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PR-Agentur Farner zieht sich aus Anti-Flughafen-Kampagne zurück

Von Liliane Minor. Aktualisiert am 20.07.2011 8 Kommentare

Das Büro Farner und der SVP-Werber Alexander Segert sollten die Kampagne für den Pisten-Ausbaustopp führen. Doch sie sagten ab – wegen Interessenkonflikten.

Ein Swiss-Flugzeug landet in Kloten: Der Kampf um den Pisten-Ausbaustopp, über den im November abgestimmt wird, läuft bereits.

Ein Swiss-Flugzeug landet in Kloten: Der Kampf um den Pisten-Ausbaustopp, über den im November abgestimmt wird, läuft bereits.
Bild: Caro/Keystone

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In der Branche war das Engagement mit Verwunderung registriert worden: Ausgerechnet das Büro Farner, das ansonsten eher für seine Nähe zur FDP und zu Wirtschaftsverbänden bekannt ist, wollte die Ja-Kampagne für ein Pisten-Ausbauverbot am Flughafen übernehmen. Im November stimmen die Zürcher über dieses Verbot ab.

Doch es kam anders. Im Mai teilte der Kampagnenleiter Michel Grunder dem Ja-Komitee mit, dass Farner das Mandat an den Werber Andreas Jäggi abgebe. Jäggi hat ein eigenes Büro, ist aber freier Mitarbeiter bei Farner und hätte ursprünglich die Kampagne zusammen mit Grunder aufgleisen sollen. Im Protokoll jener Sitzung, das dem TA in Auszügen vorliegt, heisst es, dass «aus dem Kundenkreis der Farner der deutliche Wunsch geäussert wurde, dass diese Firma die Kampagne nicht führen solle». Das Gleiche gelte, so steht weiter im Protokoll, für die Agentur Goal von Alexander Segert. Goal ist jene Firma, die für die Zürcher SVP regelmässig heiss diskutierte Sujets entwirft.

Farner dementiert Druck

Für den Insider, der dem TA das Protokoll zugespielt hat, ist klar: «Die Swiss, der Flughafen und die SVP haben ihre Macht ausgespielt.» Der Verdacht liegt zu nahe, um wahr zu sein. Nach Auskunft der jeweiligen Pressesprecher arbeiten weder der Flughafen noch die Swiss oder die Lufthansa mit dem Büro Farner oder mit Goal zusammen. Wer Farner engagiert hat, zeigt ein Blick auf die Website: unter anderem Banken, Versicherungen, Wirtschaftsverbände, Logistikunternehmer – und eine Fluggesellschaft. Allerdings werden die meisten Kunden nicht mit Namen genannt, so auch die Fluggesellschaft nicht.

Der zurückgetretene Kampagnenleiter Michel Grunder will von Druck seitens der Farner-Kundschaft nichts gespürt haben. Farner habe aus freien Stücken entschieden, das Mandat abzugeben. Es sei üblich, bei jedem neuen Auftrag zu prüfen, ob es Interessenkonflikte mit der bestehenden Kundschaft gebe: «Manchmal ist aber eine Konfliktsituation erst nach genauerer Analyse erkennbar, so auch hier.» Auch bei Goal soll es keinen Druck von aussen gegeben haben, obwohl die SVP den Pisten-Ausbaustopp ablehnt. Die Zusammenarbeit mit Segert sei nie über den Status des Gedankenspiels hinausgegangen, sagt Grunder. Segert selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, er weilt in den Ferien.

Andreas Jäggi will ebenfalls nichts von Druckversuchen wissen. «Michel Grunder sagte mir nur, es wäre besser, ich würde die Kampagne allein machen», sagt er. Was oder wer der Auslöser gewesen sei, wisse er nicht, er habe nur von «Interessenkonflikten» gehört. Es sei normal, sagt auch Jäggi, dass Werber bei neuen Aufträgen auf ihre bisherigen Kunden Rücksicht nehmen.

Meinungsbildung erschwert?

Ursula Moor, Präsidentin des Ja-Komitees und des Flughafen-Schutzverbandes, will zum Ausstieg der prominenten Werber nichts sagen: «Wir haben eine gute Kampagne mit einem guten Sujet. Das ist das Wichtigste.» Anders ihr Vizepräsident Thomas Hardegger (SP): «Ich finde es unsäglich, wie auf diese Weise Druck auf die politische Meinungsbildung ausgeübt wurde. Das alles lief völlig intransparent und versteckt.» Werbebüros sollten sich nicht nach ihren Vorlieben richten, sondern nach den Wünschen der zahlenden Kundschaft, findet Hardegger. Immerhin verfügt das Ja-Komitee über ein Budget von 700 000 Franken.

Stellt sich die Frage, warum das Büro Farner den Auftrag des Schutzverbands überhaupt übernommen hat. Das habe historische Gründe, erklären Grunder und Jäggi. Die beiden Männer haben früher schon Kampagnen für die IG Nord gemacht, allerdings in einer anderen Werbeagentur. Damalige Präsidentin der IG Nord war Ursula Moor. Moor ist ausserdem Kantonsrätin, Gemeindepräsidentin von Höri und SVP-Mitglied. Was erklärt, weshalb man Werber Alexander Segert ins Boot holen wollte.

Ein Detail am Rand: Alexander Segert ist im März für das Nein-Komitee engagiert worden – womit er auf der Linie der SVP liegt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.07.2011, 07:33 Uhr

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8 Kommentare

Peter Müller

20.07.2011, 08:16 Uhr
Melden 32 Empfehlung

Mit dem unsinnigen Pistenausbauverbot verbauen wir künftigen Generationen die Chance auf einen leistungsfähigen und sicheren Flughafen. Wenn die tangierten Gebiete erst mal umgezont und überbaut sind, dann ist es nämlich zu spät.
Bloss weil heute viele Leute im Öko-Wahn eine rückwärtsgerichtete Politik wollen, dürfen wir diese nicht auch unseren Nachkommen aufzwingen!
Antworten


Mark F Langenauer

20.07.2011, 08:44 Uhr
Melden 18 Empfehlung

Bezüglich den Pisten sollte man sich mit Piloten unterhalten, die den Airport anfliegen, zB. mit einem A380, sowie die SICHERHEIT an erste Stelle setzen !! Bitte konsequent handeln ! Die Infrastruktur muss erstklassig ausgelegt sein um den Anforderungen zu genügen (siehe zB. FRA !) Politiker sind keine Piloten... Antworten



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