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Offene Drogenszene am Bahnhof Horgen

Von Adriana Zilic. Aktualisiert am 21.10.2011 19 Kommentare

Abhängige nutzen das SBB-Wartehäuschen am Perron, um Drogen zu konsumieren. Die SBB warten ab.

Treffpunkt für Drogensüchtige: Wartehäuschen zwischen Gleis 3 und 4 in Horgen.

Treffpunkt für Drogensüchtige: Wartehäuschen zwischen Gleis 3 und 4 in Horgen.
Bild: Google Street View

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Im SBB-Wartehäuschen am Perron zwischen Gleis 3 und 4 am Bahnhof Horgen halten sich zwei Männer Mitte 30 auf. Einer der beiden beginnt mit dem Esslöffel weisse Pillen auf einer Zeitung zu zerkleinern, die er auf dem flachen Steintisch platziert hat. Dann nimmt er ein aus Papier geformtes Röllchen zur Hand und schnupft das Pulver durch seine Nase. Der andere stützt sich leicht schwankend an der Tür ab.

Die Passanten blicken in ihre Zeitung oder weg. Es ist Montagmorgen, 9 Uhr. Wenige hundert Meter weiter seeaufwärts hat der Schalter der Arud-Poliklinik DBB vor einer Viertelstunde geschlossen. Abhängige erhalten dort unter Aufsicht Heroin, Methadon, Buprenorphin und Morphin.

Drogen vom Schwarzmarkt

Der ärztlichen Leiterin der Arud-Poliklinik, Irene Caspar, ist bekannt, dass Abhängige im Wartehäuschen Horgen ihre Sucht befriedigen. «Ich habe sie noch nie beobachten können, aber meine Mitarbeiter und Patienten», sagt sie. Caspar vermutet, dass sich die Personen im SBB-Wartehäuschen ihre Drogen auf dem Schwarzmarkt beschaffen und dass sich unter ihnen auch einige ihrer Patienten befinden.

Gegen das Geschehen im Häuschen hat die private Klinik wenig in der Hand. Es sei Aufgabe der Polizei und der Gemeinde Horgen, dafür zu sorgen, dass sich dort kein Treffpunkt für Süchtige etabliere, sagt Caspar.

Der Horgner Gemeindepräsident Theo Leuthold (SVP) weiss, dass um die Gleise Drogen konsumiert werden: «Es ist eine Tatsache, dass das Häuschen am Schiffssteg oftmals als Ort für den Drogenkonsum genutzt wird. Das SBB-Wartehäuschen ist mir aber neu.» Das Areal am Perron ist Eigentum der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), was ein Eingreifen für die Gemeinde erschwere. «Um gegen den Drogenkonsum im Wartehäuschen vorzugehen, müssten wir mit den SBB Kontakt aufnehmen», sagt der Gemeindepräsident. Er werde das Thema aber an der nächsten Sitzung mit der Polizei ansprechen.

Gemeindepolizei nicht informiert

Die Polizei hört vom verbotenen Drogenkonsumententreffpunkt erstmals durch die Medien. «Bis jetzt ist uns noch nichts zugetragen worden», sagt Rolf Baer, Chef der Gemeindepolizei Horgen. Zu handeln gedenkt er aber trotzdem: «Wir werden uns mit der Bahnpolizei in Verbindung setzen und das weitere Vorgehen besprechen.» Drogenkonsum sei eindeutig illegal.

Ähnlich tönt es von der Landbesitzerin SBB. Vom Wartehäuschen in Horgen als «Drogenort» ist den SBB laut Mediensprecherin Lea Meyer nichts gemeldet worden. Aber: «Solange sich kein Fahrgast darüber beschwert, werden wir nichts unternehmen», sagt Meyer.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.10.2011, 11:46 Uhr

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19 Kommentare

Rolf Löber

21.10.2011, 12:12 Uhr
Melden 26 Empfehlung

Nicht zuwarten - handeln! Grenzen setzen und diese Durchsetzen. Alles Andere bringt nur Verschlimmerung und dient niemandem - auch den Süchtigen nicht. (Hilfeleistungen für die Süchtigen sind vorhanden) Antworten


Roland Camenzind

21.10.2011, 12:27 Uhr
Melden 26 Empfehlung

Ja, genau typisch Schweizerisch. Nichts tun und aussitzen. Irgendwann ist es dann wie in Zürich, dass sich die Bahnreisenden nicht mal getrauen werden in das Häuschen zu sitzen, weil ihnen das Gebaren dieser schrägen Vögel zu bedrohlich ist, weil sie angepumpt, angefeindet oder angequasselt werden. Höflich aber bestimmt wegweisen und darauf hinweisen, dass sie unerwünscht sind, bzw. verbieten. Antworten



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