Neuverteilung der Militärjet-Flüge: Dübendorf will nichts davon wissen

Verteidigungsminister Samuel Schmid will den Militärjet-Lärm neu verteilen. Neben den vier bestehenden Kampfjet-Basen kommt als zusätzlicher Standort nur der ausgemusterte Flughafen Dübendorf in Frage.

Bald wieder in Dübendorf? Eine F/A-18 startet zu einem Übungsflug, hier in Emmen.

Bald wieder in Dübendorf? Eine F/A-18 startet zu einem Übungsflug, hier in Emmen. Bild: Keystone

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Im Sommer wird die Idylle in den Bergen oft gestört: Nicht selten donnern Militärjets über die Köpfe der Wanderer hinweg. Geht es nach Verteidigungsminister Samuel Schmid, sollen im Sommer künftig an allen vier bestehenden Kampfjet-Standorten – Payerne, Sion, Meiringen und Emmen – während mindestens vier Wochen Ruhe herrschen. Entlasten will Schmid die Militärflugplatzregionen, indem die Piloten ihre Trainingsflüge im Ausland absolvieren.

Konfliktreiche Variante

Doch auch innerhalb der Schweiz müssten die Kampfjet-Flüge neu verteilt werden, betonte Schmid gestern. Als möglicher fünfter Standort für Starts und Landungen kommt nach der Analyse sämtlicher Militärflugplätze nur der ausgemusterte Flughafen Dübendorf in Frage. Bis Ende 2009 will das VBS das neue Standortkonzept präsentieren, zusammen mit der Botschaft zum Ersatz der veralteten Tiger-Kampfjets. Dieser Vorschlag ist äusserst konfliktreich: Dübendorf liegt nahe am Flughafen Kloten, inmitten der dicht besiedelten Agglomeration Zürich.

Für Lothar Ziörjen, Stadtpräsident von Dübendorf, ist eine erneute Stationierung von Militärjets kein Thema. «Dübendorf kommt für Kampfjets nicht mehr in Frage», sagt er gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Er geht davon aus, dass der Bund an den bestehenden vier Standorten festhalten wird. Sollte die Armee in Dübendorf trotzdem wieder Kampfjets starten lassen, ist wohl mit Protesten zu rechnen: Laut Ziörjen ist die Mehrheit der Bevölkerung in den umliegenden Gemeinden froh, dass der Jet-Lärm weg ist.

Grosse Pläne für Flughafen Dübendorf

Beim Kanton konnte man keine Stellung zu den Plänen des Bundes nehmen: «Der Regierungsrat wird sich noch damit befassen», sagt die stellvertretende Regierungssprecherin Cristina Schiavi auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Klar ist jedoch, dass der Kanton Zürich mit dem Flughafen Dübendorf Grosses vorhat: Zurzeit wird unter Federführung des Kantons abgeklärt, wie man «die letzte grosse strategische Landreserve in Zentrumsnähe» neu nutzen könnte. Pläne gibt es noch keine, doch soll das Land «im bestmöglichen Interesse künftiger Generationen» genutzt werden.

Die Armee ist sich der Sprengkraft des Vorschlags bewusst: Der interimistische Luftwaffenchef Markus Gygax – ein Befürworter von Kampfjet-Bewegungen in Dübendorf – gibt zu, dass Dübendorf wegen seiner Nähe zum Flughafen Kloten als Kampfjet-Basis «schwierig» sei. Neben Dübendorf prüfte das VBS auch die alten Militärflugplätze Mollis GL und Buochs NW. Auch die zivilen Flughäfen Zürich Kloten und Genf Coitrin wurden unter die Lupe genommen. Diese Varianten verwarf der Bund jedoch. Möglich ist auch, dass das VBS den Flugbetrieb unter den vier bestehenden Militärflugplätzen neu aufteilt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.10.2008, 14:37 Uhr

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