Zürich

Mit Prostituierten auf Stimmenfang

Von Benno Gasser. Aktualisiert am 22.02.2012 2 Kommentare

Déjà-vu in Zürich und Dietikon: Es wird mit Plakaten geworben, die zwar nicht dieselben Ziele verfolgen, aber fast identische Motive verwenden.

Pro-Strichplatz in Zürich: Ausschnitt aus dem Plakat, mit dem links-grüne bis bürgerliche Politiker werben.

Die einen wollen ihn, die anderen fürchten ihn: Plakat gegen den geplanten Gestaltungsplan in Dietikon. (Bild: PD)

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Mit dem Bild von Strassenprostituierten lässt sich offenbar vortrefflich ein Abstimmungskampf führen. Den Reigen eröffnete Ende Januar das Stadtzürcher Pro-Komitee, das sich für den Strichplatz in Altstetten einsetzt. Auf dessen Werbeplakat ist eine blonde Prostituierte im roten Minikleid und langen Stilettos zu sehen. Mit ihren Unterarmen stützt sie sich auf eine Autotüre, in aufreizender Pose beugt sie sich zum Freier, der am Steuer sitzt.

Wer dieser Tage durch Dietikon fährt, erlebt ein Déjà-vu. Erneut ist eine Strassenprostituierte auf einem Plakat abgebildet, die sich mit einem im Auto sitzenden potenziellen Kunden unterhält. Doch diesmal trägt die Dame ein schwarzes Minikleid. Und auf dem Plakat ist kein «Ja», sondern ein «Nein» zu lesen. Während das Zürcher Komitee mit dem Plakat für «mehr Sicherheit und Ordnung» wirbt und «klare Verhältnisse für ein uraltes Gewerbe» schaffen will, fragt man sich in Dietikon: «Noch mehr Verkehr in der Silbern?»

Verkehr im doppelten Sinn

Silbern ist ein Industriegebiet, das vor allem an den Wochenenden wegen der zahlreichen Megastores unter einer grossen Verkehrslast leidet. Mit einem neuen Gestaltungsplan soll der Autoverkehr besser kanalisiert und der öffentliche Verkehr gefördert werden. Dank des Gestaltungsplans könne sich auch das Sexgewerbe ausbreiten, weil eine solche Nutzung in den Häusern eines geplanten Boulevards erlaubt sei, kritisieren die Gegner. Doch warum zeigen sie eine Prostituierte, die auf der Strasse arbeitet? Das Bild sei nicht realistisch, sondern habe Symbolcharakter, sagt Peter Hasler vom Nein-Komitee. Man wolle einfach verhindern, dass in der Silbern eine Sexmeile entstehe. In Zürich ist eine solche Meile in Form des Strichplatzes hingegen gerade das Ziel.

Das Bild einer Strassenprostituierten auf einem Abstimmungsplakat zu zeigen, war zumindest beim Zürcher Komitee umstritten. Das Motiv habe im Vorfeld lange Gespräche ausgelöst, doch auf eine bessere Alternative sei man nicht gekommen, sagt die grüne Gemeinderätin Fabienne Vocat. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.02.2012, 10:16 Uhr

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2 Kommentare

Klaus Schweizer

22.02.2012, 11:13 Uhr
Melden 13 Empfehlung

Na ja. Mit einem Bild der "Verrichtungsboxen" liesse sich ja wohl auch kaum eine Abstimmung gewinnen. Da schrecken sogar die politisch so korrekten Linken und Grünen nicht vor sexistischen Motiven zurück. Es ist zum Brüllen!
Die genormten "Verrichtungsboxen" sind ohnehin irgendwie so eigenartig wie ihr Name. Ein wenig abtörnend wie verordnetes Heroin, ein wenig abschrecked wie ein Beichtstuhl.
Antworten


Eugen Fischer

22.02.2012, 19:37 Uhr
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Schön nach allen Richtlinien der Propensität, den urbanen Raum demontieren, mit niedrigen Motiven für die Stigmatisierung, aber ohen echte Leidenschaften gegen das was eigentlich für jeder normalen Bürger als "NORMAL" sein sollte. Sogar in der Inquisitation war dies doch schon im Mittelalter eingeliebtes ausgelebte dillema. Schön wenn das Mittelalter heute Einzug inne halten will! Antworten



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