Mutter im Fall Winterthur: «G. war schon früher aggressiv gegenüber mir und meinem Kind»

Aktualisiert am 08.03.2010

Zum ersten Mal begibt sich die Mutter des getöteten 4-Jährigen vor die Medien. Sie fordert eine lückenlose Aufklärung des tragischen Falles.

Erstes Interview der Mutter im Fall Winterthur: Dass ihr Ex-Freund den gemeinsamen Sohn tötete, erstaunte sie nicht. (Video: Maria Rodriguez)

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Einen Tag vor dem Geburtstag wurde der vierjährige F. von seinem Vater getötet. Heute Montag, knapp zwei Wochen nach der Tat, tritt die Mutter des Buben erstmals vor die Medien. Gefasst, aber in tiefer Trauer, gibt sie Auskunft über ihr gemeinsames Vorleben mit dem vorbestraften Vater G.

Die ersten zwei Jahre der Beziehung wusste die Brasilianerin nichts über die Vergangenheit von G., wie sie sagt. «Nach und nach erfuhr ich aber, dass er vorbestraft war.» Sie selbst sei zwei Mal von ihm angegriffen worden. Gegenüber dem Kind sei er einmal aggressiv geworden, was er aber stets bestritten habe. «Als F. mit ihm sprechen wollte, packte er ihn an den Armen und warf ihn zu Boden.» Auch sie selber sei von ihrem Mann tätlich angegriffen worden.

Zur Prostitution gezwungen

Ihr Mann habe sie förmlich zur Prostitution gezwungen. Sie habe den Lebensunterhalt für die ganze Familie bestreiten müssen, da ihr Mann nur einmal pro Woche gearbeitet habe. Sie selber habe als Putzhilfe zu arbeiten versucht, das Geld habe aber nicht gereicht.

Zu ihrem Sohn sei der Vater kalt gewesen. Auch habe sich der Kleine, wenn er bei ihr zu Besuch gewesen sei, immer wieder beklagt. Der Vater würde nie mit ihm spielen. Nicht jeden Tag sei er geduscht worden, in der väterlichen Wohnung sei es nicht so sauber wie bei der Mutter gewesen. Zu essen habe es immer nur Spaghetti gegeben.

Rassistische Motive in der Gemeinde?

Von der Gemeinde Bonstetten verlangt M. eine Erklärung, warum das Kind nicht bei ihr, sondern beim vorbestraften G. untergebracht wurde. «Mir hat man nie geglaubt, ihm glaubte man immer alles.» M. verlangt Abklärungen darüber, ob auch rassistische Motive vorgelegen haben und weshalb Bonstetten dem Vater die Obhut des Sohnes übertragen habe.

Der Anwalt Burkard Wolf sagte, seine Mandantin wolle auf Anzeige gegen die Gemeinde Bonstetten verzichten. Er werde aber darum besorgt sein, dass die Gemeinde selbst und der Zürcher Regierungsrat den Fall lückenlos aufklären.

Bonstetten nimmt weiterhin keine Stellung

Die Gemeinde Bonstetten liess in einer an der Medienkonferenz verteilten Mitteilung verlauten, sie nehme zum jetzigen Zeitpunkt zu den Einzelheiten des Vorfalls keine Stellung. Sie nehme die Bemerkungen der Mutter zur Kenntnis und werde sie in die laufende Untersuchung einfliessen lassen.

Die Gemeinde arbeite eng mit den kantonalen Behörden zusammen, um den «tragischen Vorfall» aufzuklären. Die Vormundschaftsbehörde habe beide Elternteile «eng» und «sachgemäss» begleitet. (fsc/mro/sda)

Erstellt: 08.03.2010, 17:02 Uhr

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