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Missionieren in der S-Bahn

Von Christoph Landolt. Aktualisiert am 01.11.2010 17 Kommentare

Immer wieder verteilen Evangelikale in den Sitzabteilen christliche Traktate. Die SBB drohen mit Strafanzeige – die S-Bahn-Missionare sind aber nicht zu fassen.

Das Deckblatt ist harmlos: «Freundes-Dienst»-Traktat.

Das Deckblatt ist harmlos: «Freundes-Dienst»-Traktat.

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Die Broschüre mit dem harmlosen Titel «Beziehungsprobleme» ist kein psychologischer Ratgeber, sondern ein Traktat. Die Botschaft ist bedrohlich: «Er weiss um alle unsere Sünden und unser verkehrtes Wesen. Fliehe nicht vor ihm!» Und will man dem Machwerk Glauben schenken, drängt die Zeit: «Gott erwartet heute Deine Antwort. (...) Es könnte morgen schon zu spät dafür sein.»

Mit Broschüren wie diesen gehen Evangelikale auf Gläubigenfang. Immer wieder werden die Traktate auch in den Zügen der Zürcher S-Bahn verteilt, in jedem Abteil ein Exemplar. Dass die Züge von christlichen Missionaren als Werbefläche benutzt werden, missfällt den SBB: «Viele Passagiere fühlen sich dadurch belästigt», erklärt Mediensprecher Daniele Pallecchi. Für Verteilaktionen im Zug brauche es eine Bewilligung, und diese würde in der Regel nicht erteilt. Deshalb verstosse das Vorgehen der Missionare gegen die Zugordnung. «Wir werden allenfalls Strafanzeige erstatten.»

Stiftung weist Schuld von sich

Bisher haben die SBB aber noch niemanden auf frischer Tat ertappt. Und um Anzeige gegen den Urheber der Traktate einzureichen, fehlt die Rechtsgrundlage. Das Missionswerk Freundes-Dienst, das als Absenderadresse aufgeführt ist, distanziert sich nämlich vom Guerilla-Marketing: «Wir weisen unsere Verteiler darauf hin, dass sie sich an die Gepflogenheiten halten müssen», erklärt Samuel J. Schmid, der Leiter der Stiftung.

Es gäbe «hin und wieder» Reklamationen, weil in Warenhäusern, Parkhäusern oder Zügen verteilt würden. Das sei aber «absolut falsch», beteuert Schmid gegenüber Tagesanzeiger.ch. Freundes-Dienst wolle das Evangelium anbieten und nicht aufdrängen. Dass er sich mit dem massenhaften Druck und Gratisversand der Traktate mitverantwortlich macht, sieht Schmid nicht. «Natürlich begünstigen wir damit, dass das Evangelium die Leute erreicht. Aber man kann mit jedem Produkt Missbrauch betreiben.» Am Besten, so Schmid, würde das Wort Gottes sowieso im persönlichen Gespräch verbreitet. Das sei auch «im Rahmen einer Begegnung» im Zug möglich. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.11.2010, 15:26 Uhr

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17 Kommentare

Heidi Meier

01.11.2010, 21:58 Uhr
Melden 3 Empfehlung

So schön mal etwas anderes als die gratis Zeitungen die nichts anderes als Hirnwäsche für Pendler sind. Ich würde mich mehr über gedanklich anregenden Lesestoff freuen. So richtige Anstösse zum denken, nicht billige Meinungsmache. Antworten


Peter Gruber

01.11.2010, 16:46 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Ach, die Evangeliker sind doch harmlos. Wer die Ernst nimmt ist doch selber schuld. Freuen Sie sich darüber, dass Sie jemand angesprochen hat über den Sie sich nachher bei Ihren Kollegen lustig machen können. Wenigstens glaubt dieses verbissene Grüppchen an etwas. Eigentlich bin ich sogar ein bisschen neidisch. Ich habe nur mein fliegendes Spagghetti Monster. Antworten



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