Mit blutigen Bildern gegen das Passivrauchen

Die Lungenliga startet mit einer neuen Kampagne die Endphase des Abstimmungskampfes. Provokative Bilder von Erschossenen sollen zeigen, dass auch Passivrauchen tötet.

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In den kommenden drei Wochen werden Passanten in Zürich auf Plakate stossen, die Bilder von erschossenen Restaurantbesuchern zeigen. «Auch Passivrauchen tötet», steht in grossen Lettern darauf. Es ist die aktuelle Präventionskampagne der Lungenliga Zürich. Mit diesen Bildern will sie auf die Lungenkrankheit COPD (chronic obstructive pulmonary disease) aufmerksam machen und gleichzeitig für die Initiative zum Schutz vor Passivrauchen in Gastronomiebetrieben werben, über die am 28. September abgestimmt wird.

Wo liegt der Zusammenhang?

Beim Anblick der Bilder stellt sich die Frage, worin der Zusammenhang zwischen erschossenen Mafia-Opfern der 20er- und 30er-Jahre und den Gefahren von Passivrauch besteht? «Der Zusammenhang liegt darin, dass in beiden Fällen im Restaurant eine tödliche Gefahr lauert», erklärt Lungenliga-Geschäftsführer Robert Zuber auf Anfrage. «Natürlich stirbt man durch Rauchen oder Passivrauch langsamer als durch Erschiessen. Aber wie soll man sonst den langsamen Tod durch COPD abbilden?»

Mit der Kampagne wolle man primär provozieren und dadurch vor allem junge Menschen ansprechen. «Jugendliche werden von der Tabakindustrie besonders stark angesprochen und gerade sie sind durch die Medien abgehärtet», so Zuber, «wir müssen dramatische Bilder zeigen, damit die Jugendlichen überhaupt hinschauen. Die Plakate sollen aufrütteln.»

«Todesdrohungen verschliessen die Augen»

«Werbung mit Toten ist immer höchst problematisch. Sie ist nur vertretbar, wenn ein direkter Zusammenhang ersichtlich ist. Das ist hier absolut nicht der Fall», meint Frank Bodin, CEO der Werbeagentur Euro RSCG. «Die Analogie ist plump. Mafia und Passivrauch hat überhaupt nichts mit einander zu tun, daher finde ich das Sujet total daneben.»

Bodin beobachtet eine zunehmende Tendenz hin zur Radikalisierung in der Werbung: «Das ist sehr unsympathisch und kommt bei den Leuten nicht gut an.» Wenn man mit Werbung zum Nachdenken und Handeln anregen wolle, so sei das mit Charme und Augenzwinkern eher zu erreichen als mit abstossenden Botschaften und moralischen Fingerzeigen. «Todesdrohungen verschliessen den Menschen die Augen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.09.2008, 15:50 Uhr

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