Mit Faustschlag einen 82-Jährigen getötet

Ein Velofahrer wird wegen fahrlässiger Tötung und einfacher Körperverletzung angeklagt. Ein Streit wegen eines Velofahrverbots mündete in Tätlichkeiten.

Streit eskalierte: Ein Kreuz erinnerte am Glattuferweg an den Verstorbenen. (Bild: Stefan Hohler / Tages-Anzeiger)

Streit eskalierte: Ein Kreuz erinnerte am Glattuferweg an den Verstorbenen. (Bild: Stefan Hohler / Tages-Anzeiger)

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«Im Gedenken an Herrn C., der sterben musste, weil er zwei Velofahrer darauf aufmerksam machte, dass hier kein Radweg ist.» Dieser Satz stand nach dem Tod eines 82-jährigen Rentners auf dem Kreuz, das an einen Baum am Glattuferweg genagelt worden war. Am 20. April 2011, morgens kurz vor 7 Uhr, war der 82-jährige pensionierte Maurer wie immer mit seinem Pudel auf dem Glattuferweg in Dübendorf unterwegs, als sich ein Velofahrer näherte.

Der Rentner, der sich immer wieder über die Velofahrer ärgerte, die verbotenerweise auf dem Fussgängerweg fuhren, wechselte auf die rechte Wegseite – dorthin, wo auch der Velofahrer fuhr. Dieser querte nach links, was auch der Rentner machte. Als der heute 49-jährige Velofahrer auf Höhe des Fussgängers war, schlug dieser mit einem Stock gegen den Arm des Zweiradfahrers. Laut Anklage ohne den Mann zu verletzen oder ihm Schmerzen zuzufügen.

Der Velofahrer hielt an, legte sein Fahrrad auf den Boden und begann mit dem Rentner zu schimpfen. Der Streit eskalierte, und der Velofahrer schlug dem Rentner mit der Faust seitlich ins Gesicht. Der 82-Jährige ging zu Boden, stand aber gleich wieder auf. Als ein weiterer Velofahrer dazukam und sich zwischen die beiden streitenden Männer stellte, fuhr der Schläger weg.

Opfer starb an Hirnblutung

Der Rentner ging nach Hause. Im Verlaufe des Tages verschlechterte sich sein Zustand, und er musste notfallmässig ins Spital eingeliefert werden. Vier Tage später starb er an den Folgen einer Hirnblutung. Die Kantonspolizei veröffentlichte einen Zeugenaufruf, worauf sich der gewalttätige Velofahrer stellte. Es handelt sich um einen Devisenhändler einer Grossbank, der in der weiteren Umgebung wohnt. Er wurde zwei Tage in Untersuchungshaft gesetzt. Der Mann ist grundsätzlich geständig. Der zweite Velofahrer meldete sich nicht.

Der Banker muss sich demnächst vor dem Bezirksgericht Uster wegen einfacher Körperverletzung und fahrlässiger Tötung verantworten. Der Faustschlag hatte beim Rentner eine Hirnblutung verursacht. Die Staatsanwältin wirft dem Beschuldigten vor, dass ein Faustschlag gegen den Kopf einer betagten Person schwerste Verletzungen (tödliches Schädel-Hirn-Trauma, Hirnblutung) hervorrufen könne. Dies sei Allgemeinwissen. Der eigentliche Faustschlag, der ohne Hirnblutung nicht lebensgefährlich gewesen wäre, wird als einfache Körperverletzung taxiert. Die Staatsanwältin hat die Anklage Anfang Oktober eingereicht, ein Prozesstermin ist noch nicht bekannt. Sie wird ihren Strafantrag an der Verhandlung nennen.

«Mein Mann fehlt mir überall»

Das Opfer war ein Fussballfan, der jahrelang im FC Brüttisellen spielte. Mit seiner Frau amtete er als Platzwart und betrieb den Clubkiosk. Er sei noch sehr fit gewesen und habe sich um alles gekümmert, sagt seine Witwe. Ihr Mann fehle ihr überall. Sie könne allein nicht aus dem Haus, zum Glück würden die Töchter täglich nach ihr schauen, sodass sie nicht ins Altersheim müsse. Dass ihr Mann so plötzlich aus dem Leben gerissen wurde, kann sie bis heute nicht verstehen.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 03.11.2012, 16:26 Uhr)

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