Zürich
Ohne die Deutschen ginge es den Kirchen noch schlechter
Von Christoph Landolt. Aktualisiert am 23.03.2011 24 Kommentare
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Der katholischen Kirche laufen die Schäfchen davon, doch gleichzeitig laufen ihr auch neue zu: 6161 Personen, die im letzten Jahr den Austritt gaben, stehen 6012 Leute gegenüber, die neu zur katholischen Kirche des Kantons Zürich gestossen sind. Noch negativer war das Jahr aus Sicht der reformierten Kirche. 4938 Personen sind ausgetreten, nur 1122 neu dazu gekommen.
Fruchtbare Südeuropäer, katholische Deutsche
Dass die reformierte Kirche heftiger gebeutelt ist, liegt daran, dass die katholische Kirche stärker von der Zuwanderung profitiert. Nur 3 Prozent der Reformierten kommen aus dem Ausland – bei den Katholiken rund 30 Prozent. Viele Katholiken, die in den letzten Jahrzehnten eingewandert sind, stammen aus Südeuropa. Laut Bundesamt für Migration gehörten die katholisch geprägten Portugiesen und Italiener auch 2010 zu den stärksten Einwanderergruppen. «Bei den Südeuropäern ist die Geburtenrate auch heute noch höher als im Rest der Bevölkerung», erklärt Aschi Rutz, Medienbeauftragter der katholischen Zürcher Kirche.
Stärker ins Gewicht fallen aber die Deutschen, die für einen Drittel der Zuwanderung verantwortlich sind. Im Jahr 2010 haben sich laut neusten Zahlen 9030 Deutsche im Kanton Zürich niedergelassen. Wieviele davon katholisch sind, lässt sich nicht belegen. Rutz vermutet aber, dass mehr Einwanderer aus dem tendenziell katholischeren Süd- und Westdeutschland stammen als aus dem evangelischen Norden.
«Kalter Austritt» ist einfach
Füllen die Einwanderer nun die Kirchen? «Das ist nur eine Messgrösse», meint Aschi Rutz, Medienbeauftragter der katholischen Zürcher Kirche. Gottesdienste seien nur eines von vielen Angeboten der Kirche. Die Messen der Migrantenmissionen etwa seien stets sehr gut besucht, «die bieten Portugiesen, Spaniern oder Kroaten eine Heimat in ihrer Sprache.» Deutsche Katholiken hätten dagegen einen ähnlichen Bezug zur Kirche wie die Schweizer. «Sie gehen vielleicht nicht regelmässig zur Messe, finden es aber gut, was die Kirche für die Gesellschaft leistet.»
Umso erstaunlicher bleibt, dass sich Zuwanderer dennoch weiterhin zu einer der Landeskirchen bekennen. Der sogenannte «kalte Austritt» ist für Einwanderer nämlich problemlos möglich: Anders als beim Umzug innerhalb der Schweiz werden Steuerdaten beim Überschreiten der Landesgrenze nicht weitergegeben. Ein katholischer Hesse muss beim Anmelden in seiner neuen Zürcher Wohngemeinde sein Kreuz nur bei «konfessionslos» statt bei «katholisch» setzen, und schon ist er ausgetreten. Ein formelles schriftliches Austrittsbegehren können sich Migranten sparen.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 23.03.2011, 16:03 Uhr
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