aber, dass die Bewohner in Minellis Liegenschaft offenbar seit Jahren die gleiche Miete zahlen.
Von 2005 bis 2007 ist Minellis Vermögen erneut gestiegen - um 617'000 Franken. Über die Gründe dafür schweigt Minelli laut «Beobachter» ebenfalls. Er verspricht aber, die Buchhaltung von Dignitas nächstens zu publizieren. Allerdings wiederholt er dieses Versprechen seit Jahren. Die Arbeiten seien «weit gediehen», wird er dieses Mal zitiert. Die Suche nach einer sicheren Unterkunft für Dignitas habe die Arbeiten verzögert. (cim)
Erstellt: 25.06.2010, 10:24 Uhr


