Zürich
«Mörgeli treibt ein Spiel mit der Universität»
Von Tina Fassbind. Aktualisiert am 16.11.2012 212 Kommentare
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Die Universität Zürich sucht einen neuen Rektor. Der Nachfolger des zurücktretenden Stelleninhabers Andreas Fischer soll «eine aufgeschlossene, entscheidungsfreudige Persönlichkeit» mit «erstklassigem akademischem Leistungsausweis» und «partizipativem Führungsstil» sein.
Bis heute Freitag, 16. November, hatten Interessenten Zeit, sich um die Stelle zu bewerben. Unter den Aspiranten befindet sich auch SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli.
«Jeder kann sich bewerben»
Mörgelis Schritt sorgt unter Politikern für Erstaunen und Unverständnis, denn er wurde erst im September von der Universität entlassen und musste sein Pult als Oberassistent und Kurator des Medizinhistorischen Museums der Uni räumen. Ein Kündigungsverfahren, das noch immer nicht abgeschlossen ist. Gleich zwei Rekurse hat Mörgelis Anwalt gegen die Entlassung eingereicht.
Nun will der SVP-Mann also die Nachfolge jenes Mannes antreten, der ihn entlassen hat. «Dieser Schritt überrascht mich. Aber die Stelle wurde öffentlich ausgeschrieben. Jeder kann sich dafür bewerben», sagt CVP-Nationalrätin und Universitätsratsmitglied Kathy Riklin gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Ob allerdings Christoph Mörgeli dem Anforderungsprofil entspricht, muss die zuständige Findungskommission beurteilen.»
Gefährliche «Verpolitisierung» der Uni
Deutlichere Worte findet Moritz Spillmann, Vizepräsident der SP Kanton Zürich und Mitglied der Kommission für Bildung und Kultur (KBIK) des Zürcher Kantonsrates. «Es ist beelendend, dass Christoph Mörgeli seine persönlichen Interessen über jene der Universität stellt. Er treibt ein politisches Spiel mit der Universität und will sie ins Lächerliche ziehen», kritisiert er auf Anfrage.
Ein ehemaliger Mitarbeiter, dessen Leistungen als ungenügend bezeichnet wurden und der wegen Illoyalität entlassen wurde, könne die Universität nicht führen. «Seine Chancen sind gleich null», ist er überzeugt, «aber darum geht es ihm auch nicht. Er will, dass man über die Angelegenheit redet. Das führt zu einer Verpolitisierung der Universität– und das ist gefährlich für diese Institution.» Dass Mörgeli so auf seine «unrühmliche Entlassung» reagiere, gehe absolut nicht. «Er darf die Universität nicht politisch missbrauchen.»
Mörgeli als «Kompensation für Aepplis Linkslastigkeit»
Mörgelis Parteikollege und ebenfalls KBIK-Mitglied Claudio Zanetti fände es hingegen «eine gute Sache», wenn Mörgeli Universitätsrektor würde. «Er könnte die Linkslastigkeit der Bildungsdirektorin Regine Aeppli kompensieren. Sie hat absolut kein Kostenbewusstsein», hält er fest.
«Wenn es um Christoph Mörgeli geht, ist immer alles politisch. Wenn er also nicht in dieses Amt gewählt würde, dann wäre auch das in erster Linie ein politischer Entscheid, denn an seinen Fähigkeiten kann es bestimmt nicht liegen», ist Zanetti überzeugt. Seiner Ansicht nach wäre es zudem verfehlt, die bisherigen Geschehnisse an der Uni in dieses Auswahlverfahren einfliessen zu lassen, denn «Mörgeli hatte bisher eine völlig andere Funktion an der Universität».
Wahlentscheid des Universitätsrates im Sommer 2013
Ob Mörgelis Entlassung von der Universität ein politisches Nachspiel hat, ist noch nicht entschieden. In der kantonsrätlichen Aufsichtskommission Bildung und Gesundheit (ABG), die möglicherweise nach Vorliegen der Ergebnisse der Rechtsverfahren zur Entlassung eine aufsichtsrechtliche Untersuchung zu dem Fall einleiten wird, hüllt man sich deshalb zur neusten Entwicklung in der Causa Mörgeli in Schweigen. «Ich muss unbefangen bleiben», erklärt ABG-Präsident Hans-Peter Portmann, «denn die Fragen rund um den Fall sind voraussichtlich früher oder später wieder Thema in meiner Aufsichtskommission.»
Wie viele Kandidaten sich neben Christoph Mörgeli bis zum heutigen Stichtag um die Rektorenstelle beworben haben, wird von der Universität nicht kommuniziert. Als Nächstes wird die Findungskommission die Kandidatinnen und Kandidaten prüfen und möglicherweise anhören. «Das detaillierte Prozedere ist noch offen», so Sebastian Brändli, Amtschef Hochschulamt der Bildungsdirektion Kanton Zürich. Im Verfahren werde auch der Universitätssenat, die Versammlung aller Professorinnen und Professoren, angehört. «Er ist auch berechtigt, selber Kandidaten vorzuschlagen», so Brändli weiter. «Ziel ist es, im Sommer 2013 den Wahlentscheid des Universitätsrates zu erwirken.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.11.2012, 12:23 Uhr
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