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Muslimischer Sympathieträger und Torschütze

Von Michael Meier. Aktualisiert am 26.04.2010

Sakib Halilovic - der bosnische Imam aus Schlieren steht heute für den FC Religionen auf dem Feld.

Muslimischer Sympathieträger: Sakib Halilovic.

Muslimischer Sympathieträger: Sakib Halilovic.

Mittelfeldspieler Sakib Halilovic strotzt vor Zuversicht. Schliesslich hat der Imam der Bosnier von Schlieren vor zwei Jahren für den FC Religionen gegen den FC Nationalrat das sechste und letzte Tor geschossen – zum glorreichen 6:1 der Geistlichen über die Parlamentarier. Heute um 18 Uhr wird Halilovic – wiederum mit anderen Imamen, Rabbinern, reformierten und katholischen Pfarrern – gegen eine Fifa-Auswahl antreten, zu der so renommierte ehemalige Internationale wie Jean-Paul Brigger und Prisca Steinegger gehören.

Andy Egli als Coach

Gecoacht wird die geistliche Elf von Trainer Andy Egli. In der Überzeugung, dass Fussball auch Religionen verbindet, hatten die Kirchen zur Euro 08 den FC Religionen lanciert.

Der FC Religionen tritt unter dem Patronat des Schweizerischen Rates der Religionen auf und will auf dem Fussballfeld ein interreligiöses Zeichen setzen. Eine Fussballmannschaft allein aus Religionsvertretern sei einmalig in der Welt, schwärmt Sakib Halilovic. Klar, dass er, der seit Kindesbeinen fussballbegeistert ist, heute Abend im «Home of Fifa» mit dabei ist – angefeuert von seiner Frau und den zwei jüngsten Söhnen.

Für den Imam ist das Spiel zudem ein wichtiges Zeichen an die Öffentlichkeit. «Wir sind in der multireligiösen Gesellschaft überall zusammen. Warum sollen die Amtsträger der Religionsgemeinschaften nicht miteinander Fussball spielen?» Der eingebürgerte Bosnier, der 1992 in die Schweiz kam, um die religiöse Gemeinschaft der Bosnier hier aufzubauen, gehört mittlerweile zu den muslimischen Sympathieträgern in unserem Land. An fast allen interreligiösen Events trifft man auf den offenen, freundlichen Mann.

Predigen auf Deutsch

Er selber versteht sich als normalen Imam, was für ihn «liberal, pragmatisch und bereit für neue Herausforderungen» bedeutet. Der 44-Jährige, der sein Studium in Sarajevo absolviert hat, predigt am Freitagsgebet in der Schlieremer Moschee auch auf Deutsch.

Den Koran liest er im Kontext der heutigen Zeit. Schliesslich leben wir heute in einer anderen Welt als zur Zeit der Entstehung der Heiligen Schriften.

Seine Tochter, wenn er denn eine hätte, würde er bedenkenlos in den Schwimmunterricht schicken, versichert der Vater von fünf Söhnen. Seiner Meinung nach soll auch jede Muslimin die Freiheit haben, das Kopftuch zu tragen oder nicht. Er findet es falsch, den Schleier nur aus religiöser Perspektive zu beurteilen. Für ihn ist das Kopftuchtragen in erster Linie eine Frage der Freiheit, also der Menschenrechte, die er ohne Abstriche einfordert.

Image der Schweiz hat gelitten

Das eidgenössische Ja zum Minarettverbot hat für den Imam den Alltag und das Zusammenleben mit den Einheimischen nicht schwieriger gemacht. Die Schweizer hätten nicht Mühe mit den hiesigen Muslimen. Sie hätten diese vielmehr für gewisse globale Ereignisse bestraft. Der grösste Verlust ist für ihn, dass er nicht mehr mit Stolz von der Schweiz sprechen kann. «Schade, dass wir das wunderschöne Bild der Schweiz verloren haben.»

Halilovic spricht vom bösen Geist, den jeder selber überwinden müsse. Erst dann könne man sich zusammen unterhalten, etwas unternehmen, zusammen Fussball spielen. Er freut sich auf das grosse Stelldichein der Religionen heute Abend, zu dem auch deren Spitzenvertreter erwartet werden. Mit Absicht hat er die Sitzung der 13 bosnischen Imame in der Schweiz auf heute Montag in Zürich anberaumt. Damit sie den Fifa-Hauptsitz besichtigen können, und natürlich auch, damit sie den Imam von Schlieren zum Toreschiessen antreiben werden.

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Erstellt: 25.04.2010, 20:51 Uhr

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