Zürich

Nur noch elf am Internetpranger

Bereits sechs FCZ-Hooligans haben sich gestellt – obschon das Fotoportal Flickr die Bilder gelöscht hatte.

Gewütet: Am Spiel FCB-FCZ vom 20. November verursachten Hooligans Schäden von rund 100'000 Franken. Sechs von ihnen haben sich nun gestellt.

Gewütet: Am Spiel FCB-FCZ vom 20. November verursachten Hooligans Schäden von rund 100'000 Franken. Sechs von ihnen haben sich nun gestellt.
Bild: Keystone

Zuerst dachten die Basler Behörden an einen Hackerangriff. Nachdem die Seite mit den 17 mutmasslichen Fussball-Hooligans am Freitag 46'000 mal angeklickt worden war, war die Verbindung mit dem bekannten Online-Bildportal flickr.com plötzlich tot. Am Abend dann tauchte ein Mail der deutschen Geschäftsstelle der Yahoo-Tochter auf: Die Internetsuche nach potenziellen Straftätern «widerspreche den Geschäftsvorstellungen». Einziger Hinweis in den Richtlinien: «Flickr ist ausdrücklich für den privaten Gebrauch bestimmt.»

Diese Intervention aus Deutschland sei «ärgerlich», sagte der Basler Kriminalkommissär Markus Melzl. Die Staatsanwaltschaft habe bereits vor einem Jahr ein Video mit zwei brutalen Schlägern auf flickr.com publiziert, die im Bus einen Mann zusammengeschlagen hatten – damals ohne Intervention. Man habe die Hooligan-Bilder drei Stunden später auf den eigenen, weniger leistungsstarken Server des Kantons gezügelt. Weil die erste Welle von Klicks abgeflacht war, habe keine Gefahr mehr für einen Zusammenbruch bestanden.

Erfolgreiche Fahndung

Die Fahndung nach Krawalltätern beim Cup-Achtelfinal zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich vom 20. November 2009 blieb trotzdem erfolgreich. Gemäss Melzl haben sich bis gestern Abend 6 der 17 Gesuchten freiwillig gemeldet: 5 bei der Stadtpolizei Zürich und 1 bei der Zuger Polizei. Die Bilder der Gesuchten wurden sofort vom Netz genommen. Zudem seien 30 bis 40 Hinweise eingegangen, denen die Behörden nun nachgehen müssten.

Am Sonntag hatte das private Schweizer Online-Portal ClipCook die Fahndungsbilder zusammen mit Musik zu einem Clip verarbeitet. Nicht zur Freude der Staatsanwaltschaft, wie Melzl sagt. Denn so sei nicht gewährleistet, dass geständige Hooligans entfernt würden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.08.2010, 09:20 Uhr

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5 Kommentare

Thomas Wälti

16.08.2010, 20:54 Uhr
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Tipp an Staatsanwaltschaft die IT des Kantons Basel: Amazon S3 Spart Euch eine falsche Skalierung der Infrastruktur und den Basler Steuerzahlern viel Geld :-) Antworten


Urs Wipf

16.08.2010, 14:52 Uhr
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Also wirklich, ich verstehe nicht wieso kantonale Behörden ein Privatportal wie Flickr für solche Zwecke benötigen. Erstens wirkt das kaum professionell und zweitens gehören solche Fotos auf offizielle Webseiten. Dazu braucht es auch nicht Super-Server. Und wenn die kantonalen Informatiker dies nicht schaffen, dann steht es schlecht um die Staatsdiener. Antworten


Theodor Altmaus

16.08.2010, 10:34 Uhr
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Eine Frechheit der Staatsanwaltschaft! Hier werden die Rechte des Bürgers mit Füssen getreten! Und der Herr Staatsanwalt übertritt wohl selbst die Datenschutzbestimmungen. Den Staatsanwalt sollte man bestrafen, er ist die Gefahr, nicht die im Vergleich doch eher harmlosen Hooligans. Antworten


beat buerki

16.08.2010, 09:58 Uhr
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ja herr melzl, hätten sie wenigstens die geschäftsbedingungen von flickr gelesen, hätten sie gewusst, das sie gegen die regeln verstossen (tipp: regel 7 lesen und verstehen). und haben sie wirklich das gefühl, wenn sie ein bild löschen, sei es aus dem internet verschwunden? wie naiv seit ihr eigentlich, bei der basler polizei? Antworten


Heinz Durrer

16.08.2010, 09:37 Uhr
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"Denn so sei nicht gewährleistet, dass geständige Hooligans entfernt würden." - was hat sich die Staatsanwaltschaft denn unter "Internet" so vorgestellt. Es war jedem, ausser den Behörden, klar, dass die Bilder nie mehr aus dem Netz verschwinden. Naiv und etwas traurig. Antworten



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