Zürich
«Papi hatte dich sehr lieb»
Von Stefan Hohler, Claudia Imfeld. Aktualisiert am 05.03.2010
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Die engsten Angehörigen versammelten sich im Friedhof Chloos in Kloten am offenen Sarg des knapp fünfjährigen Jungen. Lieblingsstofftiere des Kindes, Bildern und Blumen umrahmten den Sarg. Die brasilianische Mutter, die in Kloten wohnt, las auf Portugiesisch aus der Bibel.
«Papi hatte dich sehr lieb»
Anschliessend hielt der Pfarrer, ebenfalls auf Portugiesisch, eine Abdankungsrede. Auf dem Altar stand ein Bild, das die Mutter zusammen mit ihrem Jungen gemalt hatte. Ein Bekannter der Mutter erzählte der Trauergemeinde danach aus den glücklichen Zeiten, als der Junge mit seiner Mutter Schlittschuhlaufen gegangen war, ins Schwimmbad und Spazieren. Er sprach neben der engen Beziehung zwischen Mutter und Sohn auch jene des Jungen zum Vater an und sagte: «Du hattest den Papi sehr lieb und er dich auch.»
Ein Sänger mit Gitarre umrahmte die kurze Abdankung mit Klängen brasilianischer Musik. Unter den Trauergästen war auch der aus erster Ehe stammende 33-jährige Sohn des Täters, der vor 20 Jahren einem Mordversuch des Vaters nur knapp entkommen war und seither invalid ist.
Die brasilianische Mutter des Jungen hatte im Vorfeld gesagt, es stehe allen frei, an der Beerdigung teilzunehmen. Nur die in den Fall involvierten Behörden wolle sie nicht sehen.
Sie wirft der Vormundschaftsbehörde vor, Fehler gemacht zu haben. Laut ihrem Anwalt Burkard Wolf sind die Behörden in einem von ihm verfassten Schreiben am 13. Februar 2008 in allen Details über die kriminelle Vergangenheit des Mannes informiert worden. Der zweifach verheiratete Mann hatte 1990 bei seiner ersten Scheidung seinen damals 13-jährigen Sohn zu töten versucht.
Todesursache noch unbekannt
Die Mutter des getöteten knapp fünfjährigen Jungen und der Täter hatten sich in Spanien kennen gelernt, wo in Valencia am 27. Februar 2005 der gemeinsame Sohn zur Welt kam. Später zog das unverheiratete Paar nach Bonstetten, wo es sich Anfang 2008 trennte. Wegen der Trennung zog die Mutter in Betracht, nach Brasilien zurückzukehren. Die Frau arbeitet in der Schweiz – zumindest teilzeitlich – als Prostituierte. Der Vater beantragte aber das alleinige Sorgerecht. Ein heftiger Streit um den Buben entbrannte.
Laut Wolf versuchten die Behörden, auf die Frau Druck auszuüben, damit diese auf das gemeinsame Sorgerecht verzichtet. Der Vater wollte das alleinige Sorgerecht. Dies habe die Frau aber verweigert; das Verfahren um das Sorgerecht blieb bis zuletzt pendent. Der Vater hatte aber das so genannte Obhutsrecht: Das Kind lebte beim Vater, die Mutter konnte es zweimal im Monat besuchen. Dagegen rekurrierte die Brasilianerin beim Bezirksrat, wo der Fall bis heute hängig ist.
Vater gab Sohn Schlaftabletten
Einen Tag vor dem fünften Geburtstag tötete der Vater den Sohn in einem Winterthurer Hotelzimmer. Wie der «Blick» heute Freitag schreibt, hat der Mann dem Jungen erst Schlaftabletten gegeben. Danach habe er zum Feuerlöscher gegriffen, der mit Löschpulver gefüllt war. Laut Hotelangestellten sei das Zimmer voll mit weissem Staub gewesen.
Rechtsanwalt Wolf vermutet, der Vater habe befürchtet, dass ein Entzug des Sorgerechts bevorstehe – weshalb er die Tat begangen habe. Die Bonstetter Behörden müssen der kantonalen Justizdirektion bis Mitte März Bericht über den Fall erstatten. Inzwischen hat sich auch Brasilien eingeschaltet. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.03.2010, 14:43 Uhr
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