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Mordfall Höngg: Schlupfhuus-Leiterin weist Vorwürfe zurück

Von Maria Rodriguez. Aktualisiert am 17.05.2010

Der Freund der ermordeten 16-Jährigen behauptet, man habe ihnen beim Schlupfhuus nicht geholfen. Nun nimmt die Leiterin der Anlaufstelle für Jugendliche Stellung.

Zürcher Schlupfhuus: Wegen des Umbaus ist es vorübergehend in Wetzikon stationiert.

Zürcher Schlupfhuus: Wegen des Umbaus ist es vorübergehend in Wetzikon stationiert.
Bild: Steffen Schmidt/Keystone

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Das Schlupfhuus

Das Schlupfhuus ist eine Kriseninterventionsstelle für Kinder und Jugendliche. Es gehört zu den zehn kantonal anerkannten Opferhilfeberatungsstellen.

Es bietet Jugendlichen in Not telefonische und persönliche Beratung an. In dringenden Fällen stehen den Jugendlichen elf Wohnplätze zur Verfügung, die zeitlich begrenzt sind.

Das Schlupfhuus wird seit Juni 1980 vom gleichnamigen Verein betrieben. Der Verein ist privat und gemeinnützig organisiert.

Die Finanzierung erfolgt über Spenden und staatliche Beiträge. Auch die Stadt und der Kanton Zürich unterstützen die Institution mit einem jährlichen Beitrag.

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Der 18-jährige Louis, Freund der in Höngg ermordeten Swera, kritisiert nicht nur die Polizei. Auch vom Schlupfhuus sieht er sich im Stich gelassen. Nachdem seine 16-jährige Freundin, die von ihrem Vater geschlagen worden sei, von zu Hause ausgerissen war, hätten die beiden Verliebten beim Schlupfhuus Hilfe gesucht.

Die Räumlichkeiten sind im Umbau, deshalb wählten Louis und Swera die Nummer des Sorgentelefons: «Ein Mitarbeiter hat uns gesagt, dass es mindestens eine Woche dauert, bis er für uns was tun kann – wegen der Anmeldung. (…) Ein Schlupfhuus ist doch da, dass man dort sofort Hilfe bekommt», beschwert sich Louis im «Blick».

Im Notfall wird «sofort reagiert»

Die Geschäftsleiterin des Schlupfhuus, Verena Kocher, bedauert den tragischen Vorfall. Dass ein Schlupfhuus-Mitarbeiter auf einen Platz in einer Woche verweise, könne so aber nicht stimmen: «Wir bieten nie Plätze im Voraus an. Wenn es sich um einen Notfall handelt, dass heisst wir hören, ein Jugendlicher wird geschlagen und hat Angst, reagieren wir sofort und raten sogar, ein Taxi zu uns zu nehmen.» Dass bei Swera dies nicht der Fall war, kann sich Kocher nur damit erklären, dass die Tragweite ihrer Situation nicht klar kommuniziert wurde. Der Fall Swera werde morgen an einer Teamsitzung diskutiert. Zurzeit ist Kocher nicht bekannt, ob und welcher Schlupfhuus-Mitarbeiter mit Swera oder ihrem Freund telefonischen Kontakt hatte.

Trotz Umbaus gleicher Service

Auch die Vorwürfe, man sei wegen des Umbaus der Räumlichkeiten in Zürich, nicht erreichbar, lässt Kocher nicht gelten. Dass das Schlupfhuus bis Mitte Juli umgebaut wird, stimme. Die entsprechenden Telefonnummern seien an der Türe klar ersichtlich. Trotzdem sei der Service genau derselbe. Telefonische Hilfe für Jugendliche in Not werde rund um die Uhr angeboten. Der stationäre Bereich und die Verwaltung seien nach Wetzikon verlegt worden. Doch auch hier stünden drei Not- und acht stationäre Plätze zur Verfügung, sagt Kocher: «Sollten wir keinen freien Platz haben, schlagen wir Alternativen vor, wie zum Beispiel das Mädchenhaus.»

Dass der Fall Höngg im Tod der 16-jährigen Swera endet, bezeichnet Kocher als «Desaster». Einmal mehr habe man irgendwo die Brisanz des Falles nicht ernst genommen. Ohne eine abschliessende Erklärung zu finden betont die Geschäftsleiterin des Schlupfhuus: «Dass es zwischen den Behörden, wie dem Sozialamt und er Polizei, keine gemeinsame Datenbank gibt, ist aber sicher nicht hilfreich.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.05.2010, 13:54 Uhr

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