Pfäffiker Eltern warnen über Facebook vor möglichen Pädophilen

In Pfäffikon schlagen Eltern über Facebook Alarm: Unbekannte hätten erfolglos versucht, Kinder in ihre Autos zu locken. Kantonspolizei und Schule setzen nun auf Information zu Verhaltensregeln.

In einer verdächtigen Situation sollen Kinder in belebte Gebiete flüchten und Hilfe holen: Pfäffikon ZH während der Seegfröörni im Jahr 2002.

In einer verdächtigen Situation sollen Kinder in belebte Gebiete flüchten und Hilfe holen: Pfäffikon ZH während der Seegfröörni im Jahr 2002. Bild: Keystone

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In einem Post auf Facebook, das verschiedene Eltern in Pfäffikon ZH publiziert haben, heisst es: «Ich möchte vor allem Eltern in Pfäffikon informieren, dass wieder Kinder auf dem Schulweg von einem Mann angesprochen werden.» Dieser versuche sie zum Beispiel mit dem Satz «deine Mama ist im Krankenhaus, komm ich bring dich zu ihr» in sein Auto zu locken. Laut dem Facebook-Eintrag sei es bereits zu vier derartigen Vorfällen gekommen. Der erste datiere auf den 30. Oktober dieses Jahres.

Die Kantonspolizei kann den Post nur teilweise bestätigen. So sei es in den vergangenen Wochen zu zwei Fällen von «verdächtigem Ansprechen» gekommen, wie deren Sprecher Martin Sorg erklärt. «In einem Fall wurde ein Junge von einem Mann angesprochen, in einem anderen ein Mädchen von einem älteren Mann.» Ob man bei den Ermittlungen von zwei verschiedenen Personen ausgeht, will die Polizei nicht verraten. Die betroffenen Kinder hatten sich in beiden Fällen vorbildlich verhalten und liessen sich nicht auf die Aufforderungen ein.

Schule informierte Eltern gestern

Gestern informierte die Primarschule Pfäffikon in Zusammenarbeit mit der Polizei in einem Rundschreiben sämtliche Eltern, welches die wichtigsten Verhaltensregeln für Eltern und Kinder in solchen Fällen sind (siehe Box). «Wir nehmen die Situation ernst und versuchen die Hintergründe aufzuklären.» Zurzeit sei es aber verfrüht, von Vorfällen mit pädophilem Hintergrund zu sprechen.

Aus diesem Grund steht die Polizei auch den Facebook-Posts von Eltern in der Region kritisch gegenüber. Zwar wolle man deren Vorgehensweise nicht beurteilen, dennoch sei Vorsicht geboten: «Man muss aufpassen, dass man sachlich bleibt. Schnell verbreiten sich über solche Einträge auch Halbwahrheiten, welche die Verunsicherung der Eltern steigern.»

Betroffene Familie äussert sich nicht

Deshalb setze die Polizei stets auf die direkte Zusammenarbeit mit Eltern und Schulen, welche in diesem Fall vorbildlich funktioniert habe. Auch wenn Eltern sich bei den Lehrkräften meldeten, weil ihre Kinder etwas Verdächtiges erlebt hätten, sei es stets wichtig, auch die Polizei beizuziehen.

Was genau in den beiden Fällen in Pfäffikon geschehen war, ist zurzeit noch unklar. Die im Falle des Mädchens betroffene Familie wollte sich gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet nicht äussern, weil sie die Gerüchteküche nicht weiter anheizen wolle. Sie gab aber an, dass sie mit dem Facebook-Post nichts zu tun habe. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 16.11.2012, 14:47 Uhr)

Verhaltensregeln für Eltern und Kinder

· Kinder lernen im Laufe ihrer Entwicklung die Welt kennen. Sie beobachten, fragen, probieren, begreifen mit unerschöpflicher Energie und Fantasie. Vor allem aber lernen
sie auch durch die Vorbildfunktion von ihren erwachsenen Bezugspersonen. Es ist wichtig, dass Sie als Eltern oder Erziehungsberechtigte die Kinder ernst nehmen und das, was Sie von ihren Kindern verlangen, durch Sie auch vorgelebt wird.

· Achten Sie darauf, dass Ihr Kind pünktlich ist und Sie über allfällige grössere Verspätungen orientiert werden. Seien Sie Vorbild und erklären Sie sich Ihrem Kind, wenn Sie eine terminliche Vereinbarung nicht einhalten konnten.

· Wenn möglich schicken Sie Ihr Kind nicht allein, sondern lassen es in kleinen Gruppen zusammen mit anderen Kindern zur Schule oder zum Spielplatz gehen.

· Kinder sollen wissen: auch Erwachsenen gegenüber dürfen sie Nein sagen. Sie sind nicht verpflichtet, mit Fremden zu reden oder Auskünfte zu geben.

· Erklären Sie Ihrem Kind, dass es – ohne vorgängige Absprache mit Ihnen als erziehungsberechtigter Person – nie in das Auto von Fremden einsteigen oder mit ihnen mitgehen darf. Auch Geschenke von Unbekannten dürfen sie nicht annehmen oder sich vom Weg weglocken lassen.

· Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, wie es sich in bedrohlichen Lagen verhalten soll, damit es im Notfall richtig reagieren kann. So sollte es zum Beispiel andere
vertrauenswürdige Erwachsene ansprechen und um Hilfe bitten, wegrennen, dorthin wo es hell ist und wo Menschen sind
. Definieren Sie mit Ihrem Kind auf dem Schulweg
gewisse «Inseln» (z.B. Coop, Volg, Post, Schule usw.), wo sich ein verwirrtes Kind zurückziehen kann und wo ihm geholfen wird.

· Nehmen Sie sich Zeit, mit Ihrem Kind über seine Erlebnisse, Freuden und Sorgen zu sprechen. Vermitteln Sie ihm, dass es Ihnen alle Erlebnisse erzählen kann, die ihm
komisch oder beängstigend vorgekommen sind. Versuchen Sie Ihr Kind zur Selbstständigkeit zu erziehen und klären Sie es altersadäquat über gewisse Gefahren auf, ohne ihm Angst zu machen.

· Lassen Sie Ihr Kind neben den Eltern weitere Vertrauenspersonen nennen, an welche es sich mit seinen Erlebnissen, Ängsten und Sorgen wenden kann.

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