Parteiwechsel und schon Stadtratsträume

Mit der Ex-CVP-Politikerin Barbara Keller will die SVP in Rapperswil-Jona einen Sitz im Stadtrat erringen. Sie mischt den flauen Wahlkampf etwas auf.

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Sieben Sitze hat der Stadtrat von Rapperswil-Jona, und alle sieben Bisherigen stellen sich am 28. September zur Wiederwahl. Alle haben gute Chancen, bestätigt zu werden. Amtsmüde ist niemand, weshalb auch? Schliesslich ist diese Stadtregierung erst seit zwei Jahren im Amt, seit der Fusion der beiden Städte.

Für etwas Wind im Wahlkampf sorgt einzig die SVP, die bisher nicht im Stadtrat vertreten ist: Sie hat Barbara Keller nominiert. Die Englischlehrerin und zweifache Mutter gehörte bis im Mai der CVP an und wurde als Mitglied dieser Partei in den Kantonsrat gewählt. Noch vor ihrer Vereidigung wechselte Keller aber zur SVP. Nur knapp bestätigte der Kantonsrat die Rechtmässigkeit von Kellers Wahl, worauf vier CVP-Parlamentarier den Fall ans Bundesgericht zogen, wo er noch hängig ist.

Auf welches Departement die SVP mit der Kandidatur Keller zielt, ist unschwer zu erraten: Im März, noch vor Kellers Parteiwechsel, hat die SVP im Zusammenhang mit Schlägereien nach Eishockeyspielen schweres Geschütz gegen die Sicherheitsvorsteherin Brigitte Bruhin (FDP) aufgefahren. Der Stadtrat stellte sich damals hinter Bruhin und teilte mit, Rapperswil-Jona habe kein Sicherheitsproblem. Trotzdem soll der Personalbestand der Stadtpolizei von fünf auf sechs Polizisten aufgestockt werden.

Neben der Sicherheit ist der Verkehr ein Thema, mit dem Keller zu punkten versucht. Seit Jahren erstickt die Stadt in einer Blechlawine. Keller will die Lösung im Bau von Kreiseln gefunden haben, Bauvorstand Walter Domeisen (CVP) winkt aber ab: Man habe das durchgerechnet und verworfen.

Trotzdem hat der Wahlkampf lange keine grossen Wellen geworfen. Erst seit Keller in allen lokalen Zeitungen mit kleinen Inseraten für sich wirbt, reagieren ihre Gegner: Der Stadtrat empfiehlt sich in einem Inserat in corpore zur Wiederwahl. Ausser von der SVP selbst werden Kellers Wahlchancen nicht als sehr hoch eingestuft – es dürfte bereits ein Erfolg sein, wenn die SVP mit ihrer Kandidatur einen zweiten Wahlgang erzwingen kann.

Das liegt durchaus nicht nur an den Bisherigen, sondern auch der Person von Barbara Keller. Die SVP-Politikerin hat schon als CVP-Mitglied stramm auf der Linie der SVP politisiert. Ihr Parteiwechsel hat nun einige Wähler zusätzlich verärgert. Sie habe allein deshalb zur SVP gewechselt, so ihre Kritiker, weil sie die CVP nie zur Stadtratskandidatin gemacht hätte. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.09.2008, 21:49 Uhr

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