Nur wenig Geräte gegen Herznotfälle

Der Herzstillstand von Bundesrat Hans-Rudolf Merz hat gezeigt, wie wichtig schnelle Hilfe vor Ort ist. Auf Zürichs Strassen gibt es im Kampf gegen den plötzlichen Herztod Nachholbedarf.

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Der Herztod ist weltweit die häufigste Todesursache. In der Schweiz sterben daran zwischen 7000 und 10'000 Menschen pro Jahr, rund 25 Personen täglich. Im Bereich der Zürcher Bahnhofstrasse sind es durchschnittlich eine bis zwei pro Jahr. «Diese Zahlen lassen sich reduzieren», sagt Beate Steininger vom Universitätsspital Zürich. Da die meisten Herznotfälle - wie bei Bundesrat Hans-Rudolf Merz - ausserhalb des Spitals aufträten, werde der Ersthelfer oft zum Lebensretter. Nicht nur der Faktor Zeit entscheide dann über Leben und Tod; ebenso zentral sei die Verfügbarkeit eines Defibrillators.

Im Mai hat das Universitätsspital an der Bahnhofstrasse, am Bürkliplatz, Bellevue, Helmhaus und am Central in 13 Telefonkabinen automatische externe Defibrillationsgeräte (AED) installiert (siehe Bild und Karte). Zum Einsatz gekommen sind sie bis jetzt nicht. Das landesweit einzigartige Projekt läuft bis Mai 2009. Ob es eine Fortsetzung findet, ist nicht klar. Entscheidend sei, ob sich eine AED-Installation flächendeckend realisieren lasse und die AED von Vandalenakten verschont bleiben, sagt Steininger. Letzteres sei bislang der Fall - trotz Euro 08 und Street Parade.

Fussballplätze ohne Defibrillatoren

Wie viele AED im Kanton Zürich stehen, lässt sich nicht eruieren. Ein Register existiert nicht, da es keine Bewilligung braucht, um das bis zu 5000 Franken teure Gerät zu erwerben. Die 20 öffentlichen Hallen- und Sommerbäder der Stadt Zürich sind allesamt ausgerüstet, ebenso der Zürcher Hauptbahnhof. Die Geräte sind allerdings nicht frei zugänglich wie an der Bahnhofstrasse, sondern liegen in den Sanitätszimmern bereit. Anders sieht es auf den Fussballplätzen aus: Von den 178 Vereinen im Kanton Zürich besitze nur eine Handvoll das Equipment, sagt Patrick Meier, Geschäftsführer des Fussballverbands Region Zürich. Es sei Sache der Vereine, ein solches Gerät anzuschaffen. Der Verband leiste aber bei jedem Kauf einen finanziellen Zustupf, der etwa die Hälfte des Kaufbetrags ausmache.

Ein ähnliches Engagement wünscht sich Projektleiterin Steininger vom Kanton Zürich. Dieser solle die Öffentlichkeit mit Kampagnen aufklären und Gemeinden finanziell unterstützen. «Im öffentlichen Raum hat es zu wenig Defibrillatoren», sagt sie. Dies müsse sich ändern, auch in kleineren Gemeinden.

Kanton zögert, ZKB macht vorwärts

Der Kanton gibt sich zurückhaltend. «Defibrillatoren sind sicher sinnvoll», sagt Urs Rüegg, Sprecher der Gesundheitsdirektion. Ob es eine flächendeckende Versorgung im Kanton Zürich braucht und wer diese finanziert, sei zurzeit noch nicht klar. Der Kanton warte mit Interesse auf die Ergebnisse des Pilotprojekts an der Bahnhofstrasse.

Die Wirtschaft ist teilweise schon einen Schritt weiter. Die ZKB zum Beispiel verfügt in ihrem Sitz an der Bahnhofstrasse seit 2001 über Defibrillatoren. Zur Anwendung gelangten sie bislang dreimal, wie Sprecher Diego Wider sagt. Bis Ende dieses Jahres will die Bank in ihren Hauptsitzen die Zahl der Geräte erhöhen sowie für jede Filiale einen Defibrillator anschaffen; damit verknüpft ist laut Wider eine entsprechende Schulung des Personals. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.09.2008, 09:31 Uhr

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