Zürich
Noch keine Stadtpräsidentin für alle Zürcher
Von Stefan Häne. Aktualisiert am 05.08.2009 11 Kommentare
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Wie ein Popstar, der seine Fans enttäuscht – so könnte sich Stadtpräsidentin Corine Mauch am 1. August im Irchelpark gefühlt haben. Vor ihrer Festrede erhielt sie stürmischen Applaus. Danach – sie hatte inzwischen den EU-Beitritt der Schweiz gefordert – war das Klatschen leiser; es hatte nur noch Höflichkeitscharakter. Ähnlich verlief Mauchs Auftritt an der Europride, dem schwul-lesbischen Festival im Frühsommer. Begeisterung schlug bei manchem Zuhörer in Ernüchterung um: Ist das die neue Stadtpräsidentin, die vielgelobte Corine Mauch?
In beiden Fällen zeigte sich, was bereits im Wahlkampf augenfällig war: Der Auftritt in der Öffentlichkeit behagt Mauch nicht eben. Ihre Reden sind vorgestanzt, sie selber wirkt oft bemüht. Und offenbar hat sie den Kopf nicht immer bei der Sache: An der Wahlfeier ihrer Parteikollegin Regine Aeppli zur Regierungspräsidentin hatte Mauch die falsche Rede eingepackt – und bemerkte dies erst, als sie im Theaterhaus Gessnerallee Gäste begrüsste, die nicht anwesend waren.
Kritik von allen Seiten
Mit ihren Auftritten irritiert Mauch auch im Stadtzürcher Parlament. FDP-Fraktionschef Michael Baumer etwa wirft ihr vor, den Rollenwechsel von der Gemeinderätin zur Stadtpräsidentin noch nicht geschafft zu haben. Sie sei Präsidentin aller Zürcherinnen und Zürcher und müsse deshalb auch die bürgerliche Ratsseite ernst nehmen. «Dies gelingt Corine Mauch aber noch nicht.» Wenn sie in den Ratssitzungen denn einmal anwesend sei, klinge sie vorwiegend «schulmeisterlich und defensiv». Andere Bürgerliche orten bei Mauch einen «elitären Dünkel», mit dem sie ihre Unsicherheit kaschieren wolle. Kritik einstecken muss Mauch auch für ihre 1.-August-Rede im Irchelpark: «Sie redete vom EU-Beitritt, was aber die momentanen Probleme der Stadt in keiner Weise widerspiegelt», sagt Baumer.
Keine ermunternde Worte für das Seefeld
Ebenfalls enttäuscht zeigt sich das Seefelder Gewerbe, das wegen der Riesenbaustelle am Bellevue auf ermunternde Worte der Sozialdemokratin gehofft hatte – vergebens. Richard W. Späh, Präsident des Zürcher Gewerbeverbandes, hat Mauch bislang als «SP-Frau wahrgenommen und nicht als Stapi für alle». Späh hofft, dass die Sozialdemokratin künftig nicht jeden Parkplatz vor einer Bäckerei zur ideologischen Grundsatzfrage stilisieren wird.
Wie Mauch auf solche Anwürfe reagiert, muss offen bleiben. Sie weilt derzeit in den Ferien. Fragen zu ihren ersten 100 Tagen im Amt – nächste Woche ist es so weit – blocken ihre Mitarbeiter mit Verweis auf die Gleichbehandlung aller Medien ab. Höflich bitten sie um Geduld.
Für Ferienabwesenheit kritisiert
Umso redseliger gibt sich Mauchs Partei, die SP. Andrea Sprecher, Kopräsidentin der Zürcher SP und Kantonsrätin, konstatiert einen «fulminanten Start» einer «humorvollen, authentischen» Stadtpräsidentin. Für eine fundierte Leistungsbeurteilung, darin sind sich alle einig, ist es zwar noch zu früh. Lob aus links-grünen Kreisen erhält Mauch aber für ihr bisheriges «seriöses Schaffen». Sie arbeite sich bienenfleissig in die Dossiers ein, besteche – im Widerspruch zur Wahrnehmung der Bürgerlichen – durch ihre «fast lückenlose Präsenz» im Parlament.
Dank ihrer ruhigen und zurückhaltenden Art werde Zürich in der Schweiz wieder einen besseren Ruf als unter ihrem Vorgänger Elmar Ledergerber erhalten. Mauch trete souverän auf, sie sei nahe bei den Menschen wie an der Meisterfeier des FC Zürich; produktiv und motivierend ist zudem die Zusammenarbeit mit ihr, wie diverse Angestellte der Stadtverwaltung sagen. Nur vereinzelt klingt im rot-grünen Lager Kritik an. SP-Gemeinderätin Rebekka Wyler etwa wünscht sich von Mauch künftig noch mehr Einsatz für die Ziele der rot-grünen Mehrheit.
Mehr Einsatz gefordert
Mehr Einsatz – darauf pochen auch die Bürgerlichen. Bis Ende Juni hat Mauch rund 50 repräsentative Auftritte hinter sich gebracht und in der zweiten Amtswoche 92 Stunden gearbeitet, verriet sie den Medien. Sie habe nicht erwartet, dass ihre Agenda so stark fremdbestimmt werde. Das Privatleben leide darunter.
In der SVP provozieren solche Äusserungen zynische Kommentare. Gemeinderat Roger Liebi, im Wahlkampf Konkurrent der SP-Politikerin, fragt, «ob Mauch denn überhaupt schon im Amt ist». Sie sei schlicht nicht wahrnehmbar. Offenbar versuche sie, «Ankündigungsminister Ledergerber» exakt im Gegenteil zu übertrumpfen. Aus Angst vor Misstritten ein knappes Jahr vor den Gesamterneuerungswahlen setze Mauch alles daran, keine Fehler zu machen. Dass sie vor Ablauf der ersten 100 Arbeitstage «volle vier Wochen in die Ferien abtaucht», bezeichnet Liebi als Ohrfeige für alle Zürcher, die mit der Wirtschaftskrise zu kämpfen hätten.
Weniger präsent als Ledergerber
Für Susi Gut von der Partei für Zürich (PFZ) ist dies kein Zufall: Sie hält Mauch für eine typische SP-Politikerin, die sich auf den Loorbeeren ausruhe, sobald sie ihren Posten ergattert habe. Nicht so drastisch sieht dies Thomas Koller, Vizepräsident und Geschäftsführer des Komitees Weltoffenes Zürich. Doch auch er übt Kritik: Mauch sei deutlich weniger präsent als Ledergerber und habe es noch nicht verstanden, als repräsentative Botschafterin der Stadt Zürich aufzutreten. Sie zahle jetzt Lehrgeld für ihre Unerfahrenheit als Exekutivpolitikerin. Koller, ein SVP-Mitglied, attestiert Mauch jedoch, intelligent und lernfähig zu sein. «Wir müssen ihr die Chance geben, ins Amt hineinzuwachsen.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.08.2009, 21:50 Uhr
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11 Kommentare
Man darf schon sagen, dass sich die Erwartungshaltung der Mauch-Skeptiker voll und ganz erfüllt hat! Diese Frau eignet sich schlicht zu wenig als Präsidentin einer grossen, internationalen Stadt. Sie wirkt nichtssagend und farblos, ihre Wesensart ist für dieses Amt ungeeignet. Dass eine Stadt wie Zürich nichts Besseres als Mauch und Martelli anzubieten hatte, ist für mich total unbegreiflich... Antworten
Mit viel Lärm ins Amt gehievt, und vorab von den Zürcher Medien mit Lobeshymnen besungen. Der Leistungsausweis war und bleibt dürftig und es ist zu befürchten, dass es nicht mehr wird. Grün, Frau und lesbisch sein ist kein politisches Programm. Und der Grad an verbaler und medialer Hyperventilation durch die Linken soll über die inhaltliche Leere hinwegtäuschen. Zürich hat besseres verdient. Antworten
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!


